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Vielseitigkeitsreiter Kenki Sato träumt von Olympia in Tokio. Dafür hat der Mönch vor ein paar Jahren sein Kloster in Japan verlassen und sich einen neuen Meister gesucht: Olympiasieger Michael Jung aus Horb am Neckar.

Kenki Sato gehört zum Fünfer-Team der japanischen Vielseitigkeitsreiter, nur drei von ihnen dürfen am 30. Juli bei den olympischen Wettbewerben starten. Und der 37-jährige Japaner hat sich extra auf die Spiele vorbereitet: Vor ein paar Jahren zog Sato zu Olympiasieger Michael Jung nach Horb-Altheim. Im Nordschwarzwald wollte er so viel lernen wie nur möglich.

Sato: Vielseitigkeitsreiter und Mönch

Dabei hat Kenki Sato bereits etwas ganz anderes gelernt: Er ist ein ausgebildeter Mönch. Statt Tempel in den japanischen Bergen heißt es jedoch seit Jahren Reitstall-Leben in Altheim!

"Die Kraft und Power der Pferde zu spüren macht unseren Sport zu etwas ganz besonderem."

Kenki Sato kennt sich aus - mit Zen-Buddhismus und mit Pferden. Zur Zeit erlebt der Japaner mit seiner Stute "Contadora" die intensivsten "gegenwärtigen Augenblicke", die im Buddhismus wichtig sind.

Pferde gehörten schon immer zu Satos Leben

Als Siebenjähriger begann Sato mit dem Reiten. Er wuchs in einer 450 Jahre alten Tempelanlage in den Bergen in der Nähe von Ogawa im Westen Japans auf. Dort gab es keine Autos, sondern eben Pferde. Für Satos Ur-Großvater, Großvater und Vater gehörten Pferde ganz selbstverständlich zum Alltag.

Vater Shoto ist nicht nur Tempel-Meister, sondern auch Reit-Meister. Er zeigt einem Kamerateam stolz die eigenen zahlreichen Siegespreise und natürlich auch die von seinen Kindern. Außerdem erklärt er als Abt der Tempelanlage, warum Pferde schon immer zum Alltag gehörten: "Als es noch keine Leichenwagen gab, mussten wir Mönche die Pferde für die Beerdigungen stellen."

Kenki Sato mit Stute Shanaclough Contadora bei Vielseitigkeitsprüfung (Foto: Imago, IMAGO / Shutterstock)
Für den reitenden Mönch Kenki Sato ist es der große Traum: der Start bei den Olympischen Spielen in Tokio. Dafür trainiert er im Schwarzwald bei Vielseitigkeits-Olympiasieger Michael Jung. Imago IMAGO / Shutterstock

Leben heißt Veränderung: Olympia statt Tempel

Kenki Sato ist in der vierten Generation der Familie Mönch. 2008 konzentrierte er sich auf seine Ausbildung als Priester, verzichtete auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Peking. Das Leben als Mönch hat Tradition, inklusive Veränderungen: "Ein Mönch arbeitet für Buddha, kümmert sich um alles im Tempel", beschreibt Sato das Leben in einem buddhistischen Tempel. "Inzwischen ist es ein modernes System, 650 Familien gehören heute dazu. Als Mönche kümmern wir uns in der Tempelanlage zum Beispiel um Todesfälle und Hochzeiten, wir helfen bei allen Zeremonien."

Training mit Olympiasieger Michael Jung

Das wichtigste Event für Sato: Die Olympischen Spiele in Tokio. Dafür hat Mönch Kenki seinen Tempel verlassen, ist extra für ein paar Jahre in den Schwarzwald gezogen - zu Vielseitigkeits-Olympiasieger Michael Jung. Für ihn der perfekte Trainer.

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Michael Jung sei zwar kein Buddhist, doch er zeige buddhistischen Geist, strahle Ruhe und Kraft aus, meint Sato. Vor allem kümmere er sich jeden Tag um einzelne Schritte, jede Minute, jede Sekunde gehe es um Details. Und mit diesen gründlichen Schritten im Leben könne Michael Jung gelassen und superkonzentriert bei Turnieren auftreten, bewundert der Japaner den Charakter seines Trainers. Deshalb könne Jung alles gewinnen.

 Empty your mind - befreie Deinen Geist, leere Deinen Kopf!

Früher, so Kenki Sato, habe er sich auf der Schule für Mönche tagelang um Meditation gekümmert. Inzwischen reiche es, eine Viertelstunde auf einem Stuhl zu sitzen, die Hände richtig zu halten und den Kopf "klar zu bekommen". Man solle nicht an den Sieg, an den Erfolg denken, rät der 37-Jährige. Zuviel nachdenken schade der Balance.

Und nach Olympia? Zurück in den Tempel

Jetzt hofft er, gut ausbalanciert bei den Spielen in Tokio starten zu dürfen. Nur noch drei Reiter pro Nation sind erlaubt, noch ist Sato Reserve-Kandidat. Doch er bleibt gelassen, schließlich gebe es immer Wichtigeres als sportlichen Jubel: Inspiration, Bescheidenheit, Erleuchtung und Demut.

Seine Zukunft sieht er im Tempel: "In der vierten Generation dreht sich bei uns alles um den Tempel. Mein Vater ist jetzt der Boss, der nächste bin hoffentlich ich." Zwar werden Kenki Sato und Stute "Contadora" das Zuhause im Schwarzwald vermissen - doch "loslassen ist der Schlüssel zum Glück".

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