Tommy Haas hat seine Profi-Karriere 2017 beendet (Foto: Imago, imago images / Philippe Ruiz)

Tennis | Porträt Tommy Haas - Vollzeit-Papa mit großen Plänen

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Vor zwei Jahren hat Tennis-Star Tommy Haas seine Profi-Karriere beendet. Seitdem tritt er nur noch gegen Freunde an. Dem großen Tennis-Zirkus bleibt er dennoch erhalten.

Der ehemalige Tennis-Profi Tommy Haas genießt sein Leben als Privatier. 2017 bestritt er sein letztes ATP-Turnier. Seitdem steht er noch immer regelmäßig auf dem Platz. Doch seine Gegner heißen nicht mehr Novak Djokovic, Roger Federer oder Rafael Nadal. Mittlerweile tritt er lieber gegen seine Freunde an. Er spielt auch auf der Senior-Tour. "Für mich ist das immer eine gute Ausrede, meinen nun doch etwas älteren Körper etwas fitzuhalten", scherzte Haas am Mittwoch.

Als Turnier-Direktor in Indian Wells kümmert er sich zudem um die Weiterentwicklung des renommierten Hartplatz-Turniers, das traditionell im Frühjahr in Kalifornien ausgespielt wird. Ansonsten genießt er es, endlich mehr Zeit für die Familie zu haben.

Haas mit vielen Erinnerungen an den Weissenhof

In diesen Tagen ist er zu Besuch beim ATP-Turnier in Stuttgart, dessen Botschafter er immer noch ist. Mit dem Weissenhof verbinden ihn noch viele Erinnerungen. Vor 20 Jahren stand er im Finale gegen den Schweden Magnus Norman, das er nach deutlicher Führung und großem Kampf am Ende jedoch verlor. "Das war sicherlich einer der bittersten Momente meiner damals noch sehr jungen Karriere", sagte Haas. Seinen letzten Tour-Sieg holte er ebenfalls auf dem Weissenhof: 2017 gegen einen seiner besten Freunde, Roger Federer. Für Haas war es "einer der schönsten Momente meiner Karriere. Nicht nur, weil es mein letzter Sieg auf der Tour war, sondern weil ich vor den Augen meiner Tochter gewonnen habe".

Neue Turnier-Serie für Hobby-Spieler

Haas ist auch das Gesicht einer neuen Tennis-Serie, die sich an Breitensportler richtet und die lose an das ATP-Turnier angedockt ist. Das Prinzip: ambitionierte Hobby-Spieler und Halb-Profis der Leistungsklassen 2 bis 23 sammeln auf ihren Turnieren Punkte für den "Road 2 Mercedes-Cup". Die 16 Punktbesten Spieler spielen erstmals 2020 im Rahmen des Weissenhof-Turniers ihre Final-Spiele aus. "Ich denke, dass solche Events für Hobby-Spieler oder Spieler, die es nicht ganz nach oben geschafft haben, eine Motivation sind, dabei zu bleiben und weiter an sich zu arbeiten", sagte Haas.

In anderen Ländern gebe es bereits mehrere solche Turnier-Serien knapp unterhalb des ATP-Levels. Weissenhof-Chef Edwin Weindorfer hat da für Deutschland offensichtlich Nachholbedarf gesehen und sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Perspektivisch möchte er die Serie auch auf die Schweiz und Österreich ausweiten.

Lose Ideen für die berufliche Zukunft

Perspektivisch bleibt Tommy Haas dem Tennis-Zirkus also erhalten. Spieler-Berater oder Trainer, sind Berufe, die den 41-Jährigen reizen. Vergangenes Jahr war er ein paar Mal als Coach von Lucas Pouille unterwegs. Angebote gebe es genügend: "Aber ich habe auch zwei kleine Mädchen zu Hause, deswegen möchte ich nicht zu viel machen, weil ich auch noch viel Zeit mit den beiden verbringen möchte - vor allem in den jungen Jahren, in denen man noch gebraucht wird."

Vielleicht gründet Haas auch eine eigene Tennis-Akademie: "Die Business-Pläne gibt es schon. Es ist nur die Frage, wie groß man das aufziehen möchte und in welche Richtung wir gehen möchten. Und dafür brauche ich Sponsoren, die das auch möglich machen können. Denn nur irgendwo eine kleine Akademie hinzusetzen mit zwei/drei Coaches und 15/20 Schülern ist nicht das, was ich mir vorstelle." Es sei jedoch noch nichts fix.

Tommy Haas hat viele Ideen und große Pläne. Nur eines will der Vollzeit-Vater bis auf vorerst Ausschließen: Tommy Haas will kein "Tennis-Papa" sein.

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