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Bei den Olympischen Spielen in Tokio wird zum zweiten Mal ein "Olympisches Team von Geflüchteten" an den Start gehen. Unter den sieben Athlet*innen, die in Deutschland trainieren, ist auch Saeid Fazloula von den Rheinbrüdern Karlsruhe.

Saeid Fazloula hämmert und klopft und schreit, ganz laut, aber niemand kann ihn hören. Geflohen aus dem Iran 2015 scheint der 28-Jährige in diesem wieder einmal entscheidenden Moment seines Lebens alleine zu sein. Doch von Verzweiflung keine Spur. Fazloula hat gerade per Videoschalte erfahren, dass er zu den Olympischen Spielen in Tokio darf. Dass man seinen Jubelausbruch nicht hört, ist die einzige Panne bei der Nominierung des "Olympic Refugee Team", einer Olympiamannschaft von 29 jungen Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten und die das Internationale Olympischen Komitee nun nach Tokio schickt.

Als sich Saeid Fazloula das Video von der Bekanntgabe nochmal ansieht, ist ihm das fast peinlich: "Das musste alles raus, ich habe auf den Tisch gehauen und ganz laut geschrien, sorry", sagt der Olympiateilnehmer. Allein ist Saeid Fazloula schon lange nicht mehr. Sportlich ist der gebürtige Iraner längst ein "Rheinbruder" im gleichnamigen Kanuverein in Karlsruhe. Trainer Detlef Hofmann ist es gelungen, nicht nur Saeid "olympiafit" zu machen: Von den Rheinbrüdern Karlsruhe qualifizierten sich auch Sophie Koch und Sarah Brüßler für Tokio.

Als er auf's Wasser durfte, war er glücklich

Was wie ein Märchen aus Tausendundeine Nacht klingt, war für Saeid ein Wettlauf um Leben und Tod. Weil er sich bei der Kanu-WM 2015 vor dem Mailänder Dom fotografieren lässt, einem christlichen Gebäude, vermutet das iranische Regime, er sei oder er wolle den christlichen Glauben annehmen. Fazloula wird verhört. Vor der möglichen Todesstrafe flieht er über die Balkanroute nach Deutschland. Befragung durch die Behörden, Fingerabdrücke und dann: ab nach Karlsruhe. Mit Hilfe des Deutschen Olympischen Sportbundes landet Fazloula bei Detlef Hofmann und den Rheinbrüdern Karlsruhe. Auf einer Landkarte muss man ihm zeigen, wo Karlsruhe liegt. Nicht in Frankreich, wie Saeid denkt, sondern knapp an der Grenze. Detlef Hofmann sieht dem damals 22-Jährigen seine Enttäuschung an. "Was soll ich denn hier machen", liest Hofmann damals in den fragenden Augen. "Als er dann auf’s Wasser durfte, war er wirklich glücklich, da ist er vom Wasser gekommen mit strahlenden Augen", sagt der Kanu-Bundestrainer am Tag der Olympianominierung rückblickend.

Das Land, das ihn zur Flucht zwang, feiert ihn nun

Als Saeid bei den Asienspielen 2014 für Iran die Silbermedaille gewinnt, wird für ihn ein spezieller Song gespielt. Das sei eine Tradition, wenn Sportler Medaillen gewinnen, sagt Fazloula. Damit sei für ihn ein Traum in Erfüllung gegangen. Schon als Kind träumt er aber auch von den Olympischen Spielen. Nun ist er dabei, nicht für Iran, nicht für Deutschland, für das "Olympic Refugee Team", das das IOC mit Hilfe des UNHCR erstmals für die Olympischen Spiele 2016 ins Leben rief. Nach der Nominierung durch das IOC jubelte nicht nur Saeid. "Meine Mama hat mich angerufen, das ganze Land feiert, dass ich bei den Olympischen Spielen dabei bin." Seine Heimat vermisst Saeid, dahin zurückkehren wird er nicht mehr.

Nicht aufgeben - man hat immer eine Chance

Seine Mutter habe gebetet und er selbst auch. Es sei schön, gläubig zu sein, das beruhige ihn, sagt Saeid. Seine Dankbarkeit zeigt Fazloula auch, wenn er Vorträge in Flüchtlingsheimen hält. "Nicht aufgeben" ist seine Botschaft. Als Mitglied im "Olympischen Team der Geflüchteten" ist Saeid Fazloula nun auch offiziell ein internationaler Botschafter. "Was das IOC mit dem Team geschaffen hat, ist sehr gut, das zeigt allen Flüchtlingen, dranzubleiben. Man hat immer eine Chance."

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