Kadir Caliskan (Foto: Imago, Der deutsche Ringer Frank Stäbler bei der Weltmeisterschaft 2019)

Ringen | Personalie Frank Stäbler über den Umgang mit Druck, Ängsten und Rückschlägen

AUTOR/IN

Sie ist immer ein besonderer Ort, mit dem jeder etwas Individuelles verbindet - die eigene, alte Schule. Ringer Frank Stäbler kehrte heute zu seinen Wurzeln zurück und hielt vor vielen Schülern einen Motivations-Vortrag mit Tipps für den Umgang mit Druck und Rückschlägen.

Montag, 09:30 Uhr, Ludwig-Uhland-Schule in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart: Vor rund 15 Jahren stiefelte hier täglich ein Junge namens Frank Stäbler durch die Eingangstüren. Schon damals steckte sich der sportbegeisterte Junge klar definierte Ziele: "Er wollte den Hauptschulabschluss mit einer Durchschnittsnote von 2,0 abschließen und eines wollte er noch mehr – Weltmeister im Ringen werden.

Heute ging Frank Stäbler wieder durch die Eingangstüren seiner alten Schule, die heute eine Werk-Realschule ist, und hat all diese Ziele erreicht. Die Hauptschule schloss er mit der Note 2 ab, den Weltmeistertitel im Ringen gewann er gleich drei Mal in seiner Karriere. Trotz aller Erfolge sind auch dem Musberger Zweifel an der eigenen Person und den eigenen Leistungen nicht fremd geblieben. Durch eigenes Coaching und Tricks kann er diese Sorgen aber schnell abschütteln.

Dauer

"Man muss sich täglich überwinden"

"Selbst als dreifacher Weltmeister musst Du dich täglich überwinden, motivieren und aufstehen. Ich habe da gewisse Tricks und weiß, worauf ich achten muss, wenn ich einen Rückschlag habe. Das habe ich mir die letzten Jahre hart erarbeitet. Deshalb kann ich das oft anwenden", so Stäbler über die Selbstmotivation.

Flashback zu Stäblers Abschlussprüfungen

Diese benötigt man auch, wenn man in die eigene Schule zurückkehrt. Es sei "unglaublich und ein interessantes Gefühl nach fast 15 Jahren wieder zurückzukehren", sagte der 30-Jährige der im Februar in Rom versuchen wird, den Europameistertitel zu erringen. Die Aula seiner Schule ist der Ort, wo er vor vielen Jahren seine Abschlussprüfung schrieb. Heute hielt er dort einen Motivationsvortrag vor rund 200 Schülern. Es ist nicht sein erster Auftritt als Bühnenredner, aber der erste im Rahmen des Projekts "Be ready!", welches Stäbler zusammen mit dem Kultusministerium BW und der Stiftung "Sport in der Schule" ins Leben rief.

Erfolgsformel: Guter Vortrag = aufmerksame Schüler

Wenige Augenblicke bevor der 74-Kilogramm-Mann die Bühne betrat, herrschte in der Aula ein hoher Geräuschpegel, was bei der Anzahl an Schülern bestimmt nichts Verwunderliches ist. Die Kunst dabei ist es, diesen Pegel schnell zu minimieren. Knapp 50 Minuten lauschten die Schüler aktiv den persönlichen und spannenden Geschichten aus Stäblers aktiver Karriere. Der Familienvater sprach über Verletzungen vor großen Wettkämpfen, seinen persönlichen Umgang mit seiner Angst vor Wettkämpfen, den positiven Umgang mit bereits gemachten Fehlern. Die Verarbeitung von Rückschlägen und Herausforderungen soll den Schülern durch das Projekt nähergebracht werden, denn diese Themen gehören nicht nur zum Profisport, sondern auch zur Schulzeit.

Dauer

Zu viele Schüler, zu viele Fragen, zu wenig Zeit

Viele werden es aus der eigenen Schulzeit kennen - eine Fragerunde ist bei den Schülern nicht immer der beliebteste Teil eines Vortrags, da die Angst hoch ist, man könne falsche oder blöde Fragen stellen. Doch nicht nach Frank Stäblers Rede. Der Weltklasse-Ringer nahm sich rund 45 Minuten Zeit, um fleißig Selfies mit nahezu allen Schülern zu machen. Selbst der dicke Stapel mit Autogrammkarten war innerhalb kürzester Zeit signiert und in den Händen der Kinder.

Nach Olympia wechselt Stäbler seinen Beruf

Der erste Vortrag von vielen geplanten des neuen Projekts war ein voller Erfolg, für die Schule und für Stäbler: "Ich hatte große Erwartungen. Natürlich musst Du über so langen Zeitraum die Aufmerksamkeit der Kinder behalten. Bei langweiligem Zeug verlierst du sie sehr schnell. Deshalb bin ich sehr glücklich, dass es so gut ankam und die Leute so glücklich sind", so der Musberger.

Dauer

Jetzt konzentriert sich Stäbler erst einmal voll auf die im Februar anstehende Europameisterschaft in Rom und auf seine letzten Olympischen Spiele im Sommer 2020 in Tokio. Danach könne sich Stäbler vorstellen, "jeden zweiten Tag eine solche Veranstaltung zu machen. Vor Olympia müssen wir zurückfahren, denn das kostet Kraft". Diese Kraft lohnt sich sichtlich, wenn man sich Frank Stäbler als Motivationsredner so ansieht.

AUTOR/IN
STAND