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Tennis | 50. Geburtstag Steffi Graf: Tennislegende, Familienmensch, Geburtstagskind

Sie ist eine Legende: 107 Turniersiege und 377 Wochen die Nummer eins der Welt. Die bekannteste deutsche Tennisspielerin der Welt, Stefanie Maria Graf, wird am Freitag 50 Jahre alt.

Es ist ein Name, der in den Menschen vom Bodensee bis nach Flensburg Freude, Empathie und Emotionen auslöst, wenngleich automatisch ein Hauch von Nostalgie mit aufkommt: Steffi Graf, eine der größten Sportlerinnen, aus dem kurpfälzischen Brühl bei Mannheim. Aufgewachsen in der Idylle und aufgestiegen an die Weltspitze im Tennis.

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Einsame Titelträgerin: Der Golden Slam

Man hätte es schon ihren Gegnerinnen beim heimischen Tennisverein TSV Brühl nicht übel nehmen können, wenn sie irgendwann keine Lust mehr gehabt hätten, gegen Graf zu spielen. Schon sehr früh stellte sich heraus, dass sie ein “klein wenig” besser im Tennis war als die anderen, auf der Gegenseite. Nicht ohne Grund kündigte ihr Vater Peter Graf alle seine Jobs und widmete sich fortan als Trainer und Manager der Karriere seiner talentierten Tochter.

Mit Erfolg: Unter ihrem Vater wurde Steffi 1987 zum ersten Mal Weltranglistenerste, ein Jahr später stellte sie die Tenniswelt mit dem sogenannten "Golden-Slam" auf den Kopf: Zuerst gewann sie alle vier Grand-Slam-Titel und perfektionierte das Jahr 1988 mit Gold bei den Olympischen Spielen in Seoul.

Tennis | Geburtstag Steffi Graf wird 50: Große Momente, große Karriere

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Im Juni 1987 begann die große Ära von Steffi Graf bei den French Open, als sie ihren ersten Grand-Slam-Titel gegen die US-Favoritin Martina Navratilova gewann. Während des entscheidenden Satzes drehte die damals 17-Jährige noch das Spiel und verbuchte mit 6:4, 4:6, und 8:6 ihren ersten großen Erfolg. Imago AFP Bild in Detailansicht öffnen
Knapp anderthalb Monate später, gewann Steffi Graf (im Bild mit Claudia Kohde-Kilsch) und das deutsche Team den Fed-Cup gegen das US-Team. Es war der erste Erfolg überhaupt für die Deutschen bei diesem Turnier und konnte bis heute nur noch einmal in 1992 gewonnen werden. Der Fed-Cup ist der wichtigste Wettbewerb für Nationalmannschaften im Damentennis. Imago imago sportfotodienst Bild in Detailansicht öffnen
"Happy New Year" – bei Steffi Graf im Jahr 1988 mehr als zutreffend. Sie gewann zum ersten Mal die Australian Open (Bild) und verteidigte später ihren Titel bei den French Open mit einem bis heute ungeschlagenen Rekord: Nach 32 Minuten war die Weißrussin Natallja Swerawa mit 6:0 und 6:0 in Paris geschlagen. Keiner gewann jemals ein Grand-Slam-Finale schneller als Steffi Graf. Imago imago sportfotodienst Bild in Detailansicht öffnen
Nach zwei gewonnen Grand-Slam-Titeln führte Graf ihren Siegeszug beim wohl prestigeträchtigsten Turnier der Welt fort: In Wimbledon hielt sie am Ende die runde Trophäe nach oben. Dieses mal musste sich Martina Navratilova eindeutig geschlagen gebem, die früh von Grafs künftiger Welt-Dominanz überzeugt war: “Das war mir klar, seit ich Steffi das erste Mal spielen gesehen habe." Mit dem späteren Sieg der US Open gewann Graf in einem Jahr alle vier Grand-Slam-Turniere der Welt. Imago imago/Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen
Vom Star zur Legende: neben dem Grand Slam gewinnt Steffi Graf auch Gold bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul: der Golden Slam ist perfekt. Einen Begriff für diesen Erfolg gab es bis dahin noch gar nicht. Die 19-Jährige war somit die "Schöpferin" des Golden-Slams und ist mit dessen Gewinn bis heute einzigartig. Ihre Jahresbilanz 1988: 72 Siege und nur drei Niederlagen. imago images / Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen
1989: Steffi Graf verteidigte ihren Titel bei den Australian Open sowie ihren Vorjahressieg in Wimbledon. Dort gewann sie gegen Martina Navratilova mit 3:6, 7:5 und 6:1. Das Turnier war damals fest in der Hand der Deutschen, da auch Boris Becker sein Finale bei den Männern gewann. Drei Grand-Slam-Titeln räumte Steffi Graf 1989 ab, nur die French Open blieb ihr verwehrt. imago sportfotodienst Bild in Detailansicht öffnen
Nachdem sie einige Zeit nicht mehr die Nummer eins der Weltrangliste war, kehrte im Jahr 1993 mit Grand-Slam-Siegen in Paris, Wimbledon und New York wieder an die Spitze zurück. Im Januar 1994 errang Graf mit dem Gewinn der Australian Open den vierten Grand-Slam-Titel in Folge (Foto) und damit einen zweiten, „unechten“ (nicht innerhalb eines Kalenderjahres) Grand Slam. Imago imago images / Laci Perenyi Bild in Detailansicht öffnen
French Open, Finale 1999: Steffi Graf kämpfte sich nach vielen Verletzungen und kurz vor ihrem Karriere-Ende wieder zurück in ein Grand-Slam-Finale, wo sie auf das Schweizer Wunderkind Martina Hingis traf. Nachdem Graf den ersten Satz verlor, behielt sie im Final-Krimi die Nerven, während die übermütige Hingis ihre verlor. 4:6, 7:5 und 6:2 gewann die 29-jährige Graf und sprach danach von der "wundervollsten Erinnerung meiner Karriere". Imago imago images / Laci Perenyi Bild in Detailansicht öffnen

Erfolge, die nicht vergessen werden dürfen

Heute haben junge Menschen weniger Bezug zu Steffi Graf, als noch zu ihrer aktiven Zeit, die sie vor knapp 20 Jahren beendete. Dass sie eine sehr gute Tennisspielerin war, ist auch den Leuten klar, deren Leben sich nicht um den gelben Ball dreht. Dass sie aber ein "absolutes Brett" in diesem Sport war – das wird erst richtig bewusst, wenn man sich die Liste ihrer Erfolge anschaut: 22 Grand-Slam-Titel innerhalb von 13 aktiven Jahren. Zum Vergleich: US-Superstar Serena Williams benötigte für ihre 23 Titel bisher sieben Jahre mehr.

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Sendedatum
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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Steffi vs. Serena: Wer wäre die Favoritin?

Wer Serena Williams kennt, weiß nun auch, was Graf für eine Jahrhundert-Sportlerin war. Angenommen, es wäre zu einem Duell der beiden gekommen, wäre der Ausgang für Grafs ehemaligen Trainer eine klare Sache: "Serena hätte keine Chance gegen Steffi. Das hätte ich sehen wollen, wie sie gegen Steffi zehnmal nach links und rechts laufen muss", sagte Klaus Hofsäss in der "Sport Bild".

Grafs Erfolge sind genauso zahlreich wie unglaublich. Dass sie beispielsweise mit 377 Wochen den Rekord bei der Führung in der Weltrangliste hält, ist nur einer von vielen und macht sie zur besten deutschen Tennisspielerin aller Zeiten.

Medienscheu: Das macht Steffi Graf heute

Heute hat Steffi Graf den Tennisschläger nur noch selten in der Hand, erzählte sie dem amerikanischen Sender "9News". Seit knapp 20 Jahren wohnt sie mit Ehemann Andre Agassi und ihren zwei Kindern Jaz (15) und Jaden (17) in Las Vegas. Zuhause werde fast nur Englisch gesprochen, geschimpft werde jedoch auf Deutsch, sagte Graf. Im Gegenzug zu Boris Becker, vermied Graf das Rampenlicht und schützte vor allem eines – ihre Ehe mit Andre Agassi seit 2001 und ihr privates Familienglück. "Ich bewundere, wie Andre und Steffi auch ihr Leben nach der Karriere gemeistert haben", sagte Becker in der Süddeutschen Zeitung über das Tennis-Paar.

Stilles Eheglück seit 2001: Stefii Graf und Andre Agassi

Öffentlichkeitsauftritte für guten Zweck

In ihre deutsche Heimat kommt sie immer wieder gerne, da ein Teil ihrer Familie hier lebt und ihre Stiftung “Children for Tomorrow” in Hamburg ansässig ist. Diese kümmert sich um traumatisierte Kinder und Jugendliche, die Opfer von Krieg und Gewalt wurden und aus ihrer Heimat flüchten mussten.   

Der Star, der eigentlich gar keiner sein wollte: Stefanie Maria “Steffi” Graf. Wenn Tennissport eine Erfolgs-Geschichte nacherzählen müsste, dann wäre das Kapitel der Deutschen ganz weit vorn. Alles Gute zum 50. Geburtstag.

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