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Hintergrund | Hockey

Mannheimer HC: Die Hockey-Talentschmiede und ihre Nationalspielerin

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Gleich drei Spielerinnen und Spieler des Mannheimer Hockeyclubs waren bei den Olympia in Tokio dabei. Justus Weigand, Linus Müller und Sonja Zimmermann. Sie alle sind große Vorbilder für den Nachwuchs im Verein.

Sie haben sich in Mannheim die Wecker gestellt, um mit ihren Cracks in Tokio frühmorgens mit zu fiebern. Aber am Ende hat der Deutsche Hockeybund zum ersten Mal seit Sydney 2000 keine Medaille bei Olympia gewonnen. Stolz sind sie beim HC trotzdem auf ihre Olympiafahrer Justus Weigand und Linus Müller sowie die Olympiafahrerin Sonja Zimmermann.

Zimmermann ist Vorbild für junge Spielerinnen

Sonja Zimmermann ist ein echtes Eigengewächs. Seit sie acht Jahre alt ist, spielt sie für den Verein und ist dort für viele junge Spielerinnen ein Vorbild. "Ein Mädel mit viel Humor und sehr gutem Ehrgeiz, die sich sehr gut selbst organisieren kann" weiß ihr ehemaliger Trainer Andreas Höppner, "was wichtig ist für das, was sie macht. Ich meine, sie hat jetzt nebenbei mit der Olympia-Vorbereitung ein BWL-Studium zu Ende gebracht". Grundlage für ihre sportliche Karriere aber war vor allem die gute Jugendarbeit des Vereins.

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Sportliche Förderung beginnt früh

Wer am Nachmittag beim Mannheimer Hockeyclub vorbeischaut, der sieht vor allem eines: Unzählige Kinder- und Jugendliche in allen Altersklassen, die mit Schlägern einem Ball hinterherjagen. Selbst die, die erst seit Kurzem laufen können, sind schon auf dem Feld unterwegs - das jüngste Team ist die U4 , also die unter Vierjährigen. Zwar gehe es bei ihnen meistens noch um koordinative Grundlagen und Spiel und Spaß, sagt Andreas Höppner, aber irgendwann bekommen auch sie den Schläger in die Hand.

Kinder- und Jugendarbeit als Erfolgsgeheimnis

"Wir wollen hier Jugendlichen eine Heimat bieten, wir wollen hier Jugendliche gut ausbilden, wir wollen ihnen Möglichkeiten schaffen, sich sportlich so zu entwickeln, wie es ihr Talent möglich macht" so Andreas Höppner, "Und am Ende ist es auch die Grundlage dafür, dass wir in der Bundesliga oben mitspielen können." Die Förderung der Kinder und Jugendlichen zahlt sich aus: Etwa die Hälfte der Bundesliga-Spielerinnen und -Spieler beim Mannheimer HC sind Eigengewächse. "Es ist schon außergewöhnlich, wie viele wir haben", meint Vorstandschef Martin Wehrle, "andere Vereine beziehen noch viel mehr Kräfte von außen."

Vereinbarkeit von Sport und Ausbildung

Mehr als 50 Kinder- und Jugendmannschaften gibt es beim Mannheimer HC. Von mehr als 1.000 Mitgliedern sind 600 Jugendliche. Einige von ihnen können den Sprung schaffen in die Bundesliga-Teams. Und dabei werden sie vom Verein kräftig unterstützt. "Duale Karriere ist ein Schlagwort", so Höppner. "Wie kriegen wir das hin mit der Schule? Wie kriegen wir das hin, vielleicht auch zweimal am Tag zu trainieren - vor der Schule und dann am Abend nochmal? Das sind dann Sachen, wo wir eine ganz gute Struktur haben und wo wir die Jugendlichen ganz gut ausbilden können." Nicht zuletzt deswegen kooperiert der Verein mit verschiedenen Sportgymnasien im Umkreis.

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Hockey für alle

In Schulen ist man aber auch auf Talentsuche. Trainer des Vereins bieten immer wieder Schnupperkurse für die Schülerinnen und Schüler an. So möchte der Hockeyclub auch eine breite Masse für sich gewinnen und ein altes Vorurteil abbauen: "Viele sagen, das ist ein elitärer Sport, aber eigentlich wollen wir das gar nicht hören", sagt Martin Wehrle. "Wir wollen eine Plattform für viele Kinder und alle Kinder haben." Den Hockeysport insgesamt wolle man fördern, so der Vorstandsvorsitzende, und zwar im Spitzen- und im Breitensport.

"Viele sagen, das ist ein elitärer Sport, aber eigentlich wollen wir das gar nicht hören."

Gute Trainingsbedingungen

Der Mannheimer Hockeyclub hat alle Voraussetzungen dafür. Vier Felder, die im Winter von einer Traglufthalle überdacht werden, eine Hockeyhalle und ein Kraftraum bieten beste Trainingsmöglichkeiten. "Wenn man sich die Anlage hier anschaut - die sucht ihresgleichen in Hockey-Deutschland, wahrscheinlich in Hockey-Europa", so Wehrle. Verwirklichen ließ sich diese Anlage vor allem auch dank der Unterstützung durch private Geldgeber. "Wir haben das Glück, dass wir über Generationen ein Mäzenatentum haben, dass uns die Möglichkeit gibt, unsere Jugendlichen zu fördern", sagt Martin Wehrle. Sein Traum: Ein "Goldener Kader" - sprich: Mannheimer Bundesliga-Teams mit möglichst vielen Eigengewächsen. Dafür ist der Hockeyclub auf jeden Fall auf dem richtigen Weg.

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