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Eigentlich hätte Schwimmer Philip Heintz seine Karriere 2020 beendet, doch durch die Verschiebung der Olympischen Spiele hat der 30-Jährige sowohl seinen Ausstieg aus dem Wasser als auch seinen Einstieg ins Berufsleben um ein Jahr verschoben.

Der Tagesablauf von Philip Heintz ist klar strukturiert. Morgens um 6:30 Uhr beginnt die erste Schwimmeinheit des Tages im Olympiastützpunkt Rhein-Neckar in Heidelberg. Nur mit einem Kaffee gestärkt geht es ins kühle Nass. Ungefähr fünf Kilometer stehen bei jedem Vormittagstraining auf dem Plan, nachmittags nochmal fünf. Früher waren es täglich eher 15 Kilometer, die er abgespult hat, doch der gebürtige Mannheimer trainiert inzwischen effizienter, erklärt er, und spart dadurch nicht nur Kilometer, sondern auch Kraft. Rechnet man die Trainingseinheiten im Kraftraum sowie das Dehnen vor und nach jedem Training dazu, dann ist der Tag schon fast rum. Doch Philip Heintz hat auch ein Leben außerhalb des Beckens.

Einstieg ins Berufsleben schon klar

Bis 2014 studierte er Geowissenschaften, doch das war nicht das Richtige für ihn. Nach einigen Findungsjahren studiert er inzwischen Betriebswirtschaft und macht demnächst seinen Bachelor. Einen Job nach der Karriere hat er bereits. Im Herbst 2020 hätte er bei den "Fondsbrokern" in Hirschberg anfangen sollen, doch durch Corona und die Verlegung der Spiele, verzögerte sich auch sein Eintritt ins Berufsleben. Der neue Arbeitgeber blieb ihm dennoch treu, sein Job im Finanz- und Versicherungswesen wurde für ihn bis nach den Spielen "geparkt". Mit dieser Sicherheit im Rücken konnte sich Philip Heintz voll und ganz auf sein letztes großes sportliches Ziel vorbereiten: eine Olympische Medaille in Tokio.

Vom Seepferdchen zum EM-Titel

Philip Heintz begann schon früh mit dem Schwimmsport. Im Alter von sieben Jahren absolvierte er seinen ersten Wettkampf, damals noch für den PSV Mannheim. Längst gehört der Ausnahmeschwimmer zur Weltspitze. Seine große Stärke: seine Vielseitigkeit. Michael Spikermann trainiert Philip Heintz seit über zehn Jahren. Er hat im Laufe der Jahre viele erfolgreiche Schwimmer unter seinen Fittichen gehabt, doch Philip Heintz, schwärmt er, sei das größte Talent, dass er je trainiert hat. Schwächen? Nahezu keine! Lagenspezialist Heintz ist der Zehnkämpfer der Schwimmer. Schmetterling ist seine große Liebe, aber auch in den anderen Disziplinen könnte er bei den Spezialisten wohl unter die besten 20 der Welt schwimmen.

Fokus auf 200 Meter Lagen

Seine Paradestrecke sind die 200 Meter Lagen: 50 Meter Schmetterling, 50 Meter Rücken, 50 Meter Brust und 50 Meter Freistil im Sprinttempo, 1:55:76 ist seine Bestzeit. Das ist die zweitbeste jemals offiziell gemessene Zeit über diese Strecke.

Die Olympischen Spiele in Tokio werden für Philip Heintz die dritten Spiele seiner Karriere sein. In Rio 2016 fehlten am Ende gerade einmal vier Zehntel zu einer Medaille. Im Schwimmen entscheiden oft Zentimeter über Treppchen oder Platz sechs. "Auch in Tokio können zehn Starter Gold gewinnen", weiß Heintz, wie eng in dieser Disziplin die Weltspitze beieinander liegt. Der Traum vom olympischen Edelmetall darf daher auf jeden Fall geträumt werden, denn an einem guten Tag ist alles möglich. Bald geht es los, die Vorfreude auf den letzten großen Zug im olympischen Becken wächst von Tag zu Tag. Heintz ist eine "Wettkampfsau", liebt die Herausforderung, das Messen mit der Konkurrenz.

Freude auf die Karriere nach der Karriere

Und wenn alles vorbei ist, nach 20 Jahren Leistungsschwimmen endlich Schluss ist, dann will er durchstarten in der Welt der Zahlen. Schluss mit Kacheln zählen im Becken, dann geht es um Aktienkurse, Fonds, Rohstoffe und Versicherungen. Heintz wird wahrscheinlich in kein Loch fallen wie viele andere nach der aktiven Karriere. Er will gleich weiter durchstarten. Doch vorher soll der Traum vom olympischen Edelmetall wahr werden. Und da Philip Heintz ein unglaublich sympathischer und angenehmer Zeitgenosse ist, würde man ihm die Erfüllung seines Traumes zum Ende der Karriere von Herzen gönnen.   

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