DOSB-Vize und Bahnrad-Olympiasiegerin Miriam Welte (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Olympische Spiele 2022 in Peking

DOSB-Vize Miriam Welte: "Die Spiele sind in Peking und wir müssen damit klarkommen"

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INTERVIEW
Christian Döring

Bahnrad-Olympiasiegerin Miram Welte reist als Vize-Präsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes nach Peking. Im Interview mit SWR Sport spricht sie über die politische Situation und die Corona-Lage in China.

SWR Sport: Miriam Welte, Vize-Präsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes, mit welchem Gefühl fliegen Sie denn jetzt nach Peking?

Miriam Welte: Eigentlich mit einem positiven. Also ich freue mich sehr, aber ich habe heute Nacht doch nicht ganz so gut geschlafen, das kenne ich von mir gar nicht. Normalerweise bin ich vor solchen Reisen nicht so aufgeregt. Aber es ist doch was anderes dieses Mal als in der Vergangenheit und deswegen ist doch ein bisschen mehr Nervosität dabei.

SWR Sport: Die Corona-Fälle rund um die Olympischen Spiele nehmen zu. Haben Sie keine Angst?

Ich glaube, wenn man es in die Blase schafft in Peking, dann ist man so sicher wie nirgendwo sonst auf der Welt im Moment. Klar, die Fälle nehmen zu, aber es sind eigentlich immer Fälle, die bei der Anreise direkt dann positiv getestet werden und deswegen kann ich nur hoffen, dass wir alle, das komplette deutsche Team, aber auch die Athleten, die sich jetzt jahrelang vorbereitet haben, dort ankommen und nicht positiv, sondern negativ getestet werden um dann positiv in ihre Wettkämpfe reinzugehen (lacht).

SWR Sport: Trotzdem: Ein Schatten liegt über den ganzen Spielen, oder? Es ist kein Vergleich zu den Spielen, wo sie selbst als Sportlerin aktiv waren?

Ja, klar. Vergleichen kann man das mit Sicherheit nicht mit London oder mit Rio, mit den wirklichen Festivals, würde ich es mal nennen, an Sportveranstaltungen. Es ist mit Sicherheit unter einem ganz anderen Stern. Trotzdem muss man sagen, wenn ich mich jetzt in die Rolle von Athleten versetze: Man trainiert manchmal, um nur einmal bei Olympischen Spielen dabei zu sein, und kann sich diesen Traum jetzt erfüllen. Deswegen glaub ich schon, dass sich die Athletinnen und Athleten wirklich freuen, aber es wird mit Sicherheit ganz, ganz anders als ich das normalerweise kenne.

SWR Sport: Die Vergabe der Olympischen Spiele nach Peking: von Anfang an natürlich kontrovers diskutiert wegen Menschenrechtsverletzungen von China, Einschränkung der Pressefreiheit und noch sehr viel mehr. Wie glauben Sie werden die Sportlerinnen und Sportler damit umgehen und welche Rolle haben Sie dabei?

Erstmal finde ich’s traurig, dass München - war ja auch im Rennen - zurückgezogen hat. Ich glaube, es war jetzt am Ende die Entscheidung zwischen Almaty (Metropole in Kasachstan, Anm. d. Red.) und Peking - und da ist die Frage, was besser ist. Also es ist so: Die Spiele sind in Peking und wir müssen damit klarkommen, die Athleten müssen damit leben. Ich versuche einfach, alle so gut es geht zu unterstützen und zu helfen. Natürlich ist es - das wissen wir alle - mit den Menschenrechtsverletzungen, mit der Pressefreiheit, Meinungsfreiheit ein sehr schwieriges Thema. Man muss mit Sicherheit darüber nachdenken, was sage ich wirklich im Land, um da nicht mit irgendwelchen Konsequenzen leben zu müssen. Weil das wurde ja auch angekündigt. Das ist für uns aus einem demokratischen Land sehr schwer nachzuvollziehen, weil wir unsere Meinung sagen können. Das wird mit Sicherheit eine große Herausforderung. Aber wir als DOSB stehen hinter all unseren Athleten und versuchen die, die sich äußern wollen, dann so gut wir können zu schützen und zu unterstützen und uns vor die Athleten zu stellen.

SWR Sport: Ganz persönlich gehen Sie mit neuer Freude zu diesen Spielen. Denn Sie sind schwanger. Hat Ihnen das nicht zu denken gegeben, jetzt so eine Reise auf sich zu nehmen?

Ich hatte mir das schon lange überlegt, Gedanken darüber gemacht, ob das gut ist, zu fliegen. Und solange in einem anderen Land, wo Du nicht ganz genau weißt, was kommt da an Essen auf Dich zu. Auf der anderen Seite: ich bin gesund, die Frauenärztin hat mich da auch unterstützt und hat gesagt, dass nichts dagegenspricht. Und deswegen fahr ich jetzt auch mit einem guten Gefühl nach Peking!

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