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Die Dressurreiterin Dorothee Schneider ist Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin und leitet ein eigenes Gestüt im rheinhessischen Framersheim. Auch sie beschäftigt das aktuell grassierende Herpes-Virus.

Im Reitsport geht die Angst vor einer gefährlichen Variante des Herpes-Virus um. Nach einem Turnier in Spanien sind bereits einige Tiere verstorben. Olympiasiegerin Dorothee Schneider hat ihr Gestüt in Framersheim bestmöglich abgesichert, alle Tiere waren bereits vorher geimpft. Trotzdem muss auch sie ganz genau auf ihre Pferde achten. Im Interview mit SWR1 Rheinland-Pfalz spricht sie über die Einschränkungen durch das Herpes-Virus:

SWR: Hallo Frau Schneider. Wie geht's denn ihren Pferden heute? Und wie geht es Ihnen vor allem in der Situation?

Dorothee Schneider: Also zuallererst natürlich zu den Pferden. Dem Pferdebestand hier in meinem Betrieb geht's zum Glück sehr gut und nicht zuletzt wahrscheinlich deswegen, weil der gesamte Bestand durchgeimpft ist gegen Herpes und wir natürlich alles getan haben, um vorher schon den Bestand zu schützen. Wir hatten vor anderthalb Jahren bis zwei Jahren schon mal so einen "Ansturm" von dem Herpes-Virus, der sich nicht ganz so fatal ausgewirkt hat wie der, der jetzt in Valencia getobt hat, aber doch auch essenziell war und wir den ganzen Bestand geimpft haben.

SWR: Sie haben gerade Valencia schon angesprochen. Bei einem Turnier in Spanien sind mehrere Pferde an der Krankheit verendet. Heißt das jetzt Quarantäne?

Natürlich. Also bei uns ist es so, dass im Moment kein Pferd raus und kein Pferd rein geht, sondern der Bestand stabil ist. Und wir versuchen natürlich jegliche Gefahr einer Einschleppung zu vermeiden.

SWR: Für Menschen warten wir beim Thema Corona auf flächenmäßiges Impfen. Sie haben ja gerade schon gesagt, dass ihre Pferde durchgeimpft sind. Das heißt, das ist im Prinzip schon so eine vergleichbare Situation oder wie müssen wir uns das vorstellen? Also, dass die Pferde dann resistent sind gegen Pferdeherpes?

Naja, die Impfungen sind ja nicht immer zu 100 Prozent schützend, sondern wir sprechen hier von 75 bis 80 Prozent, wobei man beim Virus aus Valencia vermutet hatte, dass es auch eine aggressivere Mutation ist, das ist noch nicht bewiesen. Aber grundsätzlich gibt es immer nur einen Schutz von 80 Prozent und das auch nur, wenn der gesamte Bestand geimpft ist und nicht wenn 50 Prozent geimpft sind und 50 Prozent nicht - dann hat das Virus einen Angriffspunkt und dann kann es auch auf geimpfte Pferde überspringen.

SWR: Bei ihnen ist das aber im Prinzip im Moment alles sicher? Oder müssen Sie sich da trotzdem jeden Tag immer wieder Gedanken machen und immer wieder kontrollieren, ob es den Pferden gut geht?

Naja, "sicher" in Anführungszeichen. Wir haben ja mit Sicherheit auch den Moment, wo ein Tierarzt hier in einem Betrieb kommt oder ein Hufschmied. Die müssen natürlich Vorsichtsmaßnahmen treffen, sich frisch anziehen, Handschuhe tragen und natürlich darauf achten, die Verantwortung zu übernehmen hier in den Betrieb nichts einzuschleppen. Desinfektionsmittel steht hier überall rum. Das sind natürlich Dinge, die man auch macht, ähnlich wie beim Coronavirus, dass man versucht, nicht von einem zum anderen etwas zu übertragen. Aber hier gibt es im Moment zum Glück nichts zu übertragen, weil der Betrieb Herpes-frei ist und ich hoffe, das bleibt auch so. Den Pferden geht es gut und natürlich, wenn einem irgendetwas auffällt, dann ist man natürlich auch schnell mal am Fiebermessen und nachschauen. Aber, toi toi toi, klopf auf Holz: Mein Betrieb ist im Moment gesund, die Menschen und auch die Pferde.

SWR: Da drücken wir Ihnen auch die Daumen, dass das so bleibt. Sie haben ja ein großes Gestüt mit vielen Pferden. Wie ist das denn jetzt eigentlich so für die diversen Sport- und Hobbyreiter? Inwieweit sind denn die durch die aktuelle Situation beeinträchtigt?

Natürlich, wir haben im Moment keine Veranstaltung, das bezüglich der Sportreiter. Das ist aber auch genau richtig, dieser Veranstaltungsstopp ist, glaube ich, essenziell, dass sich dieser Virus ausbreitet, weil wir wollen ja nicht, dass noch mehr Pferde sterben müssen. Und da müssen wir im Moment alle Mal durch, dass es eben keine Veranstaltungen gibt und wir zuhause bleiben mit unseren Pferden, damit nichts angesteckt wird. Und die Hobbyreiter: Ins Gelände und ausreiten und an dem eigenen Standort den Sport genießen, das kann ja jeder tun. Natürlich auf einem gesunden Pferd.

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