Pascal Ackermann hat auch auf der vierten Etappe des Giro d'Italia eine starke Leistung gezeigt (Foto: Imago, imago images / Sirotti)

Radsport | Giro d'Italia Giro-Held Pascal Ackermann im Interview

Radprofi Pascal Ackermann läuft beim Giro d'Italia zur Hochform auf. Dass der 25-Jährige aus Kandel bei seinem ersten Auftritt so auftrumpft, hat er vorher selbst nicht geglaubt.

SWR Sport: Wie lief der heutige Tag für Sie?

Pascal Ackermann: Heute war ein extrem langer und superharter Tag mit einem kleinen Berg-Finish. Also eigentlich kein Sprint für mich. Wir wollten es trotzdem versuchen. Aber ein bisschen hat die Power gefehlt. Aber Platz vier war trotzdem ein gutes Ergebnis.

SWR Sport: Sie sind zum ersten Mal dabei und haben schon eine Etappe gewonnen. Das ist sensationell. Können Sie schon realisieren, was Sie da geschafft haben?

Ackermann: So richtig habe ich das noch nicht realisiert. Wir fahren hier von Tag zu Tag. Du kommst gerade vom Rennen zurück, dann geht es gleich in den nächsten Tag. Also viel Zeit haben wir hier nicht. Auch heute: Wir sind gerade erst vom Rennen zurück - kurze Massage, Essen - und dann gehen wir auch schon schlafen für die nächste Etappe. Von daher war noch nicht viel Zeit, darüber nachzudenken. Aber es fühlt sich schon gut an, dass das Jahr oder die ganze Karriere so gut lief und es so schnell ging. Wir wollten ja eine Etappe gewinnen. Aber dass es gleich im ersten Versuch klappt, ist nicht vorhersehbar.

Dauer

SWR Sport: Wie hoch schätzen Sie denn ihre Chancen ein, dass Ihnen das nochmal gelingt?

Ackermann: Also ich habe definitiv noch vor, eine Etappe zu gewinnen. Mittwoch ist nochmal eine Sprint-Etappe, die am Anfang recht schwer ist. Das wird für uns Sprinter relativ hart. Dann kommt eine Etappe, wo ich alles ein wenig sacken lassen kann. Und Freitag kommt auch schon wieder der nächste Sprint. Beim Giro d'Italia sind von den ersten zwölf Etappen etwa acht Sprint-Etappen möglich. Von daher ist es für uns die ersten zwei Wochen extrem wichtig, dass wir jeden Tag wieder frisch sind.

SWR Sport: Ihre Familie hat Sie ganz oft beim Training begleitet. Wie ist es während des Giro - stehen Sie in Kontakt mit Ihrer Familie?

Ackermann: Die haben den Etappen-Sieg sogar live mitbekommen. Die waren vom ersten Tag bis zur Etappe am Montag da. Jetzt sind sie zuhause und schauen sich den Giro im Fernsehen an. Sie kommen am Wochenende aber nochmal. Die stehen schon voll dahinter.

SWR Sport: Wie wichtig ist Ihre Familie für Sie und Ihren sportlichen Erfolg?

Ackermann: Du brauchst immer jemanden, der hinter dir steht. Gerade im Nachwuchsbereich sind die Eltern diejenigen, die alles für Dich machen: Dich von Rennen zu Rennen bringen, Räder für Dich kaufen, das Material immer auf Vordermann halten. Das ist schon ein riesiger Aufwand, den sie da betrieben haben. Auch jetzt noch: Weil ich ja nie zuhause bin, müssen sie viele Dinge für mich regeln. Von daher sind meine Eltern unverzichtbar. Darum bin ich auch froh, dass ich so viel zurückgeben kann und sie extrem stolz sind.

SWR Sport: In der Südpfalz sind Sie bereits ein kleiner Sportheld. Nehmen Sie das auch so wahr oder haben sie noch keine Veränderung bemerkt?

Ackermann: Man merkt schon, dass man immer mal wieder erkannt wird - gerade, wenn man auf dem Rad unterwegs ist. In Zivil kennt man mich zum Glück nicht. Also, dass ich auch mal in Ruhe etwas machen kann, ist auch ganz schön. Aber sobald ich auf dem Rad bin, ist es nicht mehr ruhig.

SWR Sport: Was ist denn nach dem Giro das nächste Ziel für Sie - die Tour de France?

Ackermann: Die Tour ist natürlich das Nonplusultra. Aber dieses Jahr wird die definitiv nicht mehr auf dem Plan stehen. Für dieses Jahr habe ich mir aber noch die Europameisterschaft Anfang August in Alkmaar herausgesucht. Und eventuell will ich Ende des Jahres noch die Weltmeisterschaft fahren.

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