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95 Tage noch - dann beginnen die Olympischen Spiele in Tokio. Kurz danach dann die Paralympics. Coronabedingt gibt es seit 14 Monaten so gut wie keine Wettkämpfe. Manch ein Sportler fällt da in ein Loch. Nicht so der siebenfache Weltmeister Mathias Mester vom 1. FC Kaiserslautern, der zum Comedystar aufsteigt.

Dieses Lachen, es ist sein Markenzeichen. Wenn Mathias Mester es ansetzt, den Kopf leicht zurückwirft, und schallend loslegt, dann kann man gar nicht mehr anders, als einfach mit zu lachen. Aus dieser Ansteckungskraft, dieser Gabe hat der 34-Jährige viel gemacht.

"Parantänischen Spiele" als Türöffner

"Es hat mich fast ein bisschen überrollt. Es ist wie ein kleiner Boom", strahlt Mester, der eigentlich paralympischer Leistungssportler ist, im Moment aber schon Weichen für seine Zukunft stellt. "Da tun sich gerade viele Chancen auf, sehr viele, sehr interessante Projekte und Angebote."

Alles fängt mit ein paar witzigen Spaßvideos an, die Mester in den sozialen Medien postet. Dann kommt Corona: "Ich hatte Zeit und Lust, die Leute zum Lachen zu bringen." Mester erfindet die "Parantänischen Spiele." Also Paralympics in Corona-Quarantäne-Zeiten.

Auszeichnung vom Behindertensportverband

Fortan postet Mester jeden Tag ein Video, indem er sich in den verschiedenen olympischen Disziplinen beweist, oft kurios scheitert, viel über sich selbst lacht und natürlich immer Gold gewinnt. Das gefällt Hunderttausenden, die mittlerweile die Clips gesehen haben. Der Behindertensportverband zeichnet Mester mit einem "Sonderpreis für besondere Leistungen" aus, Agenturen und Konzerne, melden sich und wollen Mester als Werbepartner.

Am 142-Zentimer-Mann kommt in diesen Tagen keiner mehr vorbei. Er tingelt durch Talkshows spricht über Inklusion, seine Vorbildfunktion im Behindertensport und natürlich über seine Spaßvideos. "Ich kann mir echt vorstellen in so eine Richtung zu gehen, Comedy zu machen", sagt Mester.

Das Ziel: der Beste der Welt zu sein

Aber da gibt es ein Problem. Noch ist Mester nicht komplett bereit für diesen Weg. "Ich muss ganz ehrlich sagen, ich laufe gerade etwas Gefahr, mich zu verlaufen", sagt er ebenso nachdenklich wie reflektiert. "Natürlich ist es schön, diesen Erfolg zu sehen, zu spüren, dass es da etwas gibt, das nach meiner Karriere funktionieren kann, aber noch habe ich ein großes Ziel, das über allem steht."

Mester sendet noch schnell - natürlich mit einem lauten, selbstzufriedenen Lachen - den neusten Post in den virtuellen Orbit, dann geht es raus zum Training. Nieselregen, fünf Grad, nur sein Ziel hält ihn warm. "Ich will der Beste der Welt sein, Gold in Tokio wäre der krönende Abschluss," sagt Mester. 

Mit 34 will er es sich und allen andern noch mal beweisen. Siebenfacher Weltmeister im Speerwerfen, Europarekordhalter, Silbermedaillen-Gewinner bei den Paralympics - all das hat er schon erreicht. Gold in Tokio wird schwer. Mathias Mester weiß das, aber er kann es entspannt angehen, denn sein Plan B funktioniert. Sein Lachen ist goldwert.

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