Ruth Winder (Trek-Segafredo) 2019 bei La Course by Le Tour de France, dem Ein-Tages-Rennen, das bis 2021 Teil der der UCI Women's World Tour war. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/MAXPPP | Laurent Lairys)

Rennrad | Frauen

Neustart mit der Tour de France Femmes

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AUTOR/IN
Michael Richmann

Mit der Tour de France ist eine Legende in den Frauen-Radsport zurückgekehrt. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die den Frauen-Radsport international stärkt, aber die Bundesliga abhängen könnte.

Die Tour de France ist das Radsport-Highlight. Kein Radsport-Event umranken mehr Mythen als die berühmte Frankreich-Rundfahrt. Nur: Frauen waren dabei häufig auf die Zuschauerinnen-Rolle reduziert. Es gibt kaum Geschichten über Radsportlerinnen, die sich den Col du Tourmalet hinaufquälen oder die Champs-Élysées entlangbrettern. Und die Geschichten, die es gibt, werden zu selten erzählt, um sich ins kollektive Gedächtnis einzubrennen.

Frühere Versuche für die Tour de France Femmes scheiterten

Dabei gab es durchaus Versuche, eine Tour de France für Frauen zu etablieren. So hat die Societé du Tour de France, die auch die Tour der Männer organisiert, 1984 die Tour de France Féminin ins Leben gerufen - und 1989 aus wirtschaftlichen Gründen wieder eingestellt. Zwei Jahre lang wurde dennoch eine kleinere Tour of the EEC und eine Tour Cycliste Féminin ausgefahren.

Aus der Societé wurde 1992 die Amaury Sport Organisation (A.S.O.), ein Unternehmen, das die Tour de France professioneller vermarkten und den Markennamen exklusiv haben wollte. So wurde aus der Tour de France Féminin das Grande Boucle Féminine. Doch mit dem Namen verlor das Rennen auch das Flair und wurde 2009 entgültig eingestellt. Zwar gab es seit 2013 noch ein Ein-Tages-Rennen mit dem Titel La Course by Le Tour de France, das war jedoch ein Rennen der unteren Kategorie (1.1) und wurde eher als Rahmenprogramm der Männer-Tour wahrgenommen.

Große Fortschritte auf der UCI Women’s WorldTour

Nun wagt der Radsport-Weltverband UCI (Union Cycliste Internationale) mit der Tour de France Femmes (24. bis 31. Juli) einen Neustart. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung im Frauen-Radrennen, die mit der Reform der UCI Women’s WorldTour 2016 ihren Anfang nahm. Seitdem gibt es für immer mehr Rad-Klassiker auch eine Version für Frauen - Paris-Roubaix (seit 2021), Giro d’Italia Donne (seit 2021), Vuelta (seit 2021), Amstel Gold Race Ladies Edition (seit 2017) stehen jetzt im Kalener der UCI Women’s WorldTour.

Mehr noch: Die Veranstalter der insgesamt 24 Rennen müssen eine TV-Übertragung garantieren, die 14 World-Tour-Teams zahlen ihren Athletinnen ein Mindestgehalt und garantieren ihnen auch einen Job nach dem Mutterschutz. Es läuft also gut für die internationale Radsport-Elite.

Probleme für die Radsport-Bundesliga

Doch die Entwicklung im internationalen Frauen-Radsport droht die deutsche Radsport-Bundesliga ein wenig abzuhängen. Denn von den Gehältern der World-Tour-Athletinnen sind die überwiegend in Deutschland fahrenden Bundesliga-Athletinnen meilenweit entfernt. Im Gegenteil: Hannah Fandel und Victoria Stelling vom Radsport-Team Stuttgart werden zwar von Sponsoren ausgerüstet und bekommen Zuschüsse zu den Fahrtkosten. Aufs Jahr gerechnet müssen die 24-jährige Medizinstudentin aus Tübingen und die 20-jährige Fitness-Ökonomin aus Gottmadingen am Bodensee noch Geld mitbringen, um ihren Sport auf der Grenze zwischen sehr ambitioniertem Hobby und Profitum ausüben zu können.

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Auch sportlich droht die Bundesliga den Anschluss ans internationale Programm zu verlieren. Um zum Beispiel den Aufwand bei Straßenrennen möglichst gering zu halten, starten die Frauen in der Radsport-Bundesliga gemeinsam mit den Juniorinnen. Die Konsequenz: Ein Bundesliga-Rennen ist damit nur noch 80 Kilometer lang. Der Sprung auf die internationale Ebene, wo die Rennen 120 bis 180 Kilometer lang sind, wird dadurch immer größer. "Daher versuchen immer mehr Bundesliga-Fahrerinnen sofort den Sprung in eines der UCI-Teams zu schaffen", meint Olaf Janson, Teammanager des Radsport-Teams Stuttgart, "und so verliert die Bundesliga natürlich immer weiter an Niveau". Klassische Radsport-Länder wie Spanien, Italien oder die Benelux-Staaten seien den Deutschen daher strukturell voraus und der Aufstieg für künftige Generationen aus Deutschland werde dadurch deutlich schwieriger, sagt Janson.

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