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Zehn Tage sind vergangen, seitdem Dorothee Schneider durch den tragischen Zusammenbruch ihres Pferdes "Fohlenhof’s Rock’n Rose" einen Schlüsselbeinbruch erlitt. SWR Sport hat sie besucht.

Es sind zehn Tage, in denen sich die Dressur-Olympiasiegerin zurückzog, um die körperlichen, vor allem aber auch die seelischen Schmerzen zu verdauen. Jetzt gewährte sie SWR Sport auf ihrem Gestüt St. Stephan im rheinhessischen Framersheim einen emotionalen Blick in ihr Seelenleben und zeigte gleichzeitig wieder Angriffslust. "Es ist natürlich nicht so einfach, das für mich mental abzuarbeiten", sagt Schneider: "Aber ich denke da positiv, dass ich in zwei, drei Wochen wieder im Sattel sitzen kann."

Olympia-Teilnahme bleibt das große Ziel

Sie gibt aber auch zu: "Ehrlich gesagt hatte ich schon bessere Zeiten." Dorothee Schneider wirkt nachdenklich. Ihren rechten Arm trägt die Mannschafts-Weltmeisterin und -Olympiasiegerin in einer Schlinge, um das lädierte Schlüsselbein möglichst effektiv zu schonen. An Reiten ist nicht zu denken im Moment. "Es ist so gebrochen, dass es nicht operiert werden kann. Ich arbeite an der Ruhigstellung und versuche, mich zu beherrschen", erzählt die 52-Jährige und lächelt leicht selbstironisch. Denn alle, die sie kennen, wissen um ihren Tatendrang - gerade auch, wenn es um große sportliche Ziele geht.

"Ich versuche langsam zu machen, dass die Heilung schnell vonstatten geht." Denn natürlich bleibt ein Start bei den Olympischen Spielen in Tokio das große Ziel. "Für die Vorbereitung bedeutet die Verletzung natürlich eine gewisse Einschränkung", erklärt ihr Ehemann und Manager Jobst Krumhoff. "Aber das Ziel Olympia steht nicht in Frage!"

Framersheim statt Maimarkt-Turnier

Eigentlich stand seit Mittwoch das Internationale Maimarkt-Turnier in Mannheim auf dem Wettkampf-Programm von Dorothee Schneider. Doch statt in den letzten April-Tagen eine wichtige Prüfung im Rahmen der Olympia-Tests zu gehen, ist jetzt Ruhe und Geduld zuhause in Framersheim angesagt.

Das magische Datum lautet jetzt: 3. Juni. "Das ist der allerspäteste Zeitpunkt: die Deutsche Meisterschaft in Balve", so Schneider mit einer Mischung aus Hoffnung und Angriffslust. "Das wäre der letzte Zeitpunkt, an dem ich spätestens sportlich auftreten muss, um die Qualifikation für die Olympischen Spiele reiten zu können."

Comeback als doppelte Herausforderung

Dafür muss die Top-Reiterin nicht nur körperlich wieder fit werden, sondern auch mental stark sein. "Denn auf der einen Seite ist es die Verletzung und der Gedanke, derzeit nicht selbst im Sattel sitzen zu können", beschreibt Jobst Krumhoff die doppelte Herausforderung. "Auf der anderen Seite ist es der Verlust des Pferdes. Der wiegt für meine Frau als ein emotionaler Mensch mehr wie die Verletzung. Die Verletzung kann man auskurieren."

Die Tragik bei den Pforzheimer Dressurtagen vor anderthalb Wochen, als Rock’n Rose bei der Siegerehrung durch einen Aorta-Abriss zusammenbrach und kurze Zeit danach an nicht zu stoppender innerer Verblutung starb, bleibt als äußerst schmerzhafter Moment im Gedächtnis. Krumhoff: "Insbesondere, wenn man mit einem Tier so zusammengewachsen ist wie meine Frau, dann ist das doppelt schlimm."

Noch immer kommen die Tränen

Wenn Dorothee Schneider jetzt über die weite Anlage von St. Stephan geht, wo derzeit 45 Pferde unterschiedlicher Jahrgänge herangezogen und in der Dressur ausgebildet werden, dann gehören melancholische Momente dazu. Denn die Erinnerung an "Fohlenhof’s Rock’n Rose" ist eine besondere. "Rosi, so ihr Spitzname, war sehr nah bei mir", erzählt Dorothee Schneider stolz, aber auch mit den Tränen kämpfend. "Ein spezielles Pferd, sehr ehrgeizig, aber immer lieb, dem Menschen zugetan, dem Sport zugetan. Ich habe viele tolle Momente mit ihr erlebt…."

Ihr Blick sucht Tröstliches und geht deshalb in Ruhe über die Außen-Koppeln, über das frische hohe Gras, in dem sich auch die Spitzen-Pferde regelmäßig austoben dürfen. "Das gehört zu meinem Konzept, dass die Sportpferde auch mal chillen dürfen", erklärt die Pferdewirtschaftsmeisterin und beginnt wieder zu lächeln. "Dass sie die Sonne genießen und dass deutlich wird, dass die 'Sportler' auch ihre Freizeit und ihr Leben genießen."

Nächster Wettkampf schon Mitte Mai?

Dorothee Schneider blickt nach vorne: "Ich strebe an, vielleicht schon Mitte Mai in München zu starten, aber das kommt natürlich ganz auf den Verlauf der Verletzung an." Ihre Olympia-Pferde werden wie gewohnt weiter bewegt. "Ich hab ein tolles Team hier, das mich toll unterstützt und mir den Rücken freihält", erzählt Schneider, während sie am Rande des Dressur-Vierecks Anweisungen gibt und lacht: "Ich helfe von unten! Das sieht alles sehr positiv aus. Die Mitarbeiter haben Spaß, die Pferde haben Spaß. Wir sind in einer sehr guten Form."

Dieses Wir-Gefühl ist es wohl auch, dass ihr über die Geschehnisse der letzten Tage hinweg hilft. Dorothee Schneider macht sich Mut: "Ich hoffe, die Zeit heilt alle Wunden…."

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