Frank Stäbler (Foto: Imago, Frank Stäbler)

Ringen | Weltmeisterschaft Frank Stäbler und sein "Weg durch die Hölle"

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Frank Stäbler ist Dreifach-Weltmeister im Ringen. Nächste Woche kämpft der Musberger zum letzten Mal bei einer WM. In einer neuen Gewichtsklasse, die ihm alles abverlangt.

Der Mittags-Imbiss war lecker angerichtet. Käse- und Schinkenschnittchen, daneben erfrischende Süßgetränke. Doch dafür hatte Frank Stäbler nicht einen einzigen Blick übrig, als er in Fellbach die Medien zur WM-Pressekonferenz geladen hatte. Denn der Ringer-Weltmeister aus dem schwäbischen Musberg hat seit Monaten einen erklärten Feind: Die Waage. Von austrainierten 75 Kilo Lebendgewicht muss Stäbler runter auf 67 Kilo, seine neue Gewichtsklasse bei der WM nächste Woche in Kasachstan und auch im kommenden Jahr bei den olympischen Spielen in Tokio. Seine bisherige 72-Kilo-Klasse, in der er 2018 zum dritten Mal Weltmeister wurde, hat der internationale Ringerverband Anfang des Jahres gestrichen.

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Vom Schock zur neuen Herausforderung

"Zunächst war das für mich wie ein Schock", erinnert sich Stäbler gegenüber SWR Sport, "aber dann hat mich mein Trainer auf den richtigen Weg gebracht, indem er von der letzten, ultimativen Herausforderung für mich sprach".

Stäbler wäre nicht das "Mental-Monster", hätte er diese Herausforderung promt angenommen. Er gründete sein persönliches "Projekt 67". Bis zur WM runter auf 67 Kilo, möglichst ohne Substanzverlust, was Kraft und Ausdauer angeht. Fast ein Ding der Unmöglichkeit für einen Spitzensportler. Aber: "Ich will Unmögliches möglich machen, ich gehe All-In".

Der Ausnahmesportler Stäbler setzt für sein internationales Karriereende alles auf eine Karte. In der 67-Kilo-Klasse will er sich am 15. und 16. September bei der WM in Nursultan/Kasachstan für Olympia in Tokio 2020 qualifizieren. Dafür muss er das kleine oder das große Finale um Bronze oder Gold erreichen. "Ich möchte meinen letzten Traum leben", sagt Stäbler, der in diesen Tagen, wie immer wenn man ihm begegnet, vor Ehrgeiz und Vitalität geradezu sprüht. Der letzte Traum: WM, Tokio, olympisches Edelmetall.

Tokio soll zum krönenden Abschluss werden

Die Endstation Sehnsucht steht mit konkretem Datum: Der 5. August 2020, an diesem Tag wird in Tokio in 67 Kilo um Edelmetall gerungen. Danach wird Stäbler - sollte er dabei sein - seine internationale Karriere unwiderruflich beenden. Eine olympische Medaille, die fehlt ihm noch in seiner imposanten Erfolgsstory : Vielfacher Deutscher Meister, Europameister, dreimal Weltmeister in drei Gewichtsklassen. Das war zuvor noch keinem Ringkämpfer der Welt gelungen.

Ringer Frank Stäbler (Foto: Imago, ZUMA Press)
Ringer Frank Stäbler Imago ZUMA Press

Stäbler als "lebender Verbrennungsmotor"

Jetzt also der beinharte Weg zum möglicherweise vierten Stern und Richtung Tokio. "Ich musste mein ganzes Leben umstellen", sagt Stäbler. Um die 67 Kilo zu erreichen, musste er vor allem seine Ernährung umstellen: "Ich bin zum lebenden Verbrennungsmotor geworden", lacht der sympathische Griechisch-Römisch-Ringkämpfer. Scharfe Gewürze wie Chili oder Ingwer sollen die Verdauung anregen. Morgens früh und abends spät wird auf Kohlenhydrate verzichtet, weißer Zucker wurde komplett aus dem Ernährungsplan gestrichen: "Statt dessen nehme ich Honig oder Kokosblütenzucker als Ersatz." Resultat: Bis Anfang September und nach dem Trainingslager mit der Nationalmannschaft im Norden von Finnland pendelte Stäbler sein Trainingsgewicht auf knapp 71 Kilo ein. Dabei fühlt er sich jetzt sogar "agiler, schneller und beweglicher".

Training im Kuhstall in Musberg

Im heimischen Kuhstall in Musberg folgt in den nächsten Tagen bis zum Abflug nächsten Mittwoch noch der Feinschliff. Neben Getreide, Traktoren und anderen Landmaschinen von Papa Stäbler hat sich Champion Frank sein eigenes "World-Camp" mit Kraftgeräten und Ringermatte eingerichtet. Dort trainiert Stäbler täglich mit seinen Freunden wie beispielsweise dem iranischen Weltklasseringer Abdolmohamed Papi, der für den Bundesligisten Schorndorf ringt, oder Michael Widmayer, einem anderen deutschen WM-Ringer aus dem nahen Ehningen. Bis zum ultimativen Gang auf die Waage in Kasachstan will "Fränky" auch die restlichen vier Kilo loswerden: "Das ist kein Kinderspiel, das ist viel eher ein Weg durch die Hölle. Da musst du ans absolute Limit." Warum er sich mit 30 Jahren diese Tortur noch antut? "Ich will es der ganzen Ringer-Welt noch einmal beweisen, zeigen, dass man seine Träume nie zu früh aufgeben darf."

"Das Wort Hunger ist gestrichen"

Ob`s neben der angestrebten Olympia-Quali in Kasachstan auch für den vierten WM-Titel, den vierten Stern reicht? Eine klare Prognose kann und will Stäbler nicht abgeben. Für ihn zählt zunächst nur, dass er am 15. September, morgens um 8.00 Uhr, in Nursultan mit glatten 67 Kilo über die Waage geht. Kein Gramm mehr, kein Gramm weniger. "Wenn ich dann noch stehen kann und gut ins WM-Turnier starte, dann ist alles möglich". Bis dahin gilt für Frank Stäbler das Motto: "Hunger gibt`s nicht, das Wort ist gestrichen". Und so bleiben die leckeren Häppchen unberührt...

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