Dorothee Schneider mit ihrem Pferd "Showtime" im Finalritt in Tokio.  (Foto: Imago, IMAGO / Chai v.d. Laage)

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Drei Monate nach dem Tod ihres Pferdes: Dorothee Schneider reitet zu Olympia-Gold

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Drei Monate nach dem dramatischen Tod ihres Pferdes "Rock'n Rose" ist Dorothee Schneider aus Framersheim zu Olympia-Gold in der Mannschaftsdressur geritten. Im Einzel verpasste sie jedoch als 15. eine Medaille.

Die Dressurreiterin Dorothee Schneider aus Framersheim im Kreis Alzey-Worms hat am Dienstag in Tokio mit ihrem Pferd "Showtime" und dem Team um Jessica von Bredow-Werndl und Isabell Werth Gold in der Mannschafts-Dressur geholt. Das deutsche Trio galt spätestens seit dem Qualifikationssieg am vergangenen Sonntag als heißester Anwärter auf die Gold-Medaille.

Dorothee Schneider legt den Grundstein

Dem Favoritenstatus wurden die Reiterinnen im Final-Grand-Prix, in dem acht Mannschaften antraten, von Beginn an gerecht. Im ersten der drei Durchläufe war Dorothee Schneider als letzte Starterin an der Reihe. Um 11:10 Uhr betrat die 52-Jährige mit ihrem Pferd die Arena, machte einen konzentrierten und gefestigten Eindruck, und ritt starke 2.652 Punkte - der beste Auftritt im ersten Durchlauf vor Großbritannien (2.577,5) und den USA (2.504). "Zum Zungeschnalzen", fand ARD-Reporter Carsten Sostmeier.

Souveräne Leistung des Teams

Dem Druck, die immer näher rückende Gold-Medaille gewinnen zu müssen, hielten auch die anderen Team-Mitglieder stand. Isabell Werth ritt im zweiten Durchgang 2.740,5 Punkte und Jessica von Bredow-Werndl im entscheidenden finalen Lauf, in dem den Deutschen die Gold-Medaille schon fast nicht mehr zu nehmen war, 2.785,5 Punkte.

Mit einer Gesamtpunktzahl von 8.178 Punkten lässt das deutsche Team damit deutlich die USA (7.747 Punkte) und Großbritannien (7.723 Punkte) hinter sich. Für Dorothee Schneider ist es die dritte Olympia-Medaille und nach 2016 das zweite Mal Gold. Ein beispielloser Erfolg, besonders, wenn man sich die Ereignisse vor wenigen Monaten vor Augen führt.

Im Einzel nur auf Platz 15

Einen Tag nach dem Sieg im Team-Wettkampf trat Schneider mit "Showtime" auch im Einzel an. Zum Lied "The Show must go on" von Queen ritt sie als letzte Starterin ins Dressurviereck von Tokio. Anders als mit der Mannschaft konnten Reiterin und Pferd ihre starke Leistung vom Vortag aber nicht wiederholen. Einige kleine Fehler summierten sich, sodass Schneider mit einer Wertung von 79,432 % auf Platz 15 landete.

Die deutsche Dressur-Equipe konnte aber trotzdem feiern. Denn Schneiders Teamkollegin Jessica von Bredow-Werndl gewann olympisches Gold. Auf ihrer Trakhener-Stute "Dalera" verwies die 35-Jährige aus Aubenhausen in der Grand-Prix-Kür die siebenmalige Olympiasiegerin Isabell Werth (Rheinberg) mit "Bella Rose" auf den zweiten Platz. Bronze ging an die Britin Charlotte Dujardin auf "Gio".

Dramatischer Tod von Schneiders Pferd

Ende April diesen Jahres kam es zu Bildern, die sich in die Erinnerungen aller Beteiligten eingebrannt haben: Während der Siegerehrung der Pforzheimer Dressurtage brach plötzlich das Pferd unter Dorothee Schneider zusammen. Die 17-jährige Hannoveraner Stute "Rock'n Rose", zu der die Reiterin eine emotionale und innige Beziehung hatte, starb noch an Ort und Stelle. "Rock'n Rose" erlitt einen Aorta-Abriss. Schneider, die vom fallenden Pferd gestürzt war, zog sich einen Schlüsselbeinbruch zu.

In der Folge sagte die Dressurreiterin ihren Start bei einem internationalen Reitturnier ab. Nicht nur, weil sie mit der Fraktur körperlich nicht in der Lage war, anzutreten, sondern auch, weil die Ereignisse sie traumatisiert hatten. "Solche Momente möchte man wirklich nicht erleben, insbesondere, wenn man mit einem Tier so zusammengewachsen ist, wie meine Frau das mit Rosie gewesen ist", sagte ihr Mann Jobst Krummhoff anschließend. Die Olympia-Teilnahme drohte für Schneider aber hauptsächlich wegen ihres Schlüsselbeinbruchs zu platzen.

Doch die Reiterin kämpfte sich zurück. Nachdem sie sich einige Zeit zurückgezogen hatte, trainierte sie ihre Pferde zunächst von der Seite aus, anschließend kehrte sie dank einer stabilisierenden Spezial-Weste zurück in den Sattel. Bei ihrem ersten Wettkampf schaffte sie es direkt wieder aufs Podium. Die Form-Bedenken wichen der großen Vorfreude auf Olympia. Dass sie allen Widrigkeiten getrotzt hat, hat sie nun eindrucksvoll bewiesen.

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