Pascal Ackermann aus Minfeld beio Kandel ist derzeit in Topform (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Radsport | Porträt Pascal Ackermann - der Hochgeschwindigkeits-Malocher

Sieg beim Klassiker Frankfurt-Eschborn, Etappen-Sieg beim Giro d'Italia am Sonntag, ein starker dritter Platz am Montag - Pascal Ackermann ist derzeit in aller Munde. Doch wie tickt der 25-Jährige eigentlich?

Pascal Ackermann ist noch Junioren-Fahrer, als er da auf der Bühne steht im Heinrich-Heine-Sportgymnasium in Kaiserslautern. Und er strahlt. Nicht nur, weil er gerade gefeiert wird für seinen Weltmeister-Titel im Teamsprint auf der Bahn. Nein, auch deshalb, weil Pascal Ackermann gerne strahlt. Ganz natürlich, ohne Anstrengung. Der Junge ist einfach so. Gut gelaunt, zielstrebig, ehrgeizig, neugierig aufs Leben. Der Pfälzer Sonnyboy gehört zu jenen Sportlern, die einem offen in die Augen schauen während eines Interviews.

Angekommen in der Sprinter-Elite

Aus dem Bahn-Sprinter, den nur die Insider kennen, ist seit Sonntag endgültig der Straßen-Sprinter geworden, den die Radsport-Welt kennt. Denn auf Anhieb auf der allerersten Sprinter-Etappe seiner allerersten Drei-Wochen-Rundfahrt zu gewinnen - das zeugt von Klasse. Mit Platz drei am Montag bestätigte Ackermann, dass der Erfolg kein Zufall war. Das katapultiert den pfeilschnellen Pfälzer schon jetzt in die Elite dieser besonderen Spezies von Rad-Artisten, die im gefährlichen Gewühl einer Massenankunft mutig und kraftvoll genug sind, um nach über 200 schweren Kilometern die entscheidenden Zentimeter vor der Konkurrenz zu sein. Zielstrich, Arme hoch, Etappensieg beim Giro d‘Italia! Ein Eintrag für die Ewigkeit in die Rangfolge eines jeden Berufsradrennfahrers.

Selbstbewusst, aber nicht überheblich

Er wolle mindestens eine Etappe gewinnen, sagte er dem SWR vor seiner Premiere bei einer Grand-Tour. Wohlgemerkt: mindestens! Wenn es zwei oder drei Etappen werden: "umso besser", sagte er. Und lächelte. Nicht überheblich, Nein, selbstbewusst. Der 25-Jährige weiß, was er kann. Und was er investiert hat, um erfolgreich zu sein in dieser brutal-harten Sportart.

Die Quälerei im Training zahlt sich aus

Nur wenige sehen Pascal Ackermann, wenn er mit der eisenbepackten Langhantel im Kreuz Hunderte von Kniebeugen macht. Wenn er stundenlang hinter dem von seinem Vater gesteuerten Moped große Gänge in rasender Drehzahl abspult und am Ende aus dem Windschatten heraus nochmal den finalen Sprint hinlegt, indem er solange wie möglich über 1000 Watt in die Pedalen hämmert. Wenn er wieder mal mit Sturzverletzungen auf der Massagebank beim Physiotherapeuten liegt und darüber sinniert, dass Stürze nun mal zum Risiko seiner Sportart gehören. Wenn er - wie in diesem Frühjahr - acht Kilogramm abtrainiert hat, um auch als Sprinter gut über die Berge zu kommen für die große Chance auf den erfolgreichen Endspurt.

Dieser genauso talentierte wie konsequente Malocher auf dem Rennrad kennt seine Stärken. Und weiß, dass diese Stärken nichts wert sind im Endspurt, wenn er nicht täglich dafür arbeitet. Hart arbeitet. Um - wie bei seinem Etappensieg - einen Sprint hinzulegen, der so spielerisch leicht aussieht, dass angesichts seines befreiten Lachens hinter dem Zielstrich jeder sofort die Qualen und Schürfwunden dieser Dauer-Treterei vergisst.

Am "Pascal-Ackermann-Weg" daheim

Diejenigen, die genau wissen, welche Anstrengung hinter solch fulminanten Erfolgen stecken, stehen irgendwo dezent an der Strecke oder besuchen Pascal in einem ruhigen Moment abends im Fahrer-Hotel: Mutter, Vater, Bruder, Schwester, Oma, Freunde. Alle brennen für den Radsport - seit Jahrzehnten. Die Familie, zuhause in Minfeld bei Kandel, dort wo es vom Bürgermeister der kleinen pfälzischen Gemeinde als Anerkennung bereits den "Pascal-Ackermann-Weg" gibt, lebt diese Leidenschaft auf zwei Rädern durch und durch. Und gibt dem schnellsten und mittlerweile auch berühmtesten der Ackermänner jene Unterstützung und Geborgenheit, die wichtig sind, um erfolgreich zu sein.

Pascal Ackermann erzählt, dass dieses Umfeld ihn geprägt hat wie nichts anderes. Der Kleinste sei er gewesen, habe sich da auch beweisen müssen. Und profitiert davon bis heute. Er lacht, als er daran zurück denkt. Jetzt, im Rampenlicht der internationalen Aufmerksamkeit, ist der ehemals Kleinste auf geradem Weg dabei, ein ganz Großer des Radsports zu werden. Chapeau!

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