Frank Stäbler (Foto: imago images, Imago)

Ringen | Olympia

Frank Stäblers verflixtes Jahr 2020: "Und dann kam der Mann mit dem Hammer..."

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Eigentlich wollte Frank Stäbler seine großartige Karriere mit einer olympischen Medaille krönen. Im Corona-Jahr aber kam alles ganz anders als geplant.

Frank Stäbler ist ein Mann klarer Worte: "Das Jahr 2020", überlegt der dreimalige Ringer-Weltmeister im Gespräch mit SWR Sport nur kurz, "das war schon ein verflixtes Jahr."

Besser hätte man es nicht treffen können. Das Corona-Jahr 2020 war auch für den 31-jährigen Top-Athleten ein Jahr wie kein anderes. Ein Jahr mit Höhen, vor allem aber auch mit vielen Tiefen. Dabei hatte alles so glanzvoll begonnen. Mit dem Gewinn der Europameisterschaft am 12. Februar in Rom, in der Nähe des gigantisches Colosseums. Für Frank Stäbler, den schwäbischen Gladiator der Moderne, ein unvergessliches Erlebnis: "Das war einfach nur mega-mega cool", so die Erinnerung an die Tage in der antiken Stadt mit glänzenden Augen.

Der letzte Traum - eine olympische Medaille

Der zweite Gewinn des EM-Titels sollte zum leistungsmäßigen Steigbügel für die bevorstehenden Olympischen Spiele in Tokio werden. Dem geplanten Abschluss seiner einzigartigen internationalen Karriere mit dreimal WM- und zweimal EM-Gold: "Mein letzter großer sportlicher Traum", so Stäbler, "endlich eine olympische Medaille, die fehlt mir noch in meiner Sammlung." 2012 in London verlor er in der ersten Runde, 2016 in Rio stoppte ihn eine Verletzung.

Stäblers Horror-Sommer: Olympia-Absage und Schulterverletzung

Dann aber überrollte Corona auch die Sportwelt. Für Frank Stäbler bedeutete das Virus das vorläufige Ende aller Träume. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sagte im Frühsommer aufgrund der Pandemie Olympia in Tokio ab. Dazu kam fast zeitgleich eine schwere Schulterverletzung. Die jahrelangen Höchstleistungen auf der Matte und im Kraftraum hatten mehr und mehr am Körper des unbeugsamen Sportlers gezehrt und geknabbert.

Statt Olympia und Goldrausch in Tokio hieß es Physiotherapie und Aufbautraining im privaten Leistungszentrum, einem umgebauten Hühnerstall auf dem elterlichen Bauernhof in Musberg. Für ein paar Wochen hing der sonstige Sunnyboy Frank Stäbler in einem körperlichen und mentalen Loch. Der olympische Medaillentraum - endgültig zerplatzt? Von wegen. Nicht mit Frank Stäbler. Der Mattenkämpfer "tastete sich wieder heran", trainierte sich zurück zur Hochform, immer die olympische Neuauflage Tokio 2021 vor Augen.

Im Oktober mit dem Corona-Virus infiziert

Schnell jedoch folgte der nächste Tiefschlag. Die zweite Corona-Welle führte zum Abbruch der Bundesliga-Saison, auf die er sich so sehr gefreut hatte. Für seinen neuen Klub ASV Schorndorf konnte er nur einen einzigen Kampf absolvieren. Dann war Schluss mit dem nationalen Wettbewerb, aber noch lange kein Ende für Frank Stäblers persönliche Tiefschläge: Mitte Oktober der Schock, der Musberger wurde positiv auf Corona getestet.

"Ich hab's nicht unterschätzt, ich konnte es aber nicht richtig greifen, weil ich kaum Symptome hatte. Ich fand es deshalb gar nicht so schlimm am Anfang", beschreibt Frank Stäbler die Befindlichkeit im Interview mit SWR Sport. Erst ein Leistungstest mit dem Nationalteam am Olympiastützpunkt in Heidelberg brachte die brüchige Gesundheit des Profis nach der Viruserkrankung ans Tageslicht: "Dann kam der Mann mit dem Hammer und hat mir eine übergezogen, als ich mit der Belastung begonnen habe", formuliert es Frank Stäbler mit markigen Worten, "mir hat es die Luft abgeschnürt, ich hatte starke Brustschmerzen."

Mit Atmungsübungen zurück zur Olympia-Form

Dazu kamen gravierende Leistungseinbrüche. "Das war schwierig zu verkraften, wenn man den Traum hat acht Monate später Olympiasieger zu werden", erinnert sich Frank Stäbler an die Tage und Wochen nach der Corona-Infektion. Aber erneut nahm das 'Stehaufmännchen' den Kampf des Schicksals an. Wieder ist seither gezieltes Aufbautraining angesagt. Diesmal auch mit dem Atem-Trainer Yasin Seiwasser, einem früheren Kampfsportler: "Ich mache täglich bis zu eineinhalb Stunden Atmungsübungen", so Stäbler. "Da merkt man erst, welches zusätzliche Potenzial das Atmen für einen Leistungssportler hat."

Der Ringer würde sich für Olympia auch impfen lassen

Für einen Start nächsten Sommer in Tokio würde Frank Stäbler auch eine Corona-Impfung in Kauf nehmen: "Die Impfbescheinigung könnte ein Türöffner sein", glaubt er, beispielsweise für Flughäfen oder Hotels, "wenn es erforderlich ist, würde ich mich selbstverständlich impfen lassen." Ob er nach seiner Infektion mit dem Virus im Oktober überhaupt noch geimpft werden müsse, weiß er aber nicht. Seine momentan starken Antikörper "könnten sich über die Monate wieder abbauen", das müsse man beobachten.

Vorfreude auf 2021: Vater, Hausbau, Tokio

In jedem Fall aber geht der Kämpfer optimistisch und voller Vorfreude ins neue Jahr 2021, denn auch im privaten Bereich stehen Highlights an. Seine Frau Sandra ist hochschwanger, im Februar wird Frank Stäbler zum zweiten Mal Vater, dazu kommt der Einzug ins eigene Haus in Musberg: "Positiv auf Corona, aber positiv im Leben", so Ringer-Weltmeister Stäbler mit dem ihm eigenen Humor zum Jahreswechsel. "Der Traum lebt, ich werde den harten und steinigen Weg gehen und freue mich unglaublich auf das olympische Jahr. Dann heißt es Vollgas voraus, Tokio wir kommen." Alles unter dem Motto: "Frank Stäblers letzter Tanz..."

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