Snowboardcross auf dem Feldberg (Foto: Imago, EIBNER/Joachim Hahne;)

Olympia 2018 | Paul Berg Ein bisschen Glück gehört dazu

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Paul Berg ist der beste Snowboardcrosser Deutschlands. Bei den Olympischen Spielen 2018 hofft der Athlet des SC Konstanz auf eine Medaille.

"Einfahrt erste Kurve - da lässt Du zu viel Platz, siehst Du?", sagt Bernard Loer und zeigt mit dem Finger auf sein Tablet. Paul Berg nickt konzentriert. Auf dem Tablet ist ein geteilter Bildschirm zu sehen. Links fährt Paul Berg in einem roten Leibchen, rechts die Konkurrenz. Der Bundestrainer und sein Schützling analysieren das letzte Training vor dem Weltcupwochenende auf dem Feldberg. Wo ist meine Ideallinie? Wo die der Kontrahenten?

Dauer

Paul Berg ist Deutschlands erfolgreichster Snowboardcrosser. Zwei Weltcupsiege hat er mittlerweile auf seinem Konto, einen in dieser Saison. Im Dezember gewann Berg den Weltcup in Val Thorens in Frankreich. Das Prinzip von Snowboardcross ist einfach: Vier bis sechs Crosser fahren in einem abgesteckten Parcours um die Wette - wer als erstes unten ankommt, gewinnt.

"Die Grundeigenschaft, die Du brauchst ist, gerne Wettrennen zu machen. Wie Kinder", lächelt Paul Berg. "Bis zur Laterne oder bis zu Mama und Papa." Der 26-Jährige trägt zum Interview einen grauen Pullover mit grünen Schultern. Auf der Brust ist eine kleine Ente eingestickt. Ein Trainingskollege läuft zufällig vorbei und lacht: "Echt jetzt? Sogar im Fernsehen dieser bescheuerte Pullover?" Berg grinst. "Natürlich", sagt er.

Paul Berg (Foto: SWR, swr)
Paul Berg beim Interview - inklusive "Entenpulli" swr

Die Stimmung im Team sei super, erklärt er uns. Das Material "richtig gut", und auch von sportlicher Seite laufe alles nach Plan. "Wenn wir Glück haben, geht es vielleicht sogar in Richtung Medaille bei Olympia. Es kann aber auch alles ganz anders laufen."

Abgeräumt in Sotschi

Dass es im Snowboardcross manchmal so richtig anders läuft, das musste Paul Berg bereits in Sotschi, 2014, erfahren. Damals hatte der Konstanzer das letzte Weltcuprennen vor den Olympischen Spielen gewonnen und galt als Mitfavorit. Zumindest auf eine Top-Ten-Platzierung. Dennoch war bereits im Viertelfinale Schluss. Ohne eigenes Verschulden.

"Ich glaube, das macht auch in gewisser Weise den Reiz aus. Dass es so unkontrollierbar ist. Und unvorhersehbar", sagt Paul Berg heute. Nachdem er im Viertelfinale von Sotschi lange Zeit geführt hatte, rauschte nach einem weiten Sprung plötzlich sein kanadischer Verfolger Christopher Robanske heran und fuhr dem Deutschen in die Füße. Beide stürtzten - und schieden aus.

"Du kannst im Endeffekt der beste Fahrer an diesem Berg sein. An diesem Tag das beste Brett haben, mental am Besten drauf sein - dann kommt einer gefahren, der vielleicht nicht seinen besten Tag erwischt und fährt Dich um. Das passiert ja meistens nicht mit Absicht..." Bitter sei es natürlich dennoch, gibt er zu. Aber "dann gibt es auch wieder Tage, da läuft es andersrum. Dann stürzen zwei vor Dir und Du fährst durch..."

Platz zwei in der Quali - Pech im Endlauf

Am Tag nach dem Interview startet Paul Berg in der Weltcupqualifikation am Feldberg. Und fährt die zweitbeste Zeit. Einen Tag später scheidet er im Achtelfinale aus. Ein Gegner behindert ihn bereits in der ersten Kurve und nimmt ihm jegliche Chance, an die Spitze zu fahren. Das Glück spielt eine große Rolle, beim Snowboardcross.

Trotz allen Glücks - Akribie gehört dazu, im Snowboardcross. Vor jedem Lauf werden die Snowboards neu präpariert und gewachst. Zwischen den Rennen gibt es Analysen der Gegner - und der eigenen Leistung. "Von den fährt hier keiner einfach mal eben drauflos", sagt Bundestrainer Bernard Loer. "Die schauen sich das alles ganz genau an, und irgendwann sind sie sich ihrer Sache sicherer. Naja, und dann wird auch mal ein Auge zugedrückt", gibt er grinsend zu.

Beim letzten Weltcuprennen vor den Olympischen Spielen läuft es für Paul Berg deutlich besser. Er fährt bis ins Finale und schafft es dort auf den dritten Platz.

"Neues Rennen, neues Glück", bilanziert ein erleichterter Paul Berg nach dem Rennen. "Aber man hat es heute wieder gesehen. Der Sieger von gestern ist in der ersten Runde ausgeschieden. Da kann alles passieren..."

Ein bisschen Glück gehört eben dazu, im Snowboardcross.

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