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INTERVIEW

In 33 Sportarten kämpfen die Athletinnen und Athleten dieses Jahr um Olympia-Medaillen, zum allerersten Mal auch im Karate. Einer der Topfavoriten: Jonathan Horne aus Kaiserslautern. SWR Sport hat kurz vor seiner Abreise mit ihm gesprochen.

SWR Sport: Herr Horne, Sie sind amtierender Europa- und Weltmeister und zählen zu den besten Karateka der Welt. Und jetzt dürfen Sie zu den Olympischen Spielen. Wie sehr freut Sie das?

Jonathan Horne: Natürlich mega. Ich finde es schön, dass wir mal die große Bühne betreten dürfen. Ich hoffe auch, dass wir dann in Zukunft wieder die Chance haben, dies tun zu können. Und das ist natürlich ein Aufschwung.

SWR Sport: Was macht denn Olympische Spiele für Sportler so besonders? Europa- und Weltmeisterschaften sind ja auch schon ziemlich cool.

Jonathan Horne: Die Spiele haben einfach Tradition, schon seit der Antike, als die Wettkämpfe begannen. Sie sind nur alle vier Jahre und haben auch ein sehr großes mediales Spektrum und die hohe Aufmerksamkeit. Es ist natürlich für die Sportler umso schöner, dann auch mal auf der großen Bühne zu sein, wo sie Aufmerksamkeit kriegen, wo viele Sportarten und viele Nationen zusammenkommen und einfach alle zusammen dieses wunderschöne Erlebnis erleben dürfen.

SWR Sport: Bis es bei Ihnen so weit ist, müssen Sie sich allerdings noch ein bisschen gedulden. Ihr Wettkampf ist nämlich erst am vorletzten Tag der Spiele. Sie fliegen Ende Juli nach Japan. Bekommen sie dann von dieser olympischen Stimmung überhaupt noch etwas mit?

Jonathan Horne: Durch die Maßnahmen, wie sie zurzeit durch Corona sind, glaube ich, ist die Stimmung nicht, wie die normalerweise wäre. Ich hoffe, dass sie im olympischen Dorf trotzdem noch einigermaßen gut sein wird. Und natürlich hoffe ich, dass ich das auf jeden Fall noch ein bisschen miterleben darf.

Olympia-Teilnahme ist eine große Ehre

SWR Sport: Stichwort Corona. Die Olympischen Spiele standen ja wegen der Pandemie immer wieder auf der Kippe. Bis zuletzt gab es auch Kritik daran, dass sie überhaupt stattfinden. Es gab sogar auch schon Corona-Fälle im olympischen Dorf. Mit welchen Gefühlen fliegen Sie denn nach Japan?

Jonathan Horne: Ich freue mich, dass ich an den Wettkämpfen teilnehmen darf. Es ist eine große Ehre für mich, mich dafür qualifiziert zu haben,. So wie die Spiele jetzt stattfinden, das ist ja nicht das Olympia, wie es normalerweise sein sollte. Auch nicht, für uns bei der Premiere, dass die Spiele unter diesen Bedingungen stattfinden müssen. Es ist hart, die Pandemie geht durch die ganze Welt. Mir ist schon bewusst, wo viele Menschen, die von überall zusammenkommen, dass man da einfach keine hundertprozentige Sicherheit gewährleisten kann. Es ist eine freiwillige Entscheidung, ob du da hinfährst. Ich fahre mit dem Gefühl: Ich will den Wettkampf machen. Und ich habe bis jetzt noch nie Angst davor gehabt, mich anzustecken, und habe es auch jetzt nicht und freue mich einfach trotzdem, dass ich teilnehmen kann,

SWR Sport: Die Olympischen Spiele mit Karate, das ist natürlich ein absolutes Highlight im Leben. Jetzt haben Sie ja irgendwann auch klein angefangen. Hatten Sie damals schon irgendwie im Hinterkopf, irgendwo versteckt den Traum, dass Sie dann wirklich mal bei Olympischen Spielen antreten?

Jonathan Horne: Ich wusste ja, dass wir als Karate-Sportler nicht vertreten sind. Ich habe es mir natürlich immer gewünscht. Dass ich das jetzt noch erleben darf, ist natürlich ein Highlight für mich in meiner Karriere, megaklasse, dass es noch so geklappt hat.

Jonathan Horne ist Medaillenfavorit

SWR Sport: Sie haben sich es aber auch mehr als verdient als einer der besten Karateka der Welt ist. Ist das der Lohn für jahrelanges Training oder auch vor allem ein riesiger Erfolgsdruck?

Jonathan Horne: Nein, das ist der Lohn dafür. Erfolgsdruck, den hat man, glaube ich, als Leistungssportler, wenn man oben mitschwimmt, immer so ein bisschen. Man versucht es dann einfach auszublenden und darauf zu fokussieren, was wirklich wichtig ist. Und das ist einfach die eigene Stärke durchzubringen. Und wenn das klappt, dann kommt der Erfolg auch von ganz alleine. Aber der Weg bis dahin ist halt sehr, sehr harte Arbeit. Und die hat sich jetzt ausgezahlt.

SWR Sport: Sie sind als einziger Deutscher als Mitfavorit im Karate-Mutterland Japan. Ist das für Sie dann noch einmal zusätzliche Motivation auf die Goldmedaille?

Jonathan Horne: Im Mutterland des Sports die Olympischen Spiele zu haben, erstmalig und vorerst auch einmalig, das ist natürlich noch mal ein Riesenschub. Da will man natürlich gewinnen. Aber ich glaube, so geht's allen Sportlern. Ich versuche einfach da mein Bestes herauszuholen und meinen Traum zu verwirklichen.

Karate ist erstmals und zugleich letztmals olympisch

SWR Sport: Sie haben es gerade gesagt: Erstmalig und leider auch einmalig. Denn bei den nächsten Sommerspielen 2024 in Paris ist Karate schon nicht mehr im Programm der olympischen Sportarten dabei. Warum ist das überhaupt so?

Jonathan Horne: Eigentlich kann ich das leider auch nicht beantworten. Wir haben nur mitbekommen, dass wir da nicht dabei sind, obwohl jeder dachte, gerade in Paris, dass wir da dabei sind, denn Paris ist ja auch eine kleine Karate-Hochburg. Wir sind alle davon ausgegangen. Warum es jetzt letztendlich nicht geklappt hat, weiß ich nicht. Ich kann mir nur vorstellen, dass es irgendwo auf politischer Ebene eventuell entschieden wurde oder die Strukturen einfach nicht so waren, wie sie hätten sein sollen. Da sollte man einfach mal nachfragen und dann die Dinge verändern. Karate ist die letzte Kampfkunstart, die nicht bei den Olympischen Spielen dauerhaft vertreten ist. Das ist schon etwas schade. Und ich wünsche mir, dass es einfach dann wieder reinkommt.

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