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Ende Februar war es bei einem internationalen Reitturnier in Valencia zum Ausbruch des Equinen Herpesvirus 1 (EHV-1) gekommen. Auch in Richtung Deutschland hatten viele Pferde Valencia bereits verlassen, bevor der Herpes-Ausbruch bekannt war. Seitdem steht das Telefon der Tierärztin Petra Ohnemus nicht mehr still.

Die Bilder sind schockierend: Zusammengesunkene Pferde, die nur mit Hilfe von Kränen und Schlingen um den Bauch aufgerichtet werden können. Die Virusvariante EHV-1 erschüttert seit Wochen die Reiter-Szene. Nach dem Ausbruch in Valencia brachten viele Reiter das Virus mit in die heimischen Gestüte. Den Ilsfelder Reiter Sven Schlüsselburg hat das Virus mit insgesamt acht toten Tieren besonders hart getroffen.  

"Durch das große Turnier, die lange Anreise und den kleinen Raum stehen viele Pferde unter enormem Stress", meint Fach-Tierärztin Petra Ohnemus von der Pferdeklinik in Iffezheim. Dadurch entstehe bei vielen Pferden eine Immunsuppression, wodurch die Pferde anfälliger für Infektionen seien.  

Neun klassifizierte Herpesviren  

Insgesamt gibt es neun klassifizierten Herpesviren (EHV). Der Typ EHV-1 ist eines davon. Besonders gefürchtet ist die neurologische Ausprägung des Virus, die zum Tod der Tiere führen kann. Der Krankheitsverlauf kann bei den Pferden sehr unterschiedlich verlaufen.   

Petra Ohnemus beschreibt den Verlauf der Erkrankung folgendermaßen: "EHV-1 verursacht zuerst eine Infektion und Erkrankung der oberen Rachenwege. Das führt zu Fieber und Husten. Bei schwerem Krankheitsverlauf verbreitet sich das Virus auf die Trachea und die Lunge. Danach kommt es zu einer Keimvermehrung, wodurch die Keime in die Blutbahn gelangen und eine Virämie ausgelöst wird." Weiter erklärt Ohnemus: "Einige dieser Viren können durch kleine Blutgefäße in das Rückenmark der Pferde gelangen, wodurch kleine Infarkte entstehen und zu neurologischen Verlaufsformen führen."  

Emotionaler Verlust – großer wirtschaftlichen Schaden

Ohnemus geht davon aus, dass ungefähr 30 Prozent der befallenen Pferde diesen neurologischen Verlauf haben. Die anderen 70 Prozent würden eher leichtere Symptome zeigen. Bei tragenden Stuten führe die Infektion allerdings oft zu Aborten, wodurch neben dem emotionalen Verlust auch ein großer wirtschaftlichen Schaden entstehe.   

Das EHV-1 Virus überträgt sich, wie das humane Corona-Virus, über die Atemwege. Die Übertragung des Virus geschieht meistens von Pferd zu Pferd, wobei der Erreger aber auch von Vektoren, wie Menschen, übertragen werden kann.  

Aufgrund des Ausbruchs wurden vorsorglich in zwölf Länder - auch Deutschland - die internationalen Turniere bis zum 11. April abgesagt. Der Dachverband Deutscher Galopp führte umgehend nach dem Ausbruch für alle Pferde, die am Rennbetrieb in Deutschland teilnehmen, eine Impflicht ein. Allerdings gilt die Impflicht bisher nur für den Galopp-Sport. Für Ohnemus sei bei der Impfung vor allem die richtige Aufklärung entscheidend. 

Risiko sinkt durch Impfungen  

Eine Impfung der Pferde kann die Infektion und den eventuellen Ausbruch zwar nicht sicher verhindern, doch der Verlauf der Erkrankung wird abgemildert. Außerdem scheidet ein infiziertes Pferd weniger Viren aus – dadurch sinkt das Risiko der Ansteckungen.  

Petra Ohnemus ist überzeugt, dass das Virus in den Ställen gut in den Griff zu bekommen ist. Auch weil der Impfandrang in den letzten Wochen stark gestiegen ist.  

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