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Nach dem Ausbruch des Equinen Herpesvirus 1 (EHV-1) bei einem internationalen Reitturnier in Valencia Ende Februar, scheint sich die Lage beruhigt zu haben. Nun wird über eine Impfpflicht diskutiert.

"Es sieht so aus als hätten wir diese schlimme Geschichte überstanden", erzählt Peter Hofmann, Vereins-Vorsitzender des Reitervereins Mannheim. Er wirkt erleichtert, weiß aber auch: "Wir müssen achtsam bleiben." Seit Mittwoch findet auf dem Mannheimer Maimarkt wieder das traditionelle Reitturnier statt. Allerdings etwas anders als normalerweise, mit Schutzkonzepten und unter Auflagen - wegen Corona, aber eben auch wegen des Pfede-Herpes.

Auf die Anlage kommen nur Pferde, die einen negativen PCR-Test haben, der nicht älter als 120 Stunden ist. Vor der Abfahrt nach Mannheim musste bei den Tieren mehrere Tage lang die Temperatur gemessen und dokumentiert werden. "Auch hier wird zwei bis drei Mal am Tag Fieber gemessen. Ein Tierarzt prüft stichprobenweise, dass das alle machen", erklärt Peter Hofmann. "Aber ich habe das Gefühl: Alle wissen, um was es hier geht und welch dramatische Folgen der Herpes-Ausbruch in Valencia hatte."

Herpes-Ausbruch mit tödlichen Folgen

Die Bilder und Meldungen aus dem spanischen Valencia Ende Februar waren erschreckend: Zusammengesunkene Pferde, die nur mit Hilfe von Kränen und Schlingen um den Bauch aufgerichtet werden konnten. "Tragischerweise sind insgesamt 18 Pferde infolge des Herpesvirus-Ausbruchs in Valencia verstorben, darunter auch acht deutsche Pferde. Ein Fohlen starb direkt nach der Geburt. Das ist eine sehr traurige Bilanz", resümiert die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) auf Anfrage von SWR Sport.

Der Weltreiterverband (FEI) hatte nach dem Herpes-Ausbruch ein weltweites Turnier-Verbot ausgesprochen. Zwar wurde das zum 12. April aufgehoben, allerdings dürfen Turniere nur unter Auflagen und nur mit einem Herpes-Schutzkonzept stattfinden, wie jetzt in Mannheim. Die FN hatte den Stopp des nationalen Turniersport bereits zum 29. März unter Auflagen wieder aufgehoben. Bis zum 12. April durften Pferde auf Turnieren aber nicht eingestallt werden oder übernachten.

Maimarkt-Turnier: Weniger Pferde in einem Stallzelt

In Mannheim übernachten die Pferde wieder wie gewohnt in den großen Stallzelten. Allerdings sind nicht alle Boxen belegt, damit nicht zu viele Tiere zu nah aufeinander sind. Außerdem finden in diesem Jahr die Dressur-, Spring- und Para-Wettbewerbe nicht parallel, sondern nacheinander statt. Dadurch sind insgesamt weniger Pferde gleichzeitig auf der Anlage. Die Springpferde, die an diesem Samstag anreisen, werden außerdem in anderen Stallzelten untergebracht als zuvor die Dressurpferde.

Auch wenn der Herpes im Griff zu sein scheint, in der Pferdewelt ist er nach wie vor ein großes Thema. "Jetzt wird über eine Impfpflicht diskutiert", erklärt Peter Hofmann. Allerdings sei das nicht so einfach, denn ein Impfstoff bringe keine vollständige Sicherheit. Außerdem müsse man die Pferde alle sechs, wenn nicht sogar alle drei Monate impfen: "Das können sie bei einem Pferd, das im Sport läuft, nicht machen." Der Dachverband Deutscher Galopp hingegen hatte bereits Anfang März eine Impfpflicht erlassen.

Dorothee Schneider fordert Impfpflicht

Die Pferde von Vielseitigkeits-Olympiasieger Michael Jung aus Horb am Neckar sind bereits alle geimpft. "Damit haben sie schon mal einen sehr, sehr großen Schutz. Sie können zwar erkranken, aber ohne schlimmen Verlauf", sagte Michael Jung Anfang März im Interview mit SWR Sport.

Auch die Pferde von Mannschafts-Olympiasiegerin Dorothee Schneider aus Framersheim sind bereits alle geimpft. "Das ist essentiell", erklärte sie Ende März und forderte: "Ich bin der Meinung, dass wir eine Impfpflicht bekommen sollten. Natürlich hat so eine Impfung auch Nebenwirkungen, aber grundsätzlich können wir den Virus damit eindämmen und unsere Pferde zum großen Teil schützen." Der Dachverband Deutscher Galopp hatte bereits Anfang März eine Impflicht erlassen.

Angst vor Herpes-Ausbruch vor allem bei Züchtern groß

Mannheims Turnierdirektor Peter Hofmann weiß: "Vor allem bei den Züchtern ist Herpes ein schwerwiegenderes Thema, weil es einen Virus-Abort verursacht und das ist natürlich dramatisch." Das musste auch Nationenpreis-Reiter Sven Schlüsselburg aus Ilsfeld erleben. Er hatte das Herpes-Virus unwissentlich mit in die Heimat gebracht. Sechs seiner neun "gedeckten Stuten haben verfohlt", wie es Schlüsselburg in der Fachsprache ausdrückte. Die Fohlen starben also vor oder kurz nach der Geburt.

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Der Ausbruch des Herpes-Virus im spanischen Valencia und seine dramatischen Folgen werden noch lange in den Köpfen bleiben. Peter Hofmann bleibt trotzdem positiv: "Grundsätzlich glaube ich, wenn wir bei den Sportpferden ein bisschen aufpassen, haben wir das Thema durch."

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