STAND
AUTOR/IN

Jochen Rindt war ein "Superstar" der Formel 1 - ein Sunnyboy und der einzige Weltmeister der Formel 1, der die Trophäe posthum bekam. Mitten in der Saison 1970, die er dominierte, verunglückte er beim Abschlusstraining in Monza tödlich. Ein Rückblick auf die Karriere des "Popstars" der Formel 1.

Vom "Internat für lernunwillige Teenager aus besseren Kreisen" zum Formel-1-Weltmeister – die Geschichte von Jochen Rindt hat viele Facetten. Geboren in Mainz besucht er 1961 das erste Mal den Nürburgring und beschließt, internationaler Rennfahrer zu werden. Rindt fährt erst Tourenwagenrennen und kämpft sich über die Formel Junior und Formel 2 innerhalb von drei Jahren in die Königsklasse.

Am Anfang ist er mit seinem Cooper gegen die Konkurrenz materialtechnisch unterlegen, trotzdem holt er 1965 am Nürburgring Platz vier und damit mit 23 Jahren seine ersten WM-Punkte. Außerdem gewinnt der gebürtige Mainzer das legendäre 24-Stunden-Rennen in Le Mans.

24 Stunden Rennen Le Mans 1965: Sieger Jochen Rindt  (Foto: Imago, imago sport)
Es ist sein erster großer Sieg: 1965 gewinnt Jochen rindt das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Foto: imago sport Imago imago sport

Ein Jahr später veröffentlicht Rindt sein erstes Buch und moderiert neben seiner Motorsport-Karriere seine eigene TV-Sendung. Als eine liebenswürdige, nachdenkliche, ehrliche und energiegeladene Person beschreibt ihn seine Frau Nina einst im ORF-Interview.

Weltmeister werden oder tot sein

Jochen Rindt ist 1942 in Mainz geboren, wächst aber nach dem Tod der Eltern bei seinen Großeltern in Österreich auf. Weltmeister zu werden, ist sein einziges Karriere-Ziel, dafür setzt er sein Leben aufs Spiel. Als er 1969 den neuen Vertrag bei Lotus unterschreibt, um gemeinsam mit dem Weltmeister Graham Hill in einem Stall zu fahren, ist ihm klar: "Mit diesem Auto kann ich Weltmeister werden oder in zwei Jahren tot sein."

Jochen Rindt im Lotus 49B holt die Pole Position 1969 beim Großen Preis der USA (Foto: Imago, imago sport)
Jochen Rindt im Lotus 49B startet aus der Pole Position beim Grand-Prix in den USA. Foto: imago sport Imago imago sport

Beim Training zum Großen Preis von Italien am 5. September 1970 in Monza bricht die Bremswelle an seinem Rennwagen. In der schweren Kurve "Parabolica" kracht er mit dem Lotus 72 in die Leitplanke. Sein Freund Bernie Ecclestone trägt den blutverschmierten Helm, ein erster sichtbarer Hinweis für alle, die noch nicht wissen, wie schlimm der Unfall wirklich war. Rindts Rivale und gleichzeitig enger Kumpel Jackie Stewart hat die schwerste Aufgabe: Er muss Nina Rindt, die noch mit der Stoppuhr in der Hand in der Box sitzt und auf ihren Mann wartet, die Hiobsbotschaft des Crashs überbringen. Der Popstar der Formel 1 stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus.

Organisator des Boykotts am Nürburgring

30.000 Menschen besuchen seine Trauerfeier in Graz, der charismatische und kameradschaftliche Mann war beliebt. Auch bei den eigentlichen Konkurrenten. Als Vorsitzender der Fahrergewerkschaft organisiert Rindt 1970 noch den Boykott des Rennens am Nürburgring. Die Fahrer haben massive Sicherheitsbedenken wegen der zu gefährlichen Strecke mit zu wenig Auslaufzonen. Also wird der Große Preis von Deutschland am Hockenheimring ausgetragen. Jochen Rindt siegt – es sollte das letzte Mal sein, dass er auf dem Podest steht und jubelt.

Jochen Rindt im Lotus 72C beim Großen Preis von Deutschland am Hockenheimring 1970 (Foto: Imago, imago sports)
Jochen Rindt siegt 1970 im Lotus 72C beim Großen Preis von Deutschland am Hockenheimring. Foto: imago sport Imago imago sports

Das folgende Rennen ist sein Letztes: der Große Preis von Österreich. Beim Heimrennen startet Rindt von der Pole Position und scheidet aus – technischer Defekt, geplatzter Motor. Es ist nicht das erste Mal, dass nur sein Lotus-Bolide ihn vom Siegen abhalten kann. "Ich weiß, dass ich so gut bin, dass ich keine Fehler mache. Aber ich weiß nicht, was ich tun kann, wenn etwas am Auto bricht."

Erst der Tod, dann der Titel

Trotz der technischen Ausfälle und seines tödlichen Unfalls wird Rindt 1970 Weltmeister. Der Ferrari-Pilot Jacky Ickx kann ihn mit Platz vier und einer Panne in den weiteren Rennen nicht mehr einfangen, Rindts Vorsprung ist zu groß.

"Das Schönste war zu erleben, wie der Weltmeistertitel dann doch noch an Jochen ging"

Ferrari-Pilot Jacky Ickx, Vize-Weltmeister 1970

Die WM-Trophäe ihres Mannes nimmt Nina Rindt zwei Monate nach seinem Unfall in Empfang. Erst der Tod, dann der Titel. Die einzigartige Geschichte des Popstars oder auch "James Dean der Formel 1" bleibt auch 50 Jahre nach seinem Tod in Erinnerung.

STAND
AUTOR/IN