So nah und doch so fern: Olympia in Tokio (Foto: imago images, Imago/Zuma Wire)

Leichtathletik | Olympia 2021

Rheinland-Pfalz-Leichtathleten glauben an Olympische Spiele in Tokio

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Die Olympischen Spiele in Tokio wurden bereits um ein Jahr verschoben. Aber auch jetzt gibt es noch ein großes Fragezeichen, ob sie 2021 stattfinden können. Wie gehen die Sportlerinnen und Sportler damit um? Lisa Ryzih, Niklas Kaul und Kai Kazmirek haben sich in der TV-Sendung "SWR Sport in Rheinland-Pfalz" dazu geäußert.

Nur keinen Zweifel aufkommen lassen - das ist die Devise für viele Athleten, die sich mitten in der Pandemie auf ihren sportlichen Höhepunkt vorbereiten. Stabhochspringerin Lisa Ryzih ist sich ganz sicher, dass die Spiele von Tokio in irgendeiner Form stattfinden werden, Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul hat da schon eher ein paar Zweifel. Aber beide sind sich einig, dass im Training kein Gedanke daran verschwendet wird, dass die Spiele erneut abgesagt werden könnten.

Keine Trainingslager in der Sonne

Positiv bleiben, negative Einflüsse verdrängen - das müssen und können Leistungssportler vielleicht sogar besser als Normalbürger. Und so sind die Top-Leichtathleten vor allem dankbar, dass sie überhaupt trainieren können. Klar, statt Trainingslager in fernen Gefilden müssen jetzt die Einheiten in stickigen Hallen oder bei frostigen Temperaturen im deutschen "Schmuddel-Winter" absolviert werden. Aber Niklas Kaul ist das egal: "Wir hatten schon viele erfolgreiche Jahre ohne Trainingslager und ich war selten im Januar schon so gut in Form wie aktuell." Ähnlich sieht es sein Zehnkampfkollege Kai Kazmirek. Wobei der WM-Dritte von 2017 schon zugibt, dass ihm die Sonne und die Wärme fehlen. "Außerdem haben wir in Neuwied noch keine Halle. Ich fahre jeden Tag nach Leverkusen und zurück, das ist schon ein erheblicher Mehraufwand," erzählt Kazmirek.

Bunte Spiele? Hauptsache Olympia findet statt

Eine Absage der Spiele wäre ein herber Schlag für die drei Leichtathleten. Aber dass es wohl keine "normalen" Spiele werden, ist jedem klar. Statt bunter Spiele mit Zuschauern könnte es auch ein recht stilles Ereignis in leeren Stadien werden. "Mir ist es nicht ganz so wichtig, dass es bunte Spiele werden. Ich konzentriere mich auf den Sport und will einfach am Tag X meine beste Leistung abrufen", sagt Lisa Ryzih, für die es vermutlich genauso wie für Kai Kazmirek die letzte Olympiateilnahme sein könnte.

Hoffnung auf Impfung

Große Hoffnung im Kampf gegen das Coronavirus bringt aktuell die Impfkampagne. Allerdings zählen Sportler nicht zu den Risikogruppen und stehen entsprechend weit hinten in der Rangfolge der Menschen, die geimpft werden. Die Frage, ob sich das für die Olympiakandidaten ändern sollte, stellt sich aktuell noch nicht.

Aber wenn im Frühjahr der Engpass an verfügbarem Impfstoff aufgelöst wäre und die Risikogruppen geimpft sind, dann wäre es schon ein Thema. Kai Kazmirek würde eine Priorisierung von Sportlern befürworten, zumal selbst Experten wie SPD-Politiker Karl Lauterbach zustimmen, dass die überschaubare Zahl von rund 2500 Impfdosen für die Olympiamannschaft und den Betreuerstab eigentlich nicht ins Gewicht fällt. "Die andere Frage ist allerdings, welches Zeichen man damit setzt", gibt der Gesundheitsexperte zu Bedenken. Keiner der Sportler möchte sich vordrängen oder Menschen, die eine Impfung dringend benötigen, etwas wegnehmen.Trotzdem sagt Lisa Ryzih: "Ich hoffe, dass am Ende der Olympiatraum nicht an der Impfung scheitert."

Corona verschärft Doping-Problematik

Der Medaillentraum lebt also nach wie vor und auch die Hoffnung auf Chancengleichheit ist weiter vorhanden. Es ist kein Geheimnis, dass Dopingkontrollen in Corona-Zeiten in manchen Regionen auf der Welt schwerer durchführbar sind und sich Schlupflöcher für potentielle Dopingsünder auftun. Aber Niklas Kaul bleibt auch da der Optimist, der er nun mal ist: "Bei mir finden nach wie vor Kontrollen statt und ich hoffe, dass das in anderen Ländern auch so ist." Und Kai Kazmirek verrät, dass bei ihm sogar zwei Kontrolleure in die Wohnung gekommen sind, eigentlich nicht corona-konform, aber zumindest mit Masken und unter Einhaltung des Mindestabstands.

Harter Weg bis Tokio

Allen Olympiakandidaten stehen nun noch harte Wochen bevor. Einsames Training alleine oder in Kleinstgruppen, keine Wettkämpfe und Testmöglichkeiten und immer die bange Frage im Hinterkopf: Lohnt sich der Einsatz überhaupt oder war am Ende wieder alles für die Katz? Bei Olympia kann nur erfolgreich sein, wer diese schwere Zeit mit mentaler Stärke gut übersteht. Niklas Kaul kennt das Wechselbad der Emotionen während eines Zehnkampfes, aber auch das berauschende Gefühl, es am Ende geschafft zu haben. Der Weg zu Olympia in Tokio dürfte ihm Ähnliches abverlangen. Ein Happy End im Land der aufgehenden Sonne wäre allen Sportlerinnen und Sportlern zu wünschen.

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