STAND
AUTOR/IN

Viele Athleten und Athletinnen sind jetzt in der heißen Phase ihrer Olympiavorbereitung und müssen sich in den nächsten Tagen und Wochen für die Spiele qualifizieren. Einige reagieren jedoch ziemlich heftig auf die Corona-Impfungen und befinden sich deshalb in einem Formtief, das sie die Olympiateilnahme kosten könnte.

Die Schlagzeile hat viele aufgeschreckt: Siebenkämpferin Carolin Schäfer, WM-Zweite von 2017 und eine Medaillenkandidatin für Tokio, musste den Qualifikationswettkampf in Götzis absagen. Auf ihrem Instagram-Account schreibt die Trainingspartnerin von Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul: "Mein Körper sagt nein. Seit einiger Zeit habe ich nicht vorhersehbare Impf-Nebenwirkungen, die mein Training sehr stark beeinflussen. Jetzt heißt es akzeptieren und positiv denken. Mit meinem medizinischen Team arbeiten wir daran, mich schnellstmöglich wieder fit auf die Bahn zu bringen."

Kai Kazmirek spürte Nebenwirkungen drei Wochen lang

Doch Carolin Schäfer ist kein Einzelfall. Auch Kai Kazmirek, der WM-Dritte im Zehnkampf von 2017, hatte nach seiner Impfung mit heftigen Reaktionen zu kämpfen. "Ich hatte drei bis vier Tage Gliederschmerzen, aber auch als das vorbei war, habe ich mich bei Belastung noch schlapp gefühlt. Insgesamt hat es mein Training etwa drei Wochen negativ beeinflusst", sagt der Modellathlet. Er war in Götzis am Start, aber die Vorbereitung war eben dadurch nicht optimal. Auch wenn es ihm jetzt wieder besser geht, war das Ergebnis von Götzis mit Platz sieben und 8190 Punkten nicht das, was er erhofft hatte. Die Olympianorm hat er damit noch nicht sicher in der Tasche, in drei Wochen in Ratingen muss er einen zweiten Versuch starten.

Keine Erfahrungswerte für Impfreaktionen bei Sportlern

Für den Mediziner Klaus Gerlach, früherer Mannschaftsarzt von Mainz 05 und auch heute noch Betreuer von vielen Spitzensportlern, ist das Thema Corona-Impfung von Sportlern eine Wundertüte: "Wir haben einfach keine Erfahrungswerte für Menschen, die sich körperlich am Limit bewegen", sagt er. Insgesamt stellt er fest, dass die Menschen völlig unterschiedlich auf die Impfungen reagieren, egal ob Spitzensportler oder nicht. Von fast keinen Nebenwirkungen bis hin zu tagelangem Fieber und Gliederschmerzen ist alles dabei. Natürlich spüren Spitzensportler im Gegensatz zu "Otto Normalbürger" deutlicher, wenn bei hohen Belastungen der Körper noch geschwächt ist.

Alltag gut, Training schlecht

Das bestätigt auch Marcel Fehr, einer der besten 5000-Meter-Läufer in Deutschland. "Drei bis vier Tage nach der Impfung ging es mir im Alltag wieder gut, aber im Training war ich schlapp. Außerdem hat meine Muskulatur völlig überreagiert mit Krämpfen und starkem Muskelkater", sagt Fehr, der dadurch zwei Wochen beeinträchtigt war und seinen Einsatz bei der Team-Europameisterschaft, für die er nominiert war, absagen musste.

Risikoabwägung muss jeder für sich machen

Für manchen Athleten könnte sich nun die Frage stellen, ob er das Risiko eingehen möchte und seine Form durch eine Corona-Impfung aufs Spiel setzt. Schließlich wird die Zeit bis zu den Spielen immer knapper und entsprechend die Chance, sich noch rechtzeitig von den Nebenwirkungen zu erholen immer kleiner. "Das ist eine Entscheidung, die jeder Sportler für sich treffen muss. Es gilt, die Risiken abzuwägen. Eine Corona-Infektion mit möglichen Langzeitfolgen wäre noch schlimmer", gibt Klaus Gerlach aus medizinischer Sicht zu bedenken.

Trainingsplan an Impfung anpassen

Auch für Kai Kazmirek stellt sich die Frage nicht: "Die Gesundheit geht vor, und ich würde mich immer impfen lassen, um gesund zu bleiben", sagt der Mehrkämpfer aus Neuwied. Er überlegt lediglich, wann nun der beste Zeitpunkt für die zweite Impfung ist. Neben den Vorgaben der ständigen Impfkommission (STIKO) kommen da auch trainingswissenschaftliche Erwägungen ins Spiel. "Natürlich muss man das im Trainings- und Wettkampfplan berücksichtigen. Man sollte sich und seinem Körper die Zeit geben, die er nach der Impfung benötigt", empfiehlt Gerlach, der aber auch für das Dilemma der Sportler Verständnis hat, so kurz vor Olympia.

Wettlauf mit der Zeit

Deshalb kritisiert er noch etwas ganz anderes: "Man hätte das Problem jetzt so kurz vor den Olympischen Spielen nicht, wenn man die Olympiakandidaten schon im Februar geimpft hätte." Die Zahl der Impfdosen für die Olympiamannschaft mit einigen hundert Sportlern und Sportlerinnen wäre überschaubar gewesen. Nun beginnt für einige ein Wettlauf mit der Zeit.

Kornwestheim

Leichtathletik | Hochsprung Auf den Spuren von Doppel-Olympiasiegerin Ulrike Meyfarth: 16-Jährige springt 1,92 Meter

Die erst 16-jährige Hochspringerin Johanna Göring vom SV Kornwestheim darf als deutsche Jahresbeste im Hochsprung bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften am Wochenende in Braunschweig nicht teilnehmen.  mehr...

Leichtathletik | Tokio 2021 Tokio 2021: Weitspringerin Mihambo rechnet mit stärkerer Konkurrenz

Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo will sich derzeit nicht mit der schwierigen Situation der Olympischen Spiele in Tokio beschäftigen, sondern fokussiert sich auf das Sportliche.  mehr...

TICKET TO TOKIO | OLYMPISCHE SPIELE Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul sucht noch die Olympiaform

Das traditionelle Zehnkampfmeeting in Götzis war für Niklas Kaul der erste komplette Mehrkampf seit seinem WM-Sieg im Oktober 2019 in Doha. Dazwischen liegen viele Corona-Monate, die an dem Mainzer nicht spurlos vorbeigegangen sind, wie sich am Wochenende gezeigt hat. Denn mit Platz fünf und 8263 Punkten blieb er hinter seinen Erwartungen zurück.  mehr...

STAND
AUTOR/IN