Steffi Böhler beim Langlauf in den Sonnenuntergang (Foto: SWR)

Olympia 2018 | Langlauf Steffi Böhler holt ihr viertes Olympia-Ticket

Je oller, desto doller: Mit 36 Jahren ist Steffi Böhler aus Ibach eine der älteren Athletinnen im Weltcup-Zirkus der Langläuferinnen. Sechs Jahre nach ihrer Krebserkrankung hat die Schwarzwälderin zum vierten Mal ihr Ticket für Olympische Winterspiele in der Tasche.

Der Jubel kannte keine Grenzen. Im schweizerischen Lenzerheide tanzte Steffi Böhler mit ihren Teamkolleginnen unmittelbar hinter der Ziellinie um die Wette. Durch ihren 15. Platz im Verfolgungs-Rennen hatte die Schwarzwälderin Anfang Januar die Qualifikation für die Olympischen Winterspiele in Südkorea geschafft. "Das ist richtig geil", frohlockte sie mit breitem Grinsen ins Mikrofon. "Wenn ich darüber nachdenke, ist es schon cool, dass ich das Ticket in der Tasche habe."

Heitere Gelassenheit

Nach 2006 in Turin, 2010 in Vancouver und 2014 in Sotschi jetzt also im Februar ihre vierte Olympia-Teilnahme in Pyoengchang (Südkorea). Dieses Ticket musste sich die "Grande Dame" der Langläuferinnen allerdings hart erarbeiten. Mit knapp 37 Jahren ist Steffi Böhler schließlich nicht mehr die Jüngste. Doch das Alter hat auch Vorteile. Böhler, die schon seit Jahren am Stützpunkt in Ruhpolding lebt und trainiert, muss keinem mehr etwas beweisen. Mit ihrer heiteren Gelassenheit versucht sie, den jüngeren Teamkolleginnen den Druck zu nehmen.

Im SWR-Gespräch sagt sie: "Wenn man jung ist, gibt es viele Höhen und Tiefen. Da muss man schauen, dass man das richtig einordnet und sich nicht runterziehen lässt. Es ist wichtig, dass wir älteren Athleten für die Jüngeren da sind und ihnen sagen: Das macht nichts! Es geht weiter."

Dauer

Wichtigster Sieg gegen Tumor

So wie es auch bei ihr immer weiter ging, seit sie vor 17 Jahren mit dem Skilanglauf auf höchstem Niveau begonnen hat. 332 Weltcuprennen hat sie mittlerweile bestritten. Was ihr bisher noch fehlt: der Erfolg in einem Einzelrennen. Aber das ist ihr nicht mehr wirklich wichtig. Denn ihren wichtigsten Sieg hat sie bereits vor sechs Jahren errungen: im April 2012 wurde bei ihr ein bösartiger Tumor in der Schilddrüse entdeckt. Nach zwei Operationen gilt sie heute als geheilt. "Mittlerweile ist diese Geschichte für mich mental abgeschlossen", erzählt sie. "Aber es ist nicht so, dass ich es verdränge. Es ist wichtig, mir dies immer wieder ins Gedächtnis zu holen und sich diese Lockerheit, die man durch solche eine Erfahrung bekommen hat, wieder hervorzurufen."

Mit genau dieser Lockerheit hat sie sich jetzt für die Olympischen Winterspiele in Südkorea qualifiziert. 

Von Johannes Seemüller

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