Vom Sturz gezeichnet: Pascal Ackermann (Foto: Imago, LaPresse)

Radsport | Giro d'Italia Pascal Ackermann: "Ich hatte noch nie solche Schmerzen"

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Mit schweren Prellungen und Hautabschürfungen geht Pascal Ackermann heute auf die 11. Etappe des Giro d’Italia. Der Radprofi aus Minfeld bei Kandel war am Ende des zehnten Teilstücks der dreiwöchigen Rundfahrt im Massensprint schwer gestürzt.

"Ich hatte noch nie solche Schmerzen", sagte der 25-Jährige gegenüber dem SWR. Berufsrisiko Sturz - ein ewiger Begleiter der Radprofis, wie die beiden letzten Jahre von Pascal Ackermann beweisen.

Allein im Frühjahr 2019 stürzte Ackermann viermal in diversen Rennen. "Damit hab ich mein Sturz-Kontingent aufgebraucht", sagte der Deutsche Meister aus der Pfalz noch kurz vor der Abreise nach Italien lachend: "Beim Giro passiert deshalb hoffentlich nix mehr."

Unter Schmerzen ins Ziel gequält

Doch seine Hoffnung erfüllte sich nur bis zur gestrigen zehnten Etappe. Exakt an der 1000-Meter-Marke vor dem Ziel hängte er sich am Hinterrad seines Teamkollegen Rüdiger Selig auf und es kam zu einem schweren Sturz. Ackermann erlitt schwere Prellungen und große Hautabschürfungen. Sein Maglia Ciclamino, das Trikot für den besten Sprinter des Giro d’Italia, war völlig zerfetzt. Ackermann quälte sich unter Schmerzen ins Ziel. In den sozialen Netzwerken kündigte er dann am Abend an, dass er keine schweren Verletzungen wie etwa Knochenbrüche hat und den Giro fortsetzen möchte.

Heute Morgen sah die Welt dann offenbar ein bisschen anders aus. Obwohl die Schmerzen riesig sind beißt er die Zähne zusammen und geht in die heutige 11. Etappe, um seine Führung im Sprint-Klassement zu verteidigen. Ackermann konnte in der ersten Woche des Giro d’Italia als Newcomer zwei Etappen gewinnen. Auch bei den weiteren Sprintankünften mischte er vorne mit und trägt seit der 3. Etappe durchgehend das Maglia Ciclamino - eine Trophäe, die bisher noch kein deutscher Radprofi am Ende der dreiwöchigen Italien-Rundfahrt gewinnen konnte.

Deutschlands derzeit bester Straßen-Sprinter

Dass Deutschlands derzeit bester Straßen-Sprinter immer wieder erfolgreich aufstehen kann, wenn er am Boden liegt, hat er schon mehrmals bewiesen. "Wir leben schon relativ gefährlich", sagte Pascal Ackermann einst im SWR-Interview, als er bei seinem Physiotherapeuten in Landau auf der Massagebank lag. Wieder einmal. Damals ließ er sich an der Schulter behandeln, nach einem selbstverschuldeten Sturz im Training.

Kurz danach schlug das Sturzpech noch heftiger zu: der Pfälzer kam im hektischen Finale der Hamburger Cyclassics schwer zu Fall. Statt des erhofften Sieges blieben ein zerrissenes Meistertrikot, starke Schmerzen und großflächige Hautabschürfungen, zurück die ihn durch den Rest dieser Saison 2018 begleiteten.

Eine Herausforderung für den Kopf

Doch die eigentliche Herausforderung bei Stürzen spielt sich im Kopf ab. "Das ist ein großes Problem bis man wirklich wieder das Feeling hat, Rennen zu fahren", schilderte der Deutsche Meister seine Gefühlslage: "Wenn du dann Rennen fährst, wo du nicht stürzt, dann kriegst Du Dein Vertrauen wieder zurück. Klar, du hast das noch eine Woche im Kopf. Aber wenn die Wunden dann weg sind und du siehst nix mehr, dann vergisst Du das auch wieder."

Eine Hoffnung, die Pascal Ackermann auch durch die nächsten Etappen des Giro tragen soll. Der Gewinn des Maglia Ciclamina wäre der verdiente Lohn für eine außergewöhnliche Leidensfähigkeit.

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