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Hindernis-Spezialistin Gesa Krause ist aus ihrem Trainingslager XXL in den USA zurückgekehrt. Die Europameisterin fühlt sich gut gewappnet für die Olympischen Spiele in Tokio.

Nach neun Wochen am Stück in 1.700 Meter Höhe ist Gesa Krause wieder in Deutschland und kehrt jetzt in den Wettkampf-Modus zurück. "Man denkt immer, man hat soviel Zeit", erzählt Gesa Krause im Exklusiv-Interview mit SWR Sport. Und fügt gleich lachend hinzu: "Aber dann ist man doch ein bisschen überrumpelt, wenn die Saison auf einmal losgeht!"

Die Hindernis-Spezialistin von Silvesterlauf Trier ist gewappnet: Die Zeit in Boulder hat die WM-Dritte von 2019 nicht nur für intensive Lauf-Einheiten genutzt, sondern gleich auch für die Corona-Impfung. Dass sie für ihre langen Flüge in Pandemie-Zeiten auch Kritik einstecken muss, kann die 28-Jährige verstehen. Doch in unserer Reihe "Ticket to Tokio" verteidigt sich Gesa Krause: "Das ist eine Arbeits-Reise!"

Gesa Krause: Profi in jeder Hinsicht

"Das ist mein Beruf!" Vier Worte, mit denen Gesa Krause ihren Anspruch formuliert: Professionalität in jeder Hinsicht. Dazu gehört konsequente Trainings-Arbeit. Auch mit der Folge, dass tausende Flug-Kilometer bei der Vorbereitung anfallen. "Bei mir ist es eben so, dass ich seit vielen Jahren Höhentrainingslager betreibe und gesagt habe: Ich kann jetzt in einem olympischen Jahr nicht auf einmal damit aufhören", beschreibt Deutschlands Hindernis-Star leidenschaftlich ihre Motivation.

"Der Körper gewöhnt sich an spezielle Reize, und wenn man die auf einmal weglässt, wird sich das in schlechterer Leistung darstellen. Und dementsprechend habe ich mich für die Trainingslager entschieden." Nicht allen gefällt das. Gesa Krause gibt offen zu: "Natürlich gibt es Menschen, die einem dann vorwerfen: Warum verreist Du? Wir dürfen es doch gar nicht!" Doch Laufen sei nun mal nicht nur ihre Leidenschaft, sondern auch ihr Job. "Und von daher war das wirklich eine Arbeits-Reise, die für mich unabdingbar war in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele!"

„Ich bin durchgeimpft!“

Angst vor einer Corona-Infektion hat die zweifache Europameisterin über 3.000-Meter-Hindernis nicht. "Die Flughäfen und Flugzeuge sind definitiv nicht überfüllt derzeit", erzählt Gesa Krause lachend. Trotzdem sagt sie: "Das Reisen ist doch anstrengender, als ich es aus den früheren Jahren gewohnt bin." Warum das? "Man muss immer einen negativen Corona-Test mit sich führen, Fristen einhalten und viele Formulare im Vorfeld ausfüllen." Auch deshalb entschied sie sich für gleich neun Wochen Höhen-Trainingslager am Stück in Boulder. Der Aufwand müsse sich schließlich lohnen.

Der zweite Grund, dass sich Gesa Krause jetzt bestens gewappnet sieht im Kampf gegen Covid 19: Sie hat die Zeit in den USA für notwendige Impfungen genutzt. "Ich bin durchgeimpft", stellt Gesa Krause nach ihrer Rückkehr trocken fest. "Ich wollte es so früh wie möglich vor Olympia hinter mich bringen. Denn ich hatte ein bisschen Bammel, dass es eben nachher in die Wettkampfphase fällt. Und man weiß ja nicht, wie das auf den Körper wirkt und ob man plötzlich ein paar Tage Ausfall hat."

Erstmals wieder über den Wassergraben

Und wie ist die Form nach der intensiven Zeit in der Höhe? "So wie sie sein soll", sagt Gesa Krause lächelnd. Jetzt konzentriert sich die Top-Athletin des Vereins Silvesterlauf Trier auf verstärktes Hürden-Training: "Ich bin jetzt seit Ewigkeiten wieder das erste Mal über den Wassergraben gelaufen." Der Feinschliff kommt in den nächsten Wochen bei Testwettkämpfen, einem Lauf in Doha und natürlich bei den Deutschen Meisterschaften am ersten Juni-Wochenende im Rahmen der Finals 2021. Angst, dass die Spiele doch noch abgesagt werden? "In meinem Kopf kann ich mir einfach keine Option vorstellen, dass sie nicht stattfinden, und ich hoffe, ich werde nicht eines besseren belehrt."

Die „zwei größten Fans“ von Gesa Krause nicht in Tokio dabei

Doch auf eines wird Gesa Krause in Tokio in jedem Fall verzichten müssen: auf die Unterstützung ihrer Eltern im Stadion. Denn die Einreise ausländischer Olympia-Zuschauer ist untersagt. "Meine Eltern hatten schon Flugtickets gebucht und die Reise geplant", erzählt Gesa Krause mit Bedauern. "Ich habe die beiden einfach gern dabei, weil sie mich seit Jahren begleiten und diesen Sport auch mit allen Höhen und Tiefen erlebt haben und immer für mich da waren. Es ist jetzt halt so. Aber ich weiß, dass meine zwei größten Fans auch bei mir sind, wenn ich alleine in Tokio bin!" Das gemeinsame Feiern haben Eltern und Tochter bereits auf die Zeit nach den Olympischen Spielen verschoben. Im Idealfall wird es eine Nachhol-Party mit Medaillen-Glanz.

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