Erfolgreiche deutsche Zehnkämpfer bei der WM 2019 in Doha (Foto: Imago, Imago/Aflosport)

Leichtathletik | Zehnkampf

Mehrkämpfer wollen sich in Ratingen das Olympia-Ticket sichern

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Selbst Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul hat sich noch nicht hundertprozentig sicher für Tokio qualifiziert. Mit Kai Kazmirek und Carolin Schäfer kämpfen noch weitere Athleten und Athletinnen aus dem Südwesten in Ratingen um ihre Olympiateilnahme.

Niklas Kaul behält die Konkurrenz im Blick

"Da wäre ich doch besser im Bett geblieben", so hatte Niklas Kaul seinen Zehnkampf von Götzis Ende Mai beschrieben, bei dem er auf 8263 Punkte kam. Auch am Weltmeister ging die Corona-Pandemie nicht ganz spurlos vorbei. Er hatte das Jahr 2020 genutzt, um sich am Ellenbogen operieren zu lassen. Die Wettkampfpraxis fehlt dem Mainzer noch. Zwar hat er die Qualifikationskriterien für die Olympischen Spiele erfüllt, aber es ist in Deutschland nicht ganz ausgeschlossen, dass mehr als drei Zehnkämpfer die Norm von 8350 Punkten übertreffen, dann stünde plötzlich ein Fragezeichen hinter Kaul, der auch als Weltmeister keinen Bonus hat. Deshalb wird er in Ratingen zumindest den ersten Tag des Zehnkampfes bestreiten. Das eröffnet ihm die Option zu reagieren, wenn erkennbar drei Konkurrenten auf Quali-Kurs wären. Wenn nicht, dann war es eben nur ein Formtest für Kaul, der dann am zweiten Tag wohl nicht mehr antreten wird.

Kai Kazmirek will auf Nummer sicher gehen

Ähnlich ist die Situation bei Kai Kazmirek. Der WM-Dritte von 2017 blieb in Götzis mit 8190 Punkten ebenfalls unter der geforderten Norm, hat aber mit seiner Leistung aus 2019 formal ebenfalls die Olympia-Quali geschafft. In Götzis Ende Mai fühlte der Athlet aus Neuwied allerdings noch Nachwirkungen seiner Coronaimpfung. Jetzt möchte er seine Olympiaform erneut unter Beweis stellen und seine Saisonbestleistung deutlich steigern. Natürlich will auch er sicherstellen, nicht plötzlich auf Rang vier im innerdeutschen Ranking zurückzufallen und damit seinen Olympiaanspruch zu verlieren. "In meinem Fall dürfen nicht mehr als zwei Konkurrenten die Norm von 8350 Punkten übertreffen, also neben Niklas Kaul noch einer", rechnet Kazmirek vor. Deshalb wäre die ganz sichere Nummer, in Ratingen selbst noch eine Schippe draufzulegen.

Brugger und Nowak mit Außenseiterchancen

Hoffnungen auf ein Olympiaticket dürfen sich aber neben den beiden Rheinland-Pfälzern Kaul und Kazmirek noch zwei weitere Athleten aus Baden-Württemberg machen. Mathias Brugger und Tim Nowak, beide vom vom SSV Ulm. Sie müssen in Ratingen entweder die geforderten 8350 Punkte erreichen oder sich über das vor zwei Jahren neu eingeführte "World Ranking" qualifizieren. Das funktioniert ähnlich wie die Weltrangliste im Tennis. Sollten weltweit weniger als 24 Zehnkämpfer die geforderte Quali-Punktzahl erreichen, dann wird nach der Platzierung im "World Ranking" aufgefüllt. Klingt kompliziert und das ist es auch. "Über das Ranking mache ich mir gar keine Gedanken, ich greife einfach die 8350 Punkte an - fertig“, sagt Mathias Brugger, dessen größter Erfolg bisher die Bronzemedaille bei der Hallen-WM 2016 war. Anders die Situation bei Tim Nowak. Er hat aus 2020 und 2021 noch kein Ergebnis, aber mit seinem zehnten Platz bei der WM 2019 in Doha, hat er viele Punkte im Ranking gesammelt, die bis heute auf seinem Konto stehen und ihm vielleicht die Tür nach Tokio öffnen könnten.

Siebenkämpferin Carolin Schäfer hofft auf Comeback

Auch im Siebenkampf der Frauen muss eine prominente Athletin noch um ihre Olympiachance bangen. Carolin Schäfer, die Trainingspartnerin in der Gruppe von Niklas Kaul, hat in dieser Saison noch gar kein Ergebnis stehen. Die WM-Zweite von 2017 hatte ungewöhnlich starke und anhaltende Nebenwirkungen von der Corona-Impfung. Wegen Formschwäche verzichtete sie auf einen Start in Götzis. Jetzt muss sie in Ratingen zumindest einen Leistungsnachweis von 6250 Punkten liefern. Bundestrainer Wolfgang Thiele ist sich sicher, dass Schäfer dazu in der Lage ist: "Ich bin überzeugt, dass sie bei den Spielen dabei sein wird. Ihr geht es von Tag zu Tag besser. Wir brauchen sie und wollen sie in Topform mitnehmen."

Das Mehrkampf-Meeting von Ratingen wird also zwei spannende Tage erleben, an denen Olympiaträume wahr werden – oder auch begraben werden müssen.

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