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Die Verschiebung der olympischen Spiele in Tokio auf 2021 bedeutet für den Ringer-Weltmeister Frank Stäbler, dass er sein Karriere-Ende ebenfalls um ein Jahr verschieben muss. Stattdessen kümmert sich der Musberger in diesem Sommer um Hausbau und Familie.

Das klappernde Geräusch hört man schon von Weitem. Jeden Morgen rollt Frank Stäbler die große Schubkarre mit Geräten und Werkzeug Richtung Baustelle. Steine schleppen, Kies schippen - unter der warmen Sommersonne von Musberg wird in diesen Tagen richtig angepackt und geschwitzt.

Der dreimalige Weltmeister baut ein Haus. Damit erfüllt er sich und seiner kleinen Familie mit Frau Sandra und Töchterchen Alia seinen privaten Traum: "Ich habe fast fünf Jahre um die Baugenehmigung gekämpft, dann war es endlich soweit", strahlt der erfolgreiche Mattenkämpfer übers ganze Gesicht, das stattliche Gebäude entsteht nur einen Steinwurf vom Bauernhof der Stäblers entfernt.

Zeit für den Hausbau in Musberg

Der Rohbau steht, bis Weihnachten wollen die Stäblers einziehen. Durch die Absage von Tokio 2020 kann Frank jetzt täglich selbst vor Ort sein, sich um die wichtigsten Angelegenheiten mit den Handwerkern und Baufirmen selbst kümmern. Und er hilft mit aus, wenn`s passt.

Willkommenes Alternativ-Training für den Ringer-Profi? "Ich versuche weiterhin, die Kraft im Kraftraum oder auf der Matte zu lassen", lacht der Weltmeister auf dem Bau, der Besen und Schaufel gerne auch selbst in der Hand nimmt, "der Coach freut sich über die Doppelbelastung".

Die Formkurve jetzt für 2021 hochhalten

Schließlich gilt es für ihn trotz der Olympia-Absage in diesem Sommer, die Formkurve weiter hoch zu halten, sich nicht auf den langen zwölf Monaten bis Tokio 2021 auszuruhen. Noch immer ist zweimal tägliches Training angesagt. Laufen, Fitness, Kraftübungen, Ringen: "Wer Weltmeister oder Olympiasieger werden will, der muss mehr geben, der muss jeden Tag am Limit trainieren. Das sind soviel Blut, Schweiß und Tränen, die du jetzt die nächsten zwölf Monate extra vergießen musst", drückt sich der aktuell weltbeste Ringer beinahe martialisch aus, was den beschwerlich langen Weg Richtung Japan im nächsten Jahr angeht.

Weltmeister Stäbler lernt auch beim Training mit Kindern

Trotzdem bleibt dem 31-Jährigen in diesem Corona-Sommer ohne jegliche Wettkämpfe auch immer wieder Gelegenheit, gemeinsam mit Freund und Trainingspartner Mohammad Papi, Top-Athlet aus dem Iran, an ganz neuen Techniken und Taktiken auf der Matte zu feilen: "Ich schaue mir immer wieder unser Kindertraining im Verein an", so der dreimalige Weltmeister, "weil Kinder völlig ungewöhnliche Körperbewegungen oder Aktionen zeigen, die man so im Ringertraining noch nicht kennt".

Frank Stäbler im ehemaligen Hühnerstall (Foto: Imago, Imago)
Frank Stäbler im ehemaligen Hühnerstall Imago Imago

In dieser schwierigen Zeit ist es für Frank Stäbler ein Riesen-Vorteil, dass er in seinem eigenen 'Worldcamp' trainieren kann. Ein ehemaliger Hühnerstall auf dem elterlichen Bauernhof, der letztes Jahr in monatelanger mühseliger Arbeit von der Familie zum perfekten Ringer-Zentrum ausgebaut wurde.

Auch Corona kann Frank Stäbler nicht besiegen

Die Verschiebung von Olympia 2020 wegen der Corona-Pandemie war für Frank Stäbler zunächst wie ein Schlag ins Gesicht: "Die Vision, die so nah war, zunächst erloschen", sagt 'Franky' und schnippt symbolisch mit den Fingern. Hochkonzentriert und wie im Tunnel hatte sich der Athlet bereits monatelang auf diesen magischen 5. August dieses Jahres, auf den letzten Tag seiner internationalen Karriere vorbereitet. An diesem Tag hätte er in Tokio in der 67-Kilo-Klasse gekämpft und wollte sich seinen letzten sportlichen Traum erfüllen: Die noch fehlende olympische Medaille holen. Nach vielen Gesprächen mit Familie, Trainer und Partnern aber war schnell klar: "Ein Frank Stäbler lässt sich auch von Corona nicht besiegen". Der finale Ringer-Kraftakt wird jetzt eben auf 2021 verschoben.

Endlich viel Zeit für die Familie

Und neben dem Eigenanteil am Hausbau bringt der ausgefallene olympische Sommer noch einen weiteren unschätzbaren Vorteil: Frank Stäbler, viele Jahre Weltreisender in Sachen Ringen und oft wochenlang unterwegs, kann sich jetzt in Musberg intensiv wie noch nie um seine Familie kümmern. "Wir genießen das sehr", bestätigt Frau Sandra gegenüber SWR Sport.

Und natürlich freut sich auch die zweijährige Tochter Alia jeden Tag unbändig auf Spiel und Spaß mit dem Papa. Im Kinderzimmer oder im Garten, wo die vielen Spielgeräte stehen: "Ich habe noch nie soviel Zeit gehabt für die Maus, die letzten Wochen und Monate haben uns sehr zusammengeschweißt wie noch nie zuvor", schwärmt Frank Stäbler von der neuen 'Trainingspartnerin' Alia. Spricht`s aus und hört aus dem Hintergrund schon wieder das Töchterchen auf dem Kinder-Trampolin rufen: "Hüpfen, Papa, hüpfen...".

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