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Es sind nur noch wenige Tage bis zu den Olympischen Spielen in Tokio. Für Deutschlands besten Ringer Frank Stäbler aus Musberg hat der Vorbereitungs-Countdown begonnen. das heißt vor allem: Gewicht abnehmen.

Frank Stäbler sieht in diesen Tagen vor Tokio schmal und hohlwangig aus. Aber das wundert nicht, denn im Hause Stäbler ist schon seit Monaten Schmalhans Küchenmeister.

Von wegen üppige Mahlzeiten, der Speiseplan vor Tokio sieht seit vielen Wochen traurig aus. "Ich habe das 'Olympia-Projekt 67 Finale' gestartet und werde zum letzten Mal im Leben noch einmal richtig abnehmen müssen", klärte Frank Stäbler im Gespräch mit SWR Sport auf, warum für ihn die leckere Küche von Gattin Sandra schon längere Zeit überwiegend kalt bleibt.

Von 75 Kilo auf 67 Kilo "abkochen"

Die harte Abnehmkur hat einen konkreten Hintergrund: Der Ringer der Red Devils Heilbronn muss für seinen Start in Tokio Gewicht "abkochen", wie es in der Sprache der Kampfsportler heißt. Er muss von seinen 75 Kilogramm Normalgewicht sage und schreibe acht Kilo runterschwitzen, um in der olympischen Gewichtsklasse bis 67 Kilo antreten zu können. Und das bei nur acht Prozent Körperfett.

Seine ursprügliche 72-Kilo-Klasse, in der er das letzte Mal auch Weltmeister wurde, war vom IOC vor Tokio gestrichen worden. Für Stäbler blieb nur der schwere Gang in die leichtere Gewichtsklasse, in die 67er.

Eine unglaubliche Tortur für einen durchtrainierten Athleten, die er vor zwei Jahren vor der Olympia-Qualifikation schon einmal mit Erfolg absolvierte. Damals holte Stäbler in Kasachstan WM-Bronze in der 67-Kilo-Klasse und damit das begehrte Ticket für Tokio.

Abnehmkur über mehrere Monate

"Zunächst habe ich die Reinigung und Entgiftung meines Körpers gestartet, ich habe viel Wasser und Tee getrunken und Gemüsesuppe gelöffelt", erinnert sich Stäbler etwas gequält, "damit wollte ich meinem Körper sage: es ist wieder Zeit für ein enthaltsames Leben voller Entbehrungen".

Vor fast drei Monaten begann der Musberger dann als nächsten Schritt, "erstmal nur die Hälfte zu essen. Kein weißer Zucker, keine Kohlenhydrate, viel Schärfe wie Chili, damit der Verbrennungsmotor 24/7 laufen kann". Will sagen: Das innere Feuer der Verdauung zum Lodern bringen.

"Nichts essen, nichts trinken. Die letzten Tage sind der Weg durch die Hölle. Man kann kaum Atmen und Schlafen, weil der Mund ausgetrocknet ist. Aber ich bin bereit, für den Traum von Gold diese Schmerzen in Kauf zu nehmen"

Die schwierigen Tage kommen jetzt noch

Jetzt, mit einjähriger Verspätung, wegen der Olympia-Verschiebung, läuft für Stäbler zum letzten Mal der leidvolle Countdown auf der Waage. Inzwischen hat er schon vier Kilo abtrainiert, sein Gewicht will er bis zum Abflug nach Tokio Ende Juli Richtung 70 Kilo einpendeln.

"Die schwierige Zeit kommt dann erst noch", weiß der Ringer, dass die letzten zwei bis drei Kilos die härtesten sind. "Man geht hungrig ins Bett, darf.nichts essen, nichts trinken, muss viel schwitzen. Mehrere Pullis, Schwitzjacke, Sauna. Man kann kaum Atmen und Schlafen, weil der Mund so ausgetrocknet ist."

Mit einem markanten Satz auf den Punkt gebracht: "Die letzten Tage sind der Weg durch die Hölle." Aber der Dreifach-Weltmeister ist bereit, "die Hürde und die Schmerzen für meinen Traum von Gold in Kauf zu nehmen. Der Kampf mit dem Gewicht ist dabei schwieriger als der mit dem Gegner".

Frank Stäbler: "Ich weiß nicht, wie mein Körper in Japan reagiert"

Stäbler weiß, dass diese Tortur des Abnehmens nicht unbedingt gesund ist, "aber ich bin in ständiger ärztlicher Überwachung". Dazu kommt als weitere unsichere Variable das Klima in Tokio mit Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit: "Gold ist deshalb nicht planbar, ich weiß nicht, wie mein Körper in Japan darauf reagiert."

Der 32-Jährige aber lässt sich wie immer nicht unterkriegen: "Mein Körper ist noch für eine Schlacht gut, für die Olympischen Spiele." Der Traum vom Gold lebt. Treffpunkt ist die Waage von Tokio am 3. August in der Ringer-Arena. Dann geht Stäbler zum letzten Mal in seiner ruhmreichen Karriere auf die olympische Matte. Spätestens dann weiß er, "ob ich nach dem Abnehmen noch genügend Kraft für den Wettkampf haben werde".

Nach Tokio, nach dem Abschied vom großen internationalen Sport, haben Hunger und Hohlwangigkeit dann aber endlich ein Ende. Dann darf Frank in der schmucken neuen Küche bei Stäblers in Musberg auch wieder kräftig zubeißen.

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