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Der plötzliche Tod des Dressur-Pferdes von Olympiasiegerin Dorothee Schneider ist noch immer ein Schock. Stefanie Petzoldt, Tierärztin der Pferdeklinik an der Rennbahn in Iffezheim, erklärt SWR Sport die mögliche Todesursache: einen Aorta-Abriss.

Wie kann ein Pferd eigentlich aus dem Nichts in sich zusammenbrechen und sofort tot auf dem Boden liegen?

"Das passiert ganz, ganz plötzlich. Es kann unterm Reiter passieren, es kann beim Führen oder bei sonst irgendwas passieren. Meistens fängt es damit an, dass es nach Luft schnappt, dann zittert, schwankt und dann letztendlich umfällt. Dann kann es noch kurz krampfen, ist aber extremst schnell verstorben."

Stefanie Petzoldt ist seit 2016 Tierärztin in der Pferdeklinik Iffezheim. Ihre Spezialgebiete sind die Chirurgie, die bildgebende Diagnostik sowie die Orthopädie. Aorta-Abrisse seien eine sehr, sehr seltene Todesursache von Pferden. Man spricht von einer Wahrscheinlichkeit von einem Promille - eines von 1.000 Pferden - das daran sterbe. Trotzdem habe man schon häufiger von solchen Abrissen gehört: denn wenn sie auftreten, dann dramatisch. So wie der Tod von Schneiders Pferd "Rosi", der unerwarteter wohl nicht hätte auftreten können.

Aber was genau ist ein Aorta-Abriss?

Das Pferd ist dann nicht zu retten. Das Einzige, was man machen könne, sei zu versuchen, den Reiter zu retten. Sicherzustellen, dass er nicht unters Pferd käme und "man ihn schnell da wegholt". Problem dabei ist, dass die Unfälle so unvorhergesehen und schnell passieren, dass sie weder Arzt, noch Tier oder Reiter eine Möglichkeit geben, zu agieren.

"Es blutet in der Regel in den Brustkorb hinein, also Lunge und Herz, und dann kann dieses nicht mehr arbeiten."

Die starken inneren Blutungen führen dann unausweichlich zum Tod. Ursachen sind nicht bekannt - in der Regel weisen Pferde nicht mal Vorerkrankungen auf.

Wie viele Aorten-Abrisse Petzoldt in ihrer Tierärztin-Historie selbst miterlebt hat, sei schwer zu sagen. Es gäbe oft Pferde, die zuhause versterben, aber nicht obduziert werden. Demnach bestünde der Verdacht eines Aorten-Abrisses sehr häufig, viele der Verdachtsfälle werden allerdings nicht obduziert.

Können Aorta-Risse eigentlich auch bei Menschen auftreten?

Menschen haben genauso eine Hauptschlagader, eine Aorta. Interessant ist allerdings, dass bei Menschen im Gegensatz zu Pferden die Risse auch an anderer Stelle der Aorta passieren können und dass Vorerkrankungen durchaus eine Rolle spielen. Wenn schnell gehandelt wird, können Menschen sogar noch gerettet werden:

Schneider kam beim Sturz glimpflich davon

Dorothee Schneider hatte gerade den dritten Platz der Pforzheimer Dressur-Tage belegt. Die Feierlaune wurde abrupt vom Unfall begraben: Während der Siegerrunde riss die Hauptschlagader ihrer vertrauten Stute, die noch mit ihrer Hausherrin auf dem Rücken zu Boden stürzte und verstarb. Ein Schock für die Framersheimerin, die mit Rock 'N Rose, seit fast acht Jahren an ihrer Seite, nicht nur Erfolge, sondern eine innige Vertrautheit verband. Die Beziehung zu Fohlenhof's Rock'n Rose sei laut Ehemann und Manager Jobst Krumhoff eine ganz besondere gewesen.

Körperlich kam Schneider relativ glimpflich davon - Stand jetzt habe sie keinen lebensbedrohlichen Verletzungen, habe sich aber einen Schlüsselbeinbruch zugezogen. Die Nacht von Sonntag auf Montag verbrachte sie auf der Intensivstation in Pforzheim, bevor sie von ihrem Ehemann abgeholt wurde. Weitere Untersuchungen stehen ihr noch bevor.

"Was ist mit dem Pferd? Was ist mit dem Pferd?"

Der Verlust des Pferdes wird sie noch eine Weile beschäftigen. Die emotionale Bindung war groß. "Was ist mit dem Pferd? Was ist mit dem Pferd?", sei laut Krumhoff in der "Allgemeinen Zeitung" Schneiders größte Sorge auf dem Weg zum Krankenhaus gewesen.

Dorothee Schneider bei der Siegerehrung der Deutschen Meisterschaft (Dressur) 2020  (Foto: Imago, IMAGO / Stefan Lafrentz)
Dorothee Schneider und Rock 'n Rose bei der Siegerehrung der Deutschen Meisterschaft (Dressur) 2020 Imago IMAGO / Stefan Lafrentz

Ticket für Tokio noch offen

Rock 'n Rose war nicht als Teil des Olympia-Kaders von Dorothee Schneider vorgesehen. Die gebürtige Wiesbadenerin gilt als bisherige Mitfavoritin für die Wettbewerbe in Tokio. Inwieweit der Tod "Rosis" Schneiders anstehende Pläne beeinflussen wird, ist unklar - ihre Teilnahme am Mannheimer Maimarkt-Turnier Ende April wurde zumindest vorsorglich abgesagt.

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