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Die Anspannung war fast so groß wie bei einem Wettkampf. Als das Internationale Olympische Komitee am Nachmittag die 29 Teilnehmer für das "Olympische Team der Flüchtlinge" präsentierte, wusste Saeid Fazloula lange nicht ob er dabei ist. Bis sein Name genannt wurde.

"Canoe... Saeid Fazloula", sagte IOC-Präsident Thomas Bach in die Kamera und dann ballte einer die Fäuste wie schon lange nicht mehr. Fazloula floh 2015 vor Repressionen des iranischen Regimes. Er hatte sich im gleichen Jahr am Rande der Kanu-Weltmeisterschaften vor dem Mailänder Dom fotografieren lassen. Für die Behörden in seiner Heimat habe das ausgereicht, um ihm zu unterstellen, er habe die Religion gewechselt, so Fazloula. Darauf steht im Iran lebenslange Haft oder gar die Todesstrafe.

Neue Heimat bei den Rheinbrüdern

Fazloula flüchtete über die Balkanroute, kam schließlich nach Karlsruhe. Beim Sportverein "Rheinbrüder" hat der Kanute seine neue sportliche Heimat gefunden. 2018 war der erfolgreiche Kanute einer der SWR "Sporthelden". Im Februar 2021 wurde Saeid in in den Kreis der "Refugee Athlete" Stipendiaten des IOC aufgenommen - ein erster Schritt zu den Olympischen Spielen in Tokio. Das Stipendium wird vom IOC an Geflüchtete vergeben. Aus den 56 Stipendiaten wählte das IOC nun die 29 endgültigen Olympiateilnehmer*innen aus. Saeid Fazloula wird in Tokio hinter der Olympischen Flagge mit den fünf Olympischen Ringen ins Stadion marschieren - als zweite Delegation direkt hinter Griechenland.

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