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Ein Rassismus-Vorfall hat die Olympia-Vorbereitung der deutschen Fußballer gestört. Trainer Stefan Kuntz findet deutliche Worte, will die Geschichte aber schnell abhaken.

Stefan Kuntz nahm den "aufgelösten" Jordan Torunarigha in die Arme. Der 23-Jährige war nach eigenen Angaben im Olympia-Testspiel gegen Honduras rassistisch beleidigt worden. Kuntz und die deutschen Spieler verließen daraufhin das Feld, das 1:1 wurde zur Nebensache.

"Das verletzt unsere Werte - das können wir nicht dulden", sagte Kuntz später und schilderte den Vorfall aus seiner Sicht: "Fünf Minuten vor Ende kam es dann zu einem Gerangel. Ich habe Jordans Mimik gesehen und bin gleich zu ihm gelaufen. Er war kaum einzukriegen, hat sich furchtbar aufgeregt und war sehr aufgelöst. Er hat gesagt, dass er wiederholt rassistisch beleidigt wurde", sagte Kuntz.

"Traurig und armselig" nannte er die Vorfälle. Als Folge habe er dem Schiedsrichter und dem Gegner mitgeteilt, das Spiel abbrechen zu wollen. Seine Spieler trugen diese Entscheidung mit. "Rassismus hat einfach keinen Platz im Fußball", sagte Max Kruse, Kapitän Maximilian Arnold bekräftigte: "Wir haben ein Statement gesetzt." Torunarigha war bereits im Februar 2020 beim Pokalspiel zwischen Schalke und Hertha mit rassistisch motivierten Beschimpfungen konfrontiert worden. In der Verlängerung hatte der sichtlich aufgebrachte Hertha-Verteidiger damals die Gelb-Rote Karte gesehen.

Honduras sprach von Missverständnis

Nach Ansicht von Fan-Forscher Gunter A. Pilz hat die deutsche Mannschaft alles richtig gemacht. "Das war die einzig richtige Reaktion, sehr konsequent", sagte Pilz der Rheinpfalz: "Da kann man nicht wegsehen. Ein solches Zeichen zu setzen, sollte anderen Mut machen." Welche Worte genau am Samstag in Wakayama benutzt wurden, blieb unklar. Honduras' Verband sprach nach der Partie in einer offiziellen Stellungnahme von einem "Missverständnis unter den Spielern beider Mannschaften". Kuntz konnte darüber aber nur lächeln.

"Wenn ich früher mit einer Sechs nach Hause kam, habe ich meiner Mutter auch immer gesagt, dass es ein Missverständnis zwischen dem Lehrer und mir war."

Immerhin sei die Mannschaft der Mittelamerikaner nach dem Abbruch noch zum DFB-Team gekommen und habe sich entschuldigt. "Damit war das Thema für uns gegessen", sagte Kuntz.

Olympia-Start gegen Brasilien

Er will den Vorfall möglichst schnell abhaken. Schließlich naht das erste Gruppenspiel gegen Brasilien am 22. Juli. Der Test gegen Honduras gab Kuntz zumindest erste Erkenntnisse. Felix Uduokhai vom FC Augsburg erzielte in der 84. Minute den Ausgleich in einer stellenweise hart geführten Begegnung. Kuntz war unter dem Strich zufrieden, schließlich sei Honduras nicht die "Waikiki-Inseln", sondern ein Olympia-Teilnehmer. "Ich war mit dem Test extremst zufrieden. Jeder weiß jetzt, wo er noch ein Schippchen drauflegen muss", sagte Kuntz, der allen 18 Spielern Einsatzzeit gab: "Alle haben es gesund überstanden. Wir werden viel daraus mitnehmen für unser erstes Spiel."

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