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In zahlreichen europäischen Ländern grassiert unter Pferden aktuell die Virusvariante EHV-1. Eine Herpes-Infektion, der schon zahlreiche Tiere zum Opfer gefallen sind - auch in Baden-Württemberg. Wie geht Reit-Olympiasieger Michael Jung aus Horb am Neckar mit der Gefahr für seine Pferde um?

Es sind schwierige Zeiten für Sportfans und Sportler. Der Freizeitsport ist aufgrund der Corona-Pandemie zu großen Teilen verboten, bei Sportveranstaltungen dürfen Zuschauer nicht dabei sein und Profis treten "Geister-Veranstaltungen" ohne Publikum und Anfeuerung an.

Ganz schlimm trifft es die Berufsreiter: Neben dem Corona-Virus bei Menschen grassiert aktuell bei Pferden das Herpes-Virus. Bei einem großen Turnier in Spanien (Valencia) brach Ende Februar eine aggressive Variante aus. Turnierpferde aus der ganzen Welt infizierten sich, brachten das tödliche Virus mit nach Hause. 

Nationale Turniere unter Auflagen erlaubt

Auch in Baden-Württemberg gab es Todesfälle. Bis zum 11. April hat der Weltverband alle internationalen Turnier in Europa und somit auch Deutschland verboten, nationale Turniere sind erst seit Montag (29.3.) mit strengen Auflagen wieder erlaubt.

Am schnellsten reagierten die Vielseitigkeitsreiter: es gab sofort ein Turnier in Altensteig, mit dabei: Olympiasieger Michael Jung aus Horb am Neckar. Er tritt mit sieben Nachwuchspferden in Altensteig an, doch ist dabei immer auf der Hut. Der 38-Jährige weiß: Viren sind gefährlich - sowohl in Sachen Corona als auch in Sachen Herpes.

"Man muss vorsichtig sein"

"Es ist beides nicht zu unterschätzen. Sicherlich, man muss vorsichtig sein, aber ich glaube, gerade hier in Altensteig hat man sich ganz, ganz viele Gedanken gemacht, um so ein Turnier durchzuführen", sagt Jung über das Event in Altensteig, einer kleinen Stadt im Landkreis Calw.

"Außer auf dem Pferd herrscht immer Maskenpflicht"

Turnierchef Rüdiger Rau hat ein aufwendiges Konzept entwickelt, dass alle Institutionen akzeptiert haben. Um Menschen und Tiere zu schützen, gibt es viele Regeln und Vorschriften erzählt er: "Zunächst mal übernachtet ja keiner hier. Das geht auch gar nicht aufgrund der Herpes-Geschichte. Die Reiter müssen mit ihren LKW- und Pferde-Anhängern an einer Einlass- und später Auslass-Kontrolle vorbeifahren. Dort oben wird dann nochmal jeder Reiter explizit darauf angesprochen, dass Abstand zu wahren ist, dass die Maske zu tragen ist. Außer auf dem Pferd herrscht immer Maskenpflicht."

Framersheim

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Daran halten sich alle Reiter vorbildlich - doch Masken für Pferde funktioniert nicht, hier liegt ein mögliches Risiko: Beim Schnauben können die Tröpfchen mehrere Meter fliegen. Durch Abstand wird die klassische Tröpfchen-Infektion vermieden - in Altensteig stehen alle Pferde mindestens zehn Meter auseinander.

Viele Pferde nicht geimpft

Bei Turnier-Stallzelten ist das immer anders: die Boxen stehen dicht an dicht. So breitete sich die aggressive Herpes-Variante beim Turnier in Valencia auch blitzschnell aus. Auch, weil viele Pferde gar nicht geimpft waren! Ein Fehler?

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Ende Februar war es bei einem internationalen Reitturnier in Valencia zum Ausbruch des Equinen Herpesvirus 1 (EHV-1) gekommen. Auch in Richtung Deutschland hatten viele Pferde Valencia bereits verlassen, bevor der Herpes-Ausbruch bekannt war. Seitdem steht das Telefon der Tierärztin Petra Ohnemus nicht mehr still.  mehr...

"Wir haben unsere Pferde schon seit 10, 15 Jahren gegen Herpes geimpft. Wenn man den ganzen Bestand, den ganzen Stall geimpft hat, dann ist man schon mal ein Stück weit auf der sicheren Seite", findet Jung.

Geimpfte Pferde können zwar erkranken, haben aber nicht die schlimmen Verläufe! Deshalb dürfen im Galopp-Sport auch nur noch geimpfte Vollblüter starten. Unterdessen wird im Reitsportweltverband weiter über Impflicht diskutiert.

Das ist allerdings in Altensteig weit weg. Bei der Geländeprüfung gilt hier für alle: gesund bleiben - und zwar Reiter und Pferd!

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