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Die beiden Kanutinnen Lisa und Clara Plötz sind Zwillingsschwestern. Sie sind erfolgreich und trotzdem stehen sie erst am Anfang ihrer sportlichen Karriere. Ihre Disziplin: Kanu - Marathon.

Bei Wind und Wetter paddeln Lisa und Clara Plötz von den Kanufreunden Mainz-Mombach. Es ist immer wieder das gleiche Bild im Mainzer Hafen. Die beiden Zwillingsschwestern trainieren gemeinsam jeweils in ihrem Einer, und ein kleines Motorboot fährt langsam nebenher, darin der Vater Peter Plötz, er sitzt sozusagen mit im Boot. Denn er ist der Trainer seiner beiden Töchter. Peter Plötz beobachtet jeden Paddelschlag genau. Um die Leistung objektiv beurteilen zu können, hat der IT-Fachmann eine Technik "Marke Eigenbau" entwickelt. Ein kleines Kästchen am Paddel, das jeden Schlag aufzeichnet. Und daheim am Computer kann die Kanufamilie jede Schlag-Bewegung im Boot einzeln analysieren.

Das Vater-Töchter-Verhältnis stimmt

Clara und Lisa sind im Kanu-Marathon aktiv. Langstrecke also. Wettbewerbe im Kanu-Marathon dauern schon mal 2 Stunden, die Strecken häufig mehr als 20 Kilometer lang. In den vergangenen drei Jahren haben es die eineiigen Zwillinge in den deutschen Nationalkader geschafft. Vater Peter war früher auch Leistungssportler, er war Ruderer. Er hat schnell festgestellt, dass Lisa und Clara die Athletik fehlt, um im Rudern tatsächlich erfolgreich zu sein. Hebel und Körpermaße standen aber auch beim Kanu einem großen Erfolg im Sprint im Weg. Also blieb "nur" die Langstrecke übrig. Das "Familienunternehmen Plötz" funktioniert prächtig, bestätigen jedenfalls Vater und Töchter gemeinsam. Das Verhältnis ist laut Clara "sehr gut, man kann auf ihn eingehen und andersrum auch er auf uns, wenn wir mal irgendwie Probleme haben".

Vertrauen ist wichtig

Vertrauen, sagt Peter Plötz, sei das Wichtigste für einen Trainer überhaupt. Und seine beiden Töchter vertrauen ihrem Vater, setzen seine Ratschläge und technischen Vorgaben um. Schlechte Stimmung im Training, Spannungen untereinander, das gibt es vielleicht ab und zu mal, aber ansonsten haben alle das gleiche Ziel: Sich stetig zu verbessern, erst national und dann international weiter nach vorne zu rücken. Denn die beiden Schwestern sagen ganz offen: "Zur Weltspitze fehlt noch ein großes Stück". Mit 22 Jahren stehen sie ja erst am Anfang ihrer Karriere. Und in der Ausdauersportart Kanumarathon erreicht man seinen Leistungszenit erst einige Jahre später. Dass der Vater der Trainer ist, hat noch einen ganz großen Vorteil. So lassen sich die Trainingszeiten in der Familie viel besser koordinieren. Denn Clara ist Bäckerin, hat einen harten Job, ist jeden Morgen sehr früh auf den Beinen. Schwester Lisa studiert Elektro- und Luftfahrttechnik. Durch den Kanumarathon kommen sie auch ganz gut rum in Europa. Mal ein Sommertrainingslager in Italien, mal eine Regatta in Norwegen.

Kanumarathon ist übrigens eine Ganzjahres-Sportart. Solange die Wasseroberfläche nicht gefriert, wird trainiert. Ziemlich viel Aufwand für die ganze Familie Plötz. Lisa und Clara sind lupenreine Amateure, ihr Sport kostet die ganze Familie nur Geld. Alle drei, die Töchter und der Vater, vermitteln Freude, Ehrgeiz und vor allem Professionalität. Könnte also gut sein, dass man von der Kanufamilie Plötz in den nächsten Jahren noch einiges hören wird.

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