Michael Schumacher (Foto: Imago, imago)

Motorsport | Formel 1 Persönliche Geburtstagswünsche zum 50. Geburtstag

AUTOR/IN

Von 1993 bis 2011 hat ARD-Reporter Harry Kiner über die Karriere von Michael Schumacher berichtet. 19 Jahre Erinnerungen als Formel-1-Reporter.

Lieber Michael,

ich wünsche dir alles Gute zu deinem runden Geburtstag.

Seit über sieben Jahren haben wir uns nicht mehr gesehen. Als du im Jahr 2012 deine Karriere zum zweiten Mal beendet hast, war ich schon seit einem Jahr nicht mehr Teil der ARD-Formel 1-Reporter-Crew. Auch ich weiß nicht genau, wie es dir heute geht. Sabine, deine Managerin, hält sich verständlicherweise mit Mitteilungen zu deinem Gesundheitszustand zurück. Nur so viel habe ich verstanden: Es geht dir den Umständen entsprechend gut. Aber von einer kompletten Genesung bist du noch weit enfernt. Manchmal habe ich das Bedürfnis, Sabine anzurufen und sie nach dir zu fragen. Ich glaube aber, es wäre sinnlos. So klammere ich mich an ihre öffentlichen Aussagen, dass du gut betreut wirst und alles Erdenkliche für dich getan wird. Gleichzeitig hege ich den Wunsch, dass du weitere gesundheitliche Fortschritte machst. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dich eines Tages wieder bei bester Gesundheit zu treffen, eher gering ist: Ich wünsche dir weiterhin alles Gute auf deinem Weg zurück.

Motorsport | Michael Schumacher Michael Schumacher wird 50.

Am 29. Dezember 2013 stürzt Michael Schumacher beim Skifahren in den französischen Alpen in der Nähe von Méribel mit dem Kopf auf einen Felsen. Trotz Helm und angebrachter Geschwindigkeit erleidet er ein Schädel-Hirn-Trauma und liegt im Koma. Der Helm rettet im wohl das Leben. Im Bild ist Schumacher bei einem Ferrari-Event im italienischen Madonna di Campiglio im Januar 2006 auf Skiern unterwegs. (Foto: Imago, Imago)
Am 29. Dezember 2013 stürzt Michael Schumacher beim Skifahren in den französischen Alpen in der Nähe von Méribel mit dem Kopf auf einen Felsen. Trotz Helm und angebrachter Geschwindigkeit erleidet er ein Schädel-Hirn-Trauma und liegt im Koma. Der Helm rettet ihm wohl das Leben. Im Bild ist Schumacher bei einem Ferrari-Event im italienischen Madonna di Campiglio im Januar 2006 auf Skiern unterwegs. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Schumacher wird in das Uni-Klinikum von Grenoble gebracht und dort mehrfach operiert. Er wird in ein künstliches Koma versetzt, zahlreiche Fans treffen sich vor der Klinik und stehen ihrem Idol bei. Die Ärzte müssen durch die Tiefgarage ins Gebäude, die Eingänge werden von Journalisten belagert. Manche versuchen um jeden Preis an Informationen zu kommen und geben sich als Schumachers Vater oder Priester aus. Imago imago/PanoramiC Bild in Detailansicht öffnen
Im September 2014, über acht Monate nach dem Sturz, kann der Formel 1-Rekordweltmeister in seine Heimat Gland (Schweiz) am Genfer See transportiert werden. Zu seinem aktuellen Gesundheitszustand ist wenig bekannt. Die letzten detaillierten Informationen stammen aus dem September 2014. Schumacher habe "in den vergangenen Wochen und Monaten der Schwere seiner Verletzung entsprechend Fortschritte gemacht, aber es liegt weiterhin ein langer und harter Weg vor ihm", hieß es damals. Imago imago/Jan Huebner Bild in Detailansicht öffnen
1994 wird "Schumi", wie er liebevoll von Millionen Fans genannt wird, zum ersten Mal Formel1-Weltmeister. Mit seinem Team Benetton gelingt ihm dies als erstem deutschen Piloten überhaupt. 1991 bestritt der Kerpener sein erstes Rennen in der Motorsport-Königsklasse. Imago imago/Laci Perenyi Bild in Detailansicht öffnen
Den siebten Weltmeistertitel feiert Schumacher 2004 mit Ferrari, es ist der fünfte Triumph in Folge. Ihm gelangen in 307 Rennen 91 Siege, öfter fuhr kein anderer Formel-1-Pilot als Führender über die Ziellinie. Nach der Saison 2006 beendete Schumacher seine aktive Karriere. Imago imago/Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen
Motorsport blieb auch nach seiner Laufbahn ein wichtiger Bestandteil, er nahm an zahlreichen Motorradrennen teil und war als Berater und Testfahrer für Ferrari tätig. Ein Schumi-Comeback in der Formel 1 scheiterte an den Folgen eines Motorradunfalls. Schumacher sollte für Felipe Massa bei Ferrari einspringen, nachdem dieser nach einem Unfall länger ausfiel. Imago imago/Fishing 4 Bild in Detailansicht öffnen
Tatsächlich feierte Schumacher 2010 sein Comeback in der Formel 1. Allerdings nicht für Ferrari, sondern für den Stuttgarter Autobauer Mercedes in dessen erster Saison nach der Rückkehr. In drei Jahren gelang ihm ein Podestplatz, am 25. November 2012 fuhr Schumacher sein letztes Rennen beim Großen Preis von Brasilien. Imago imago sportfotodienst Bild in Detailansicht öffnen
Mittlerweile sorgt sein Sohn Mick (Bildmitte) für Schlagzeilen in der Motorsportwelt. 2018 gewann er in seiner zweiten Saison die europäische Formel 3, 2019 wird er in der Formel 2 an den Start gehen. Mick gilt wie sein Vater als großes Motorsporttalent, das er möglicherweise bald auch in der Formel 1 zeigen darf. Imago imago/HochZwei/Suer Bild in Detailansicht öffnen

Was bleibt, sind Erinnerungen

Ich erinnere mich gut an unser erstes Treffen 1992 auf dem Hockenheimring. Ich war das erste Mal auf einer Rennstrecke, du fuhrst als junger Formel-1-Pilot für Benetton. Wenige Wochen später holtest du deinen ersten Formel-1-Sieg in Spa. In bester Erinnerung ist mir auch das Rennen 1993 in Donnington geblieben. Die Rennstrecke auf dem ehemaligen Flughafengelände ertrank im englischen Landregen. Du warst in der Qualifikation sensationell Dritter. Deine fahrerischen Fähigkeiten kamen bei Nässe - wie immer - noch mehr zur Geltung. Im Rennen war allerdings früh Schluss für dich. Ich habe danach deinen Manager Willi Weber angesprochen, ob ich ein Interview mit dir bekommen könnte. Weber musste dich überreden. Du warst sauer, deine Antworten fielen entsprechend kurz aus. Du konntest deine schlechte Laune nur schwer verbergen. Ich dachte mir damals nur: was für ein Ehrgeizling!

Aber ohne diesen Ehrgeiz wärst du nie so weit gekommen, wie du gekommen bist. Ohne diesen inneren Antrieb hätte ich wahrscheinlich nie deine sieben Weltmeistertitel miterleben können. Deinen ersten mit Benetton 1994 oder den ersten WM-Triumph mit Ferrari 2000 in Suzuka - samt deiner Tränen in der anschließenden Pressekonferenz. Oder deinen siebten und letzten Titel mit der Scuderia 2004, vorzeitig geholt in Spa Francorchamps. Der Jubel kannte auch hier keine Grenzen. Geblieben sind mir aber auch die etlichen Fußballspiele mit dir. Mit dir zu kicken machte Spaß. Und das, obwohl du auch im Spaß stets ehrgeizig warst und nie verlieren wolltest. Dein Bruder Ralf sagte mal zu mir: "Michael kann nicht mal beim Billard gegen mich verlieren."

Der Tag des Unfalls

Als ich am 29. Dezember 2013 von deinem Skiunfall erfuhr, dachte ich zuerst: "Das wird nicht so schlimm sein. Wahrscheinlich hat er sich - wie beim Rennen 1999 in Silverstone - ein paar Knochen gebrochen. Das wird schon wieder." Ich ahnte damals nicht, wie sehr ich mich irren sollte. Das ganze Ausmaß der Tragödie macht mich auch heute noch betroffen. Der Formel 1-Rekordweltmeister, der durchtrainierte Athlet, der begeisterte Fußballer Michael Schumacher an den Rollstuhl gefesselt! Du bist - mit Unterbrechung - rund 20 Jahre in der Formel 1 Rennen gefahren. Ob mit irrwitzigem Tempo durch die Häuserschluchten von Monaco, Tempo 370 beim Hochgeschwindgiheitsrennen in Monza, blind durch Eau Rouge in Spa Francorchamps oder nur Millimeter entfernt von der Betonwand vor der Start- und Zielgeraden in Montreal. All diese Rennen und Jahre hast du - bis auf den Schienbeinbruch in Silverstone - schadlos überstanden.

Und dann fährst du nach dem Ende deiner Karriere privat Ski, kommst dabei fast ums Leben und verletzt dich schwer. Kein Drehbuchautor dieser Welt hätte sich diese Geschichte ausdenken können. Manchmal kann ich das alles bis heute nicht so recht glauben.

Wahrscheinlich auch deswegen wünsche ich dir zu deinem 50. Geburtstag, dass es dir viel, viel besser geht als die Öffentlichkeit und ich vermuten.

AUTOR/IN
STAND