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Deutschlands bester Straßensprinter ist ausgebremst: Pascal Ackermann trainiert – ohne zu wissen, wofür. Nachdem der 26-jährige Profi vom Team Bora-hansgrohe bei der UAE-Tour in Dubai zum ersten Mal mit der Corona-Krise konfrontiert wurde, ist er jetzt nach einer kleinen Abenteuerreise über Frankreich und Österreich im pfälzischen Landau gelandet. Zur Not trainiert er auf der Terrasse.

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Pascal Ackermann ist ohne Zweifel der Sonnyboy unter Deutschlands Radprofis. Sein Lachen ist ansteckend. Nicht nur, wenn er als Sieger wieder mal auf dem Treppchen steht, wie in seinem grandiosen Jahr 2019, als er unter anderem den 1. Mai-Klassiker in Frankfurt gewann und als erster Deutscher überhaupt das lila Sprinttrikot des Giro d’Italia eroberte. Beide Events sind erstmal gecancelt. Der 26-Jährige muss sich keine Sorgen um einen Arbeitsplatz machen im Profi-Peloton. "Ich habe einen 3-Jahres-Vertrag unterschrieben, keine finanziellen Sorgen", erzählt der Topsprinter vom Rennstall Bora-hansgrohe beim Training inmitten der pfälzischen Weinberge. Um nachdenklich hinzuzufügen: "Jetzt merkt man auf einmal, was man niemals gedacht hätte: dass ein Grippe-Fall oder ein gesundheitlicher Fall Dir plötzlich im Weg stehen kann."

"Wir wurden nachts um vier aus dem Bett geklingelt"

Sein Weg in den letzten Wochen war abenteuerlich. Es begann mit den ersten Corona-Fällen im Umfeld des Radsports bei der UAE-Tour in Dubai. "Wir wurden nachts um vier aus den Betten geklingelt. Uns wurde nur erklärt, die Rundfahrt wird abgebrochen und ihr müsst jetzt sofort alle runterkommen", schildert Pascal Ackermann den Schock-Moment im Fahrer-Hotel. "Wir wurden dann getestet und in die Zimmer zurückgeschickt, quasi in Quarantäne. Und dann haben wir noch ein paar Tests gemacht dort, und nachdem die dann alle negativ waren, durften wir wieder ausreisen."

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Nach dem Einsatz beim Etappenrennen Paris-Nizza, das ebenfalls vorzeitig beendet wurde, kehrte der Pfälzer kurz in seinen Wohnort in Österreich zurück – um dann ganz schnell vor Eintreten der verschärften Reisebestimmungen erneut die Koffer zu packen. "Jetzt lebe ich erstmal bei meinem Bruder in Landau", lacht Ackermann. Wie lange, ist ungewiss. "Wir Radprofis wissen nicht, wie es weitergeht. Eigentlich sind wir arbeitslos. Für uns ist das eine ganz schwere, unbestimmte Zeit." Doch er vertraut seinem Rennstall Bora-hansgrohe voll und ganz: "Der steht zu uns."

Training in Ungewissheit

Aber: Trainingspläne erstellen? Kaum praktikabel. Rennkalender studieren? Unmöglich. Denn es gibt keinen. "Und doch müssen wir trainieren, dass wir in Form bleiben", sagt Ackermann und lacht. Denn selbst für eine komplette Ausgangssperre hat der 26-Jährige vorgesorgt: auf der Terrasse ist ein kleines Fitness-Studio entstanden mit Hanteln und einem Rad-Ergometer. "Also mein Trainer könnte mir ein Trainingsprogramm schreiben. Das könnte ich dann abfahren mit Intervallen, mit speziellen Trittfrequenzspielchen. Das wäre alles möglich", erzählt der Sprintspezialist, während er mit unterer Wattzahl auf der Rolle strampelt und sich erste Schweißperlen auf der Stirn bilden. "Aber der Spaßfaktor ist nicht so hoch. Man sitzt die ganze Zeit nur auf einer Stelle, es ändert sich nichts an der Sicht. Von daher würde ich bevorzugen, draußen weiter zu fahren."

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Also geht’s aufs Rad, nach draußen. Asphalt statt Ergometer, pfälzische Weinberge statt Terrassenblick auf Hausdächer. Dazu die Hoffnung, dass es irgendwann im Sommer wieder die ersten Rennen gibt. Und möglichst viele Termine nachgeholt werden können. "Meine Saison ist ja normalerweise im Oktober beendet", sagt Ackermann. "Jetzt rechne ich damit, dass wir eventuell sogar bis November oder Dezember Rennen fahren." Und in Ackermanns Augen leuchtet gleich wieder Angriffslust. Verbunden mit seinem unwiderstehlich positiven Lachen.

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