Ein Oldtimer auf dem Nürburgring

Motorsport | Nürburgring

Bloß kein Blechschaden: Festival der edelsten Oldtimer auf dem Nürburgring

Stand
Autor/in
Christian Döring

Auf dem Nürburgring feiert der Oldtimer-Grand-Prix 50. Geburtstag. Wahre Juwelen bringt Dr. Klaus Lehr auf den Asphalt. Der 76-Jährige aus Weinheim in Baden-Württemberg gibt deshalb zwar Vollgas, aber ohne übertriebenes Risiko. Denn ein Blechschaden könnte sündhaft teuer werden.

Wenn Dr. Klaus Lehr den Motor anwirft, dann verstummen um ihn herum sofort alle Gespräche. Denn zum einen ist der Maserati 250F dröhnend laut - zum anderen für wahre Oldtimer-Fans Musik in den Ohren. Und vor allem ist der rote Renner schlichtweg ein Wagen, den Motorsport-Enthusiasten ohne große Worte bewundern können.

"Mit diesem Auto hat Juan-Manuel Fangio 1957 hier auf dem Nürburgring gewonnen", erzählt Lehr, eingehüllt in den brodelnden Maserati-Sound. Und mit viel Liebe zum Detail lässt er die legendäre Aufholjagd von Fangio auf dem Eifel-Kurs noch einmal aufleben.

Einst unter Fangio erfolgreich

Der Wagen ist nahezu genauso alt wie der Pilot. Lehr bestätigt: "Ich bin jetzt 76 Jahre alt." Was ihm niemand ansieht. Oldtimer-Rennen zu fahren scheint fit zu halten. Ein Kraftakt ist es auf jeden Fall. Der Maserati besitzt zum Beispiel keine leichtgängige Servo-Lenkung.

"Alles mechanisch", sagt Lehr und wischt sich dicke Schweißperlen von der Stirn, als er aus dem Boliden aussteigt. "Ja", bestätigt er die Frage, ob das gerade harte Arbeit war. "Man merkt es. Ich fahr jetzt schon über 20 Jahre. Das ist mir früher leichter gefallen, ja." Und er lacht verschmitzt.

Unikat kostet Millionen

Doch bis zum nächsten Einsatz bleibt kaum Zeit. Die Mechaniker kommen auf den Senior-Rennfahrer zu und schildern ein Problem mit seinem anderen Auto: Die Bremsbacken seien angegriffen. Und das bei einem Oldtimer, der zu den teuersten an diesem Wochenende auf dem Nürburgring zählt: ein Mercedes SLS300 - wie der Maserati ebenfalls aus den fünfziger Jahren.

"Das ist in dieser Form ein Unikat", bestätigt Lehr und lässt den Blick mit sichtlichem Stolz über die silberne Karosserie schweifen. Wenig verwunderlich, dass das Schmuckstück ständig umlagert ist von Zuschauern, die ihre Handys und Fotoapparate zücken. Der Mercedes hat einen Liebhaberwert von mehreren Millionen Euro. Doch der Weinheimer drückt es diplomatisch aus: "Es gibt keinen Marktwert, es wird nix gekauft von dieser Sorte, nix verkauft. Es kamen mal Zahlen hoch verschiedenster Art: fünf, sechs, sieben Millionen. Aber wie gesagt: Da muss man jemanden finden, der es will." Sprich: der SLS300 ist eigentlich unverkäuflich.

"Klassiker der Klassiker"

Mehr als 400 Oldtimer verschiedenster Epochen haben sich diesmal wieder herausgeputzt für "den Klassiker der Klassiker" auf dem Nürburgring. Lola, Brabham, Ferrari - für die Liebhaber schneller, alter Boliden reihte sich ein legendärer Name an den anderen. Zehntausende Besucher bedeuteten erneut einen vollen Erfolg für den Oldtimer-Grand-Prix an seinem 50. Geburtstag.

Und Klaus Lehr teilt seine Leidenschaft mit Rennkollegen und Zuschauern. Schon als Kind wollte er Rennfahrer werden - als wohlhabender Mann konnte er sich den Traum dann Jahrzehnte später erfüllen. "Oldtimer haben mich schon immer fasziniert", erzählt er abschließend. "Und im Alter habe ich mich dann ein bisschen reingesteigert." Sprach’s - und setzte seinen Helm auf. Für die nächste donnernde Runde - möglichst ohne Blechschaden.

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Christian Döring

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