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Eine Kniefall-Geste gegen Rassismus wie bei den Fußballern - auch Malaika Mihambo hat darüber schon nachgedacht. Die Weltklasse-Weitspringerin will lieber andere Wege gehen, um für das Thema zu sensibilisieren.

Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo kann sich vor den Olympischen Spielen in Tokio nicht vorstellen, als Zeichen gegen Rassismus im Stadion niederzuknien. "Ich finde es sehr schön, wenn Sportler das tun, wenn sie für größere Werte einstehen, die stellenweise einfach vergessen werden", sagte die 27 Jahre alte Athletin von der LG Kurpfalz in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

"Ich selbst kann mich nicht mit diesen großen Gesten anfreunden. Das fühlt sich gerade nicht nach mir an. Von daher würde ich das Stand heute nicht tun. Das kann sich natürlich ändern." Ihr Weg sei es eher, in Interviews anzuregen, über so etwas nachzudenken, sagte Mihambo, betonte aber: "Es ist wichtig, dass wir uns immer wieder gegenseitig ins Bewusstsein rufen, worauf es ankommt. Letztendlich sind wir alle Menschen - egal, wo wir geboren wurden, welche Hautfarbe wir haben." Die Leichtathletin hat einen Vater aus Sansibar und eine Mutter aus Deutschland.

Gesten gegen Rassismus im Fußball

Zuletzt hatte es die Kniefall-Geste von verschiedenen Mannschaften bei der Fußball-EM gegeben. Die englischen Fußball-Nationalspieler Bukayo Saka, Jadon Sancho und Marcus Rashford waren nach ihren vergebenen Elfmeter im verlorenen Finale gegen Italien mit rassistischen Hasskommentaren in den sozialen Plattformen überzogen worden. Dies hatte eine Welle der Empörung ausgelöst.

Ein Rassismus-Vorfall überschattete außerdem die Olympia-Vorbereitung der deutschen Fußballer. Der 23-Jährige Jordan Torunarigha war nach eigenen Angaben im Olympia-Testspiel gegen Honduras rassistisch beleidigt worden. Daraufhin entschieden Trainer Stefan Kuntz und die Mannschaft, das Spiel nicht weiter fortzusetzen.

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Mihambo, die 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro Vierte wurde, sieht durch die Corona-Pandemie einen besonderen Stellenwert in einer Olympia-Medaille. "Ich glaube, letztendlich ist er eher erhöht, weil die Bedingungen viel schwieriger sind als in einem normalen Jahr. Das letzte Jahr war sicher für alle sehr anstrengend, auch für mich persönlich haben sich viele Dinge verändert", sagte die zweimalige "Sportlerin des Jahres", die für sich hofft: "Es wäre einfach toll, diese harte Zeit mit etwas Schönem beenden zu können."

Mihambo hat in diesem Jahr - im Gegensatz zu sechs Konkurrentinnen - die Sieben-Meter-Marke noch nicht überspringen können und steht mit 6,92 Meter auf Rang zehn der Weltbestenliste. Zuletzt hatte sie immer wieder Probleme mit ihrem Anlauf, zählt aber dennoch zu den Top-Favoritinnen auf eine Medaille.

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