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Corona hat auch den Motorsport fest im Griff. Besonders hart trifft es die Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS) und die Nürburgring GmbH.

Wer schon mal am Nürburgring war, hat ihn sofort in der Nase: den Duft der Rennstrecke. Benzin, gemischt mit Eifelluft und Reifenduft - das Eau de Parfum der Motorsport-Fans. Dieses Jahr mussten die Fans, aber auch die Teams und Fahrer am Nürburgring ganz schön zurückstecken. Keine Zuschauer rund um die Nordschleife, kein Camping und kein Lagerfeuer beim Jahreshighlight, dem 24-Stunden-Rennen. Doch genau das macht diesen besonderen Ort aus. Ein Ort, an dem dieses Jahr die Formel 1 nach sieben Jahren endlich wieder zu Gast war. Neben der Königsklasse und dem 24-Stunden-Rennen ist die "Grüne Hölle" der Austragungsort der NLS, ehemals Langstreckenmeisterschaft Nürburgring (VLN). Während in Hockenheim die Motoren für das Finale der DTM noch einmal heiß laufen, bleiben für die Teams in der NLS die Motoren kalt.

Wie geht es am Nürburgring weiter?

Am Nürburgring ziehen dunkle Wolken auf. "Wir, als Teil der Eventbranche, haben zurzeit keine Planungssicherheit, weder für den Dezember noch für das Jahr 2021", sagt Alexander Gerhard, Pressesprecher des Nürburgrings, gegenüber SWR Sport. Zwar könne mit den Mediafahrten, Fahrzeugtests sowie den "Fahrten des sogenannten Industriepools" weiterhin ein Teil Normalität stattfinden, "jedoch muss beachtet werden, dass es sich beim Nürburgring nicht um eine reine Freizeitbranche handelt, sondern um einen wichtigen Wirtschaftsfaktor". Durch den Ausfall der letzten drei NLS-Läufe brechen dem Nürburgring Gelder weg.

Nackenschlag für den GT-Sport

Neun Rennen der Langstrecken-Serie waren für die Saison 2020 geplant, nach fünf springt die Ampel auf Rot - die Saison ist frühzeitig beendet. Ein Hygienekonzept lag vor, wurde für die ersten fünf Rennen, plus das 24h-Rennen genehmigt. Die Boxengasse wurde durch Nutzung des Fahrerlagers vergrößert, außerdem galt Maskenpflicht. Ein System, das zu funktionieren schien. Hört man sich bei Teams und Fahrern um, herrscht teilweise Verständnis, aber auch Verwirrung, gerade rund um das Thema Zuschauer. Durften beim 24-Stunden-Rennen Ende September 5.000 Zuschauer an die Grand-Prix-Strecke, waren für das Formel-1-Wochenende zwei Wochen danach 20.000 zugelassen. "Das hört sich erstmal viel an, allerdings wurden bei der Formel 1 die Fans auf 20 Blöcke a 1.000 Zuschauer verteilt", erklärt Michael Kramp, Pressesprecher des Deutschen Motor Sport Bund (DMSB). Erfreulich für alle Fans - ein Nackenschlag für den GT-Sport. Rund um die Grüne Hölle waren über die ganze NLS-Saison sowie das 24-Stunden-Rennen keine Zuschauer gestattet, bei den Touristenfahrten allerdings schon.

Besonders hart trifft es die Nürburgring Langstrecken Serie (NLS). Nach fünf Rennen ist die Saison frühzeitig beendet. Hier fuhren sie noch den fünften lauf der Saison 2020, im Bild der Porsche 911 GT3 R (Team Falken-Motorsport) und der BMW M6 (Rowe Racing). (Foto: picture-alliance / Reportdienste, 135209758)
Besonders hart trifft es die Nürburgring Langstrecken Serie (NLS). Nach fünf Rennen ist die Saison frühzeitig beendet. Hier fuhren sie noch den fünften lauf der Saison 2020, im Bild der Porsche 911 GT3 R (Team Falken-Motorsport) und der BMW M6 (Rowe Racing). 135209758

Trotz Einstufung als Profisport kein Double-Header Finale der NLS

Ende Oktober sorgte dann die kurzfristige Absage des sechsten NLS-Laufs bei Teams und Fahrern für Unmut - die Absage kam drei Tage vor der Anreise. Viele Mechanikerstunden waren schon in die Autos geflossen, um die Autos vorzubereiten, Geld wurde bereits investiert. Die Hoffnung, dass das Finale, ein "Double-Header" mit zwei Rennen an einem Wochenende, doch noch am 7. und 8. November, stattfinden kann, war groß. Die Tatsache, dass die NLS als Profisport eingestuft wurde, machte zunächst Hoffnung.

"Überall da, wo Werksfahrer im Einsatz sind, handelt es sich um Profisport", erklärt DMSB-Sprecher Kramp. Dann kam der "Lockdown Light" und die rote Flagge für das Saisonfinale. Nürburgring-Sprecher Gerhard ergänzt: "Natürlich arbeiten wir als Nürburgring eng mit den Veranstaltern zusammen und werden auch frühzeitig über Entwicklungen informiert. […] Grundsätzlich ist die Rennserie für ihr Hygiene-Konzept und die Durchführung der Rennen verantwortlich. Die Kreisverwaltung Ahrweiler als Genehmigungsbehörde entscheidet, ob eine Durchführung unter den aktuellen Rahmenbedingungen möglich ist."

Die NLS wirft den Ball ebenfalls nach Ahrweiler. Laut Patrik Koziolek, Pressesprecher der NLS, sei der "Double-Header" an der Kreisverwaltung Ahrweiler gescheitert, die "leider keine Freigabe für unsere Veranstaltung gegeben hat". Grund dafür sei die "zu erwartend hohe Personenzahl im Fahrerlager und rund um die Rennstrecke" gewesen, so Koziolek. Die Kreisverwaltung Ahrweiler begründet die Absage mit der "hochdynamischen Entwicklung des Infektionsgeschehens". Das Hygienekonzept sei "nicht verantwortlich für die Absage", so Cora Blechen, Pressesprecherin der Kreisverwaltung Ahrweiler.

Vollkommen still wird es jedoch nicht in der Grünen Hölle. Wer auf Adrenalin, Geschwindigkeit und Benzingeruch nicht verzichten möchte, kann weiterhin Touristenfahrten machen - kontaktlos. "Das Konzept, das seit April durchgeführt wird, hat sich bewährt. Von der Online-Buchung bis zum Auffahren auf die Nordschleife, wo das Ticket dann an der Schranke gescannt wird, läuft alles kontaktlos", so Alexander Gerhard.

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