Stabhochspringerin Katharina Bauer hält vor dem Anlauf ihren Stab in der Hand und konzentriert sich (Foto: IMAGO, Chai v.d. Laage)

Leichtathletik | Stabhochsprung

Katharina Bauer springt mit Defibrillator: "2022 war eine emotionale Achterbahnfahrt"

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AUTOR/IN
Johannes Seemüller

Stabhochsprung ist für Katharina Bauer, 32, eine Herzensangelegenheit. Die deutsche Hallenmeisterin, die mehr als 10 Jahre für den USC Mainz startete, springt mit einem implantierten Defibrillator. Das Jahr 2022 vergleicht sie mit einer "emotionalen Achterbahnfahrt".

SWR Sport: Katharina, Sie haben vor wenigen Tagen auf Ihrem Instagram-Account sehr persönliche Worte über dieses "Umbruch"-Jahr 2022 veröffentlicht. Sie schreiben von einer "emotionalen Achterbahnfahrt". Was ist passiert?

Katharina Bauer: In diesem Jahr sind Dinge geschehen, die für mich nicht normal waren. Als die Saison startete, war eigentlich alles gut, aber auf einmal merkte ich: Mir fehlt das Gefühl für den Sport. Ich bin vor einem Wettkampf plötzlich zusammengebrochen und musste weinen. Meine Mutter, die dabei war, fragte: 'Was ist denn los!?' Es hatte mich eiskalt erwischt, irgendwas stimmte nicht.

Während der Saison habe ich dann versucht, wieder einen Flow zu erzeugen und mich für die großen Wettkämpfe wie die Heim-EM in München zu qualifizieren. Nachdem ich zuvor 20 Jahre für den Stabhochsprung gelebt hatte, taten sich aber plötzlich andere Dinge auf: Beruflich öffneten sich einige Türen, und außerdem habe ich den Partner meines Lebens gefunden. Da verändern sich automatisch die Prioritäten. Ich bin jetzt 32, da ist das normal. Aber ich wollte und konnte das zunächst nicht wahrhaben und akzeptieren. Doch da geschah tatsächlich ein Umbruch, und ich musste mich aus diesem sportlichen Hamsterrad rausnehmen.

Katharina Bauer postet sehr persönlich über "Umbruchjahr" 2022

Sie haben die Saison vorzeitig beendet. Eine Saison, die schon mit einem Rückschlag begonnen hatte...

Bauer: Ja. Im Frühjahr hatte ich einen Wettkampf, der eigentlich gar nicht hätte durchgeführt werden dürfen, weil es erhebliche Windböen gab. Bei einem Versuch habe ich wegen des Windes mit dem Stab nicht den Einstichkasten getroffen, sondern habe in die Matte eingestochen. Der gebogene Stab hat mich ohne Kontrolle wie ein Katapult zurückgeschleudert. Ich bin rückwärts geflogen, aber zum Glück auf dem Vorkissen gelandet und nicht auf dem Betonboden. Die Folge war ein heftiges Schleudertrauma, das immer wieder zu Schwindelattacken führte.

"Ich ziehe den Stecker, damit mein Körper heilen kann"

Trotzdem haben Sie zunächst weiter trainiert?

Bauer: Klar, ich wollte mich durchboxen – wie immer. Ich wollte schließlich zur Heim-EM im August in München. Also habe ich weiter trainiert und Wettkämpfe bestritten, obwohl mich der Sturz mental verunsichert hatte. Ich hatte auch mit Panikattacken zu kämpfen. Aber ich habe mir, wie sonst auch immer, gesagt: Du stellst dich den Herausforderungen und deinen Ängsten, du läufst nicht weg. Aber obwohl ich mit meiner Mentaltrainerin, einer Osteopathin und Physiotherapeuten ein gutes Team habe, merkte ich, dass ich aus diesem Strudel nicht mehr rauskomme. Also habe ich entschieden: Ich ziehe jetzt den Stecker, damit der Körper wieder heilen kann.

"Es ist wichtig, auf die Signale des Körpers zu hören. Auch wenn ich als Sportlerin immer wieder über meine Grenzen hinausgehe, gehört es zur Achtsamkeit dazu, zu erkennen, wenn die Signale zu laut werden. Dann muss man sich rausnehmen."

Katharina Bauer bei einem Versuch im Stabhochsprung (Foto: IMAGO, Beautiful Sports)
Katharina Bauer bei DM Halle in Leipzig 2022 Beautiful Sports

Wie schwer ist Ihnen dieser Schritt gefallen?

Bauer: Ziemlich schwer. Ich hatte immer das Gefühl, ich gebe auf oder ich bin schwach. Dabei hat es nichts mit Schwäche zu tun, wenn ich auf meinen Körper höre. Ich gebe auch nicht auf, sondern ich ziehe die richtigen Schlüsse. Ich glaube, ich habe mich in vielen Jahren genug bewiesen. Ich habe mich vielen schweren Situationen gestellt, aber es reichte jetzt. Wenn ich meine Karriere noch gut zu Ende bringen möchte, brauche ich einen gewissen Abstand. Die Tage bis zur Entscheidung waren die Hölle. Aber als ich dann den Entschluss gefasst hatte, ist alles von mir abgefallen. Der Körper hat gleich mit Schmerzen reagiert, vier Tage lang fühlte sich alles etwas komisch an. Aber dann hat sich alles gelöst.

Wie ging es Ihnen mit der Entscheidung, sich rauszunehmen?

Bauer: Ich merkte, wie gut es mir tat und wie mein Kopf frei wurde. Ich wachte jeden Tag glücklich auf. Das war die beste Entscheidung, die ich für mich und meinen Körper treffen konnte. Ich konnte auch diesen Sturz endlich verarbeiten. Mein Körper ist jetzt wieder gesund.

Sie wollen also wieder voll angreifen?

Bauer: Zunächst mal erlebte ich einen inneren Konflikt: Will ich tatsächlich so weitermachen wie früher? Ich war mir nicht mehr sicher, was ich wollte. Ich habe auch zum ersten Mal überlegt, mit dem Leistungssport aufzuhören. Ich habe dann aber innerlich losgelassen und gedacht: entweder kommen das Gefühl und dieser Flow wieder - oder nicht. Wenn nicht, dann geht das Leben auch weiter. Und, tatsächlich, eines Tages kam dieses Gefühl wieder.

Nach diesem inneren Prozess, den Sie durchgemacht haben - fühlt es sich jetzt genauso an wie früher?

Bauer: Ich glaube, es wird nie wieder so sein wie früher. Ich weiß ganz genau, dass ich nicht mehr fünf Jahre Leistungssport vor mir habe, sondern vielleicht noch ein oder zwei Jahre. Das ist auch okay so. Ich möchte jetzt ganz bewusst mit dem Gedanken reingehen: Nimm jeden Wettkampf, als sei es dein letzter. Das ist meine Motivation, die mich hoffentlich befähigt, noch einmal gute Leistungen abzurufen. Dann kann ich zufrieden sagen: Ich habe alles erreicht und trete stolz von der Bühne des Leistungssports ab.

Aber gerade in dieser Phase hat Ihr langjähriger Verein TSV Bayer 04 Leverkusen Ihren Vertrag gekündigt. Mit welcher Begründung?

Bauer: Sie haben meinen Jahresvertrag aus sportlichen Gründen gekündigt. In diesem Jahr war keine Leistungsentwicklung bei mir zu erkennen. Also bekomme ich ab sofort kein Geld mehr vom Verein und muss meinen Sport selbst finanzieren. Gott sei Dank habe ich externe Sponsoren, die mich unterstützen. Ohne sie hätte ich meine Karriere sofort beenden müssen. So aber kann ich weiter unter Leszek Klima trainieren.

Achtsame Eltern

Dieses Auf-sich-Achten, seinen Körper und seine Gefühle wahrnehmen – das wird im besten Fall schon im Kindesalter gelernt bzw. geschult. Hatten Sie diesbezüglich Vorbilder in der Familie oder im Umfeld?

Bauer: Meine Eltern haben mir immer sehr viel Liebe geschenkt und gesagt, dass ich alles schaffen kann. Als ich sieben war, wurden bei einer sportmedizinischen Routineuntersuchung Extra-Herzschläge bei mir festgestellt. Mein Herz machte am Tag 5000 – 6000 Schläge mehr als das Herz eines gesunden Menschen. Meine Eltern haben deshalb immer sehr auf meine Gesundheit geachtet. Ich habe früh als Leistungsturnerin angefangen. Im Training wurde nicht darauf geachtet, ob jemand müde ist oder ob es zu viel ist. Meine Mutter hat mich immer rausgezogen, auch wenn der Trainer sagte, ich müsse noch mehr trainieren. Da hat sie sich vor mich gestellt und allen klar gemacht: Katharina ist leistungsfähiger, wenn sie mal einen Tag Pause macht.

Sie haben durch Ihre Herzerkrankung also früh gelernt, auf Ihren Körper zu hören?

Bauer: Ja, zwangsläufig. Als Kind vielleicht noch nicht ganz so stark. Da bin ich noch sehr unbeschwert, auch mit 38 oder 39 Grad Fieber, durch den Garten gerannt. Aber trotzdem habe ich gemerkt, dass die anderen Kinder mehr Power hatten und nicht so viel Regeneration wie ich brauchten.

Wie fühlte sich das für Sie an?

Bauer: Blöd, weil ich als schwach abgestempelt wurde. Damals haben wir zwar jeden über meine Herzgeschichte informiert, aber ich bin mir nicht sicher, ob das auch jeder ernst genommen hat. Erst als es 2017 zur Herz-OP kam und ich 2018 einen Defibrillator eingesetzt bekam, haben es alle realisiert. Trotzdem habe ich den Sprung in die Weltspitze geschafft. Ich wusste, dass mein Körper anders funktioniert. Ich habe mit mir und meinen Vertrauensleuten so gearbeitet, dass ich meine Topform erreichen kann – auch wenn ich eine längere Regeneration brauchte.

Die Zahl der Extra-Herzschläge nahm zu, je älter Sie wurden. Mit 18, kurz vor dem Abitur, hatten Sie einen enormen Druck in der Brust, verbunden mit Schwindelgefühlen. Sie dachten, Sie müssten in Ohnmacht fallen. Wie sind Sie mit solchen Attacken umgegangen?

Bauer: Interessanterweise bin ich niemals in Panik verfallen. Obwohl genau dieses Druckgefühl zu Kammerflimmern und zum plötzlichen Herztod führen kann. Jede andere hätte vielleicht gedacht: "Oh Gott, mein Herz. Hoffentlich passiert mir nichts." Aber ich war plötzlich ganz ruhig. Ich war irgendwie verbunden mit meinem Herzen und habe es herausgeatmet. Ich wusste, es geht vorbei. Das war alles intuitiv, ich habe das nirgends gelernt. So bin ich aus vielen brenzligen Situation heil herausgekommen.

"Ich treffe die Entscheidung, wie ich mich fühle"

Wie haben Sie reagiert, wenn Ihr Herz beim Training zu poltern begann?

Bauer: Wenn ich zu einem Sprung anlaufen wollte und sich mein Herz meldete, habe ich meinem Trainer gesagt: "Moment mal". Ich habe diese Episode ausgehalten und dann ganz normal weitergemacht. Ich wollte es auch nicht überbewerten. Ich habe immer versucht, mich gesund zu fühlen – egal, was mir jemand gesagt hat. So habe ich meinem Körper signalisiert: Ich bin gesund und programmiere mich nicht auf Krankheit. Ich treffe die Entscheidung, wie ich mich fühle.

Sie hatten in Ihrer Kindheit Herzprobleme, eine schwere Herz-Operation, Sie leben mit einem Defibrillator, Sie wurden lange Zeit von Bandscheibenproblemen geplagt und hatten teilweise mit Panikattacken zu kämpfen. Empfinden Sie Ihren Körper manchmal als Gegner?

Bauer: Nein, nie. Ich hatte zu meinem Körper immer ein positives Gefühl. Ich wusste, er ist eine Signallampe. Wenn mein Herz zu sehr gepumpt hat, habe ich überlegt: Was ist los? Was stresst dich zu sehr? Ich habe es also positiv angenommen. Natürlich wünscht man sich bei extremen Schmerzen, dass sie bald aufhören. Aber immer, wenn ich im tiefsten Loch drin war, kam irgendwoher Hilfe oder ein Mut machender Anruf. Also habe ich weiter gemacht.

Stabhochspringerin Katharina Bauer zieht ihr Trainingsshirt seitlich etwas herunter und zeigt Narbe nach Defibrillator-OP (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Marius Becker/dpa)
Katharina Bauer zeigt ihre Operationsnarbe (Defibrillator) Marius Becker/dpa

2018 wurde Ihnen ein Defibrillator eingesetzt. Dieser überwacht kontinuierlich den Herzrhythmus und gibt im Notfall automatisch einen lebensrettenden Schock ab. Ist dieser Fremdkörper unter Ihrer Haut eher ein Feind oder ein Freund?

Bauer: Er ist ein Freund, ein Lebensgefährte. Ich habe ihn direkt in meinen Körper integriert. Ich wusste, wenn ich den Defi reinbekomme, dann gilt: ganz oder gar nicht. Ich wollte gesund sein und habe die Situation so akzeptiert, wie sie war. Ich habe dem Defibrillator einen weiblichen Namen gegeben: "Anahata" kommt aus dem Sanskrit und bedeutet Herzchakra. Ich habe zu Anahata schnell eine Liebe empfunden und bin mir sicher, dass dadurch auch die Heilung so gut verlaufen ist. Exakt sechs Wochen nach der Operation habe ich meinen ersten Sprung über 4,20 Meter gemacht. Allen, auch den Ärzten, schien das unmöglich.

Wie schaffen Sie es, bei diesen vielen Beeinträchtigungen und Herausforderungen mental stabil zu bleiben?

Bauer: Um ehrlich zu sein, bin ich davon etwas müde. Ich beschreibe das gern als Kämpferbatterie. Ich kämpfe seit Ende 2015 unentwegt, und ich habe vier Comebacks in meiner Karriere gehabt. Irgendwann ist man müde. Früher habe ich nach einer Saison immer nur zwei bis drei Wochen Urlaub gemacht. Dieses Mal entschied ich mich anders: Ich zog mich vier bis fünf Wochen aus dem Verkehr. Alles durfte heilen, Körper und Geist. Ich durfte mal alles verarbeiten und zur Ruhe kommen. Das fühlte sich wie eine große Befreiung an.

Stabhochspringerin Katharina Bauer überquert die Latte (Foto: IMAGO, Beautiful Sports)
Platz 14 bei der Hallen-EM in Glasgow (2019) Beautiful Sports

Sie beschäftigen sich seit Ihrem Wechsel 2013 vom USC Mainz zum TSV Bayer 04 Leverkusen mit Yoga. Wie kam es dazu?

Bauer: Ich war bei einem Yoga-Kurs für Sportler, der von einer Yogalehrerin, einer ehemaligen Hochspringerin, angeleitet wurde. Danach hatte ich viele Fragen, die sie mir alle beantworten konnte. So begann eine intensive Zusammenarbeit mit ihr. Sie hat mir durch jede Verletzung hindurch geholfen. Mittlerweile ist sie nicht nur meine Yoga-Lehrerin, sondern gehört auch zu meinen Herzensmenschen.

Machen Sie auch Yoga-Übungen vor dem oder im Wettkampf?

Bauer: Ja, sehr gerne. Durch die Übungen komme ich in eine gewisse Spannung rein. Die Abfolgen aktivieren meinen Körper, ich bekomme das richtige Mindset. Die Atmung wird dabei auch integriert. Es hilft mir, immer wieder runter- oder hochzufahren. Die richtige Balance zwischen Spannung und Entspannung ist wichtig. Denn ein Stabhochsprung-Wettbewerb dauert manchmal vier Stunden, zwischen einzelnen Sprüngen kann eine Stunde liegen.

Hat Yoga Ihnen geholfen, Schmerzen zu reduzieren?

Bauer: Auf jeden Fall. Beim Yoga werden die Faszien gedehnt. Bei meinem Bandscheibenvorfall war es sehr wichtig, in die Faszientherapie zu gehen, also mit Yoga, Stretching, manueller oder mit Physiotherapie zu arbeiten. Ohne das Ganze wäre es noch länger die Hölle geblieben.

"Ich meditiere täglich. Morgens direkt nach dem Aufstehen zehn Minuten, bevor ich das Handy anmache. Ich stehe auf und atme, spüre in mich hinein, stelle mir den Tag vor und bringe Dankbarkeit und Ruhe in meine Gedanken."

Was macht das Meditieren mit Ihnen?

Bauer: Wenn du das über einen längeren Zeitraum machst, wirst du dich wundern, was mit deinem Leben passiert. Es wird alles ruhiger und entspannter. Du hast deutlich mehr Energie für deine täglichen Aktivitäten und es passieren unglaubliche Dinge. Nach dem Training lege ich mich dann noch mal 45 Minuten auf eine Akkupressur-Matte und meditiere dabei ebenfalls.

Katharina Bauer meditiert regelmäßig und macht Yoga

Angst vor den Schattenseiten

Warum haben immer noch viele Menschen eine Scheu, sich mit den Themen Yoga und Meditation zu beschäftigen?

Bauer: Ich denke, die meisten Menschen haben Angst vor ihren eigenen Schattenseiten, die sie nicht ansehen wollen. Aber angesichts dessen, was momentan in der Gesellschaft passiert, glaube ich, dass du diese Schattenseiten nicht mehr wegdrängen kannst. Sie übermannen dich, damit du ins Bewusstsein und in die Heilung kommst. Das siehst du an jeder Ecke. Hier und dort gibt es einen Zusammenbruch.

In den nächsten Jahren werden sich viel mehr Menschen mit Spiritualität befassen, weil es hier um Seelenheilung geht. Das habe ich damals mit meiner Herzgeschichte auch praktiziert. Die Seele schreit und zeigt es dem Körper, und wir nehmen dies als Schmerz wahr. Ich kann meinem Körper noch so viel Gutes tun; aber wenn ich mich gegenüber einem emotionalen Thema verschließe, wird sich auch die Blockade im Körper nicht lösen. Da wird sich in den nächsten Jahren sehr viel zum Positiven tun.

Der Körper ist für Leistungssportlerinnen ihr großes Kapital. Trotzdem gehen sie immer wieder über ihre Grenzen. Sie trainieren und performen, obwohl sie angeschlagen oder verletzt sind. Warum sind viele Leistungssportler oft so wenig achtsam?

Bauer: Ich denke, es ist ein schwieriger Balanceakt. Du wirst niemals Bestleistung springen, wenn du in deiner Komfortzone bleibst. Auf der anderen Seite musst du schauen: Was ist zu viel aus der Komfortzone raus? Ich bin selbst viele Jahre in diesem Karussell drin gewesen. Ich hatte aber immer wieder das Glück, durch meine Verletzungen aus meiner Bubble rausgehen zu können und mich mit anderen Themen zu beschäftigen. Sonst bekommst du in deiner Sportblase keinen Weitblick. Einerseits achtest du auf deinen Körper, andererseits zerstörst du ihn. Das macht eigentlich keinen Sinn. Aber so funktioniert unsere Leistungsgesellschaft. Das ist wie im Büro, wo auch nicht darauf geachtet wird, ob du ein Burnout bekommst oder nicht. Denn die Zahlen müssen auf dem Tisch sein.

Ich hoffe, dass sich das in eine gute Richtung entwickelt. Diese Leistungskonstrukte sind ja wunderschön, aber irgendwie passen sie nicht mehr zu meiner Lebenshaltung. Ich empfinde da einen gehörigen Konflikt.

Glauben Sie, dass diejenige, die mit sich selbst achtsam umgeht, auch automatisch achtsamer gegenüber seinen Mitmenschen, der Natur und den Ressourcen ist?

Auf jeden Fall. Das hat auch nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit Selbstliebe. Je mehr du an dir arbeitest und je liebevoller du mit dir umgehst, umso mehr strahlst du das auf alle Mitmenschen aus. Das ist ein Dominoeffekt. Wer empfänglich dafür ist, wird sich ebenfalls seine eigenen Themen anschauen und diese Lichtspirale weitertragen. Die Reise fängt aber bei uns selbst an. Es ist ganz wichtig, bei sich zu bleiben. Nur wenn ich mich selbst liebe, kann ich auch meine Mitmenschen lieben.

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