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22 Rennen rund um den Globus, verteilt auf vier Kontinente. Die Formel 1 ist ein Milliardengeschäft. Doch Corona lässt auch die PS-Boliden stillstehen.

Nichts geht mehr! Corona hält die Welt in Schach und die Formel-1-Autos in ihren Garagen. Am 15. März hätte die Saison 2020 losgehen sollen. Start wäre im australischen Melbourne gewesen. In etwas mehr als einer Woche hätte der Formel-1-Tross in Shanghai beim Großen Preis von China bereits sein viertes Saisonrennen ausgetragen. Doch nichts geht mehr.

Milliardenverlust droht

Der schnellsten und bekanntesten Rennserie der Welt droht ein Milliardenverlust. Kleineren privaten Rennställen, wie zum Beispiel Williams, droht gar das Aus. Auch der langjährige Motorsportchef von Mercedes, Norbert Haug, ist in Sorge: "Die Formel 1 ist Wirtschaft, nicht nur Sport. Und klar ist das eine Bedrohung, es wäre schlimm, wenn man das nicht zugeben würde."

Norbert Haug (Foto: Imago, imago)
Norbert Haug Imago imago

Rennställe bieten Hilfe bei Atemgeräten an

Die Rennställe und ihre Mitarbeiter haben Zwangsurlaub bis Ende Mai. So lange darf an den Autos nicht gearbeitet oder entwickelt werden. Stattdessen haben sieben in England beheimatete Rennställe Hilfe bei der Herstellung und Lieferung von Atemgeräten angeboten. Ein von Mercedes-Ingenieuren mitentwickeltes Design für eine Atemhilfe stellt das Weltmeister-Team Herstellern kostenlos zur Verfügung. Das die positive Nachricht! Die Schlechte: Die Fahrer befinden sich derzeit im Homeoffice, halten sich zu Hause fit und gefahren wird nur im Simulator oder an der Playstation.

"Das ist mehr als Brummbrumm und mehr als Pokale."

Norbert Haug, langjähriger Motorsportchef von Mercedes.

Kurzarbeit in den Werken vs. Investment in Motorsport

Bei vielen Motoren- und Autoherstellern stehen derzeit die Bänder still. Die Mitarbeiter in den Werken sind in Kurzarbeit geschickt worden, müssen mit weniger Lohn auskommen, der Staat muss helfen. Gleichzeitig investieren Automobilkonzerne wie Daimler hunderte Millionen in den Motorsport. Passt das zusammen?

Formel 1 ist "mehr als Brummbrumm"

"Man darf nie annehmen, dass die Formel 1 der höhere Blödsinn wäre. Das hat einen Sinn, das ist ein Markeninstrument, das poliert die Marke, schafft Arbeitsplätze, sorgt für Einnahmen und Gewinne. Das ist mehr als Brummbrumm und mehr als Pokale. Wenn ich eine ähnliche Werbekampagne mit ähnlichem Durchschlag kaufen müsste, wären die Kosten dafür ein Hundertfaches", so Haug.

Egal wie die Saison noch endet. Die Motorsportwelt wird verändert aus der Coronakrise hervorgehen. Fakt ist, die Teams müssen ihre Budgets senken. Statt 161 Millionen Euro im Jahr 2021, sollen es nun nur noch 110 Millionen Euro sein.

Zukunft ungewiss

Keiner weiß derzeit, wann oder ob in diesem Jahr noch Rennen ausgetragen werden können. Der ehemalige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ist für eine komplette Absage dieser Saison, sein Nachfolger Chase Carey hofft noch auf 15 bis 18 statt der eigentlichen 22 Rennen. Die Verunsicherung ist mindestens so groß wie die Hoffnung. Um zumindest die Fernseheinnahmen sicherzustellen, will auch die Formel 1 sogenannte Geisterrennen austragen. Man sieht, die Not ist groß.

"Wir haben schon die Geisterbahn, da brauchen wir nicht auch noch Geisterrennen. Der Begriff gefällt mir nicht."

Norbert Haug, langjähriger Motorsportchef von Mercedes.

"Aber Rennen ohne Publikum austragen als Kompromiss, warum nicht! Wenn am Fernsehen allein in Deutschland im Schnitt fünf Millionen zuschauen, dann kann das immer noch Sinn machen. Auch eine Millionen am Fernsehen macht Sinn", sagt Haug.

Weltmeister nach nur acht Rennen?

Die Verantwortlichen der Formel 1 beraten derzeit mindestens wöchentlich per Videokonferenz mit ihren Teams. Noch steht alles in den Sternen. Diverse Konzepte und Vorschläge werden geprüft. Auch eine Verlängerung bis ins Jahr 2021 wäre möglich. Für eine reguläre WM müssen laut Regelwerk mindestens acht Rennen ausgetragen werden.

Die Rechnung ist letztlich einfach. Je mehr Rennen, desto mehr Geld fließt! Bis Mitte Juni sind bereits alle Rennen abgesagt. Der große Preis von Frankreich in Le Castellet am 28. Juni steht noch im Veranstaltungskalender. Doch auch dieser Termin ist für einen Saisonstart der wichtigsten Rennserie der Welt derzeit wohl eher nicht denkbar.

Hier geht's zur Übersicht Wie die Vereine mit der Corona-Pandemie umgehen

Wie gehen unsere Fußballclubs mit der Coronakrise um? Alle Informationen dazu gibt es hier in der Übersicht.  mehr...

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