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Für Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul aus Mainz ist die Saison beendet, bevor sie überhaupt begonnen hat. Nach seiner Ellenbogen-OP soll der Fokus auf dem Olympia-Showdown in Tokio liegen.

Am Tag nach seiner Operation konnte Niklas Kaul schon wieder lächeln. Mit dick eingepacktem Arm blickte der jüngste Zehnkampf-Weltmeister der Geschichte voller Zuversicht aufs kommende Jahr und gab aus dem Krankenbett den Startschuss für seine Olympia-Mission in Tokio. Die Ellenbogen-Verletzung, die seit drei Jahren in "unregelmäßigen Abständen" für Ärger gesorgt hatte, sei "kein Dauerzustand und es ist suboptimal, wenn das drei Wochen vor den Olympischen Spielen passiert", so Kaul

2020 ❌ 🔜2021 Heute muss ich meine Saison 2020 beenden, bevor sie überhaupt angefangen hat. Nachdem ich im Mai beim Speerwerfen erneut Probleme hatte, hat sich herausgestellt, dass ich seit 2017 eine Verletzung am Ellenbogen habe, die mich seitdem an einem kontinuierlichen Wurftraining gehindert hat. Um die Stabilität des Ellenbogens wieder herzustellen, habe ich mich für eine Operation entschieden. Deswegen wurde ich gestern an meinem Wurfarm operiert. Mir geht es soweit gut, die OP ist ohne irgendwelche Zwischenfälle verlaufen und ab morgen geht es an die Reha bzw. meine #roadtotokyo2021 #comebackstronger 📸 @niklasniessner / Heiko Hecht

Deshalb nutzte Deutschlands "Sportler des Jahres" die Coronapause, ließ sich vorsorglich operieren und beendete damit seine Saison, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte.

König der Athleten

Dabei war von einer Verletzung an seinem Wurfarm im Oktober 2019 nichts zu erkennen, als er den Speer bei seiner Krönung zum König der Athleten so weit wie kein Zehnkämpfer zuvor geworfen hatte. Scheinbar mühelos beförderte sich der 22-Jährige mit dem Versuch auf 79,05 Meter in die Geschichtsbücher und legte damit den Grundstein für seinen überraschenden WM-Titel.

Angriff auf Gold in Tokio

Neun Monate nach dem Triumph in Doha offenbarten sich allerdings die langwierigen Probleme. Zunächst muss Kaul nun in der Reha schuften und sich nach zweiwöchiger Sportpause in den Trainingsalltag zurückkämpfen, aber er freue sich auf die Zeit, versicherte Kaul. Denn die OP markiert für ihn zugleich den Startpunkt zum Angriff auf Gold in Tokio.

Showdown mit Weltrekordler Kevin Mayer

"Für Niklas hat somit Tag eins der Olympiavorbereitung begonnen", sagte Mehrkampf-Bundestrainer Frank Müller. Klar ist, dass der Weg zum Olympiasieg noch steiniger wird als der zum WM-Titel. In Doha glänzte Kaul, er profitierte allerdings auch von der Verletzung von Weltrekordler Kevin Mayer, der in Führung liegend aufgab. Im kommenden Jahr läuft es wohl auf einen Showdown mit dem französischen Dominator hinaus.

In der Vorbereitung auf das Duell muss Kaul nun erneut umdenken, nachdem die Corona-Pandemie seine Jahresplanung ohnehin über den Haufen geworfen hatte. Eigentlich wollte Kaul bei der Mehrkampf-DM in Vaterstetten im August in die Saison starten, eigentlich wollte er sich im Jahr vor dem vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere in Stellung bringen. Dass bislang alles anders kam, sei aber "kein Problem, ich werde mich top vorbereiten", sagte Kaul, der die Situation als Verschnaufpause sieht.

Die Verschiebung der Olympischen Spiele könnte dem frisch operierten Kaul womöglich sogar zugute kommen. Die Frage ist: Wird der Newcomer ohne die hartnäckigen Probleme noch besser? Kaul jedenfalls träumt bereits von weiteren Rekorden - und richtet angesichts seiner Ausnahmefähigkeiten im Speerwurf indirekt eine Kampfansage an die Zehnkampf-Konkurrenz: "Ich kann mir vorstellen, dass 79,05 Meter am Ende meiner Karriere nicht als Bestleistung dastehen."

Mein Sportmoment 2019 Als sich Niklas Kaul zum "König der Athleten" krönte

Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha wird der Mainzer Niklas Kaul als zweiter Deutscher nach Torsten Voss 1987 Weltmeister im Zehnkampf. Dabei schreibt der 21-Jährige WM-Geschichte - als jüngster "König der Athleten" aller Zeiten.  mehr...

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