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Das traditionelle Zehnkampfmeeting in Götzis war für Niklas Kaul der erste komplette Mehrkampf seit seinem WM-Sieg im Oktober 2019 in Doha. Dazwischen liegen viele Corona-Monate, die an dem Mainzer nicht spurlos vorbeigegangen sind, wie sich am Wochenende gezeigt hat. Denn mit Platz fünf und 8263 Punkten blieb er hinter seinen Erwartungen zurück.

Niklas Kaul wusste schon nach 11,37 Sekunden, dass der Zehnkampf in Götzis eine zähe Angelegenheit werden könnte. Seine Zeit über 100m, der ersten Disziplin am ersten Tag, war schon ein kleiner Dämpfer. Ein, zwei Zehntel schneller hätte es ruhig sein dürfen. "Bis letzte Woche lief es eigentlich ganz gut. Aber dann fing es am Samstag schon über 100 Meter an, da war alles verkrampft und ich bin dann einfach nicht in den Flow gekommen", so die Analyse des Weltmeisters.

Aufholjagd blieb aus

Der erste Tag ist ja ohnehin nicht Kauls Stärke. Seine Paradedisziplinen kommen am zweiten Tag. So war das Zwischenergebnis nach fünf Disziplinen mit 4126 Punkten und Platz 11 eigentlich noch im Soll. Die Parallelen zu seinem WM-Sieg ließen sich noch ziehen, auch da war er Elfter nach der Hälfte, nur ein paar Punkte mehr auf dem Konto. Doch diesmal sollte die große Aufholjagd ausbleiben.

Zweiter Tag zum Vergessen

Nach dem Hürdenlauf fällt er zurück auf Platz 13. Im Diskuswurf fehlen ebenfalls vier bis fünf Meter. Die mangelnde Wettkampfpraxis und damit die fehlenden technischen Feinheiten machen sich doch bemerkbar. So geht es auch im Stabhochsprung weiter, wo Kaul als potentieller Fünf-Meter-Springer nur über 4,70m kommt. Platz 17 nach sieben Disziplinen. Dann der Speerwurf, die Disziplin, in der er die Konkurrenz regelmäßig schockt. Mit 71,49 Meter ist er zwar auch diesmal mit Abstand der Beste, aber es sind eben auch rund acht Meter weniger als in Doha. Immerhin, sein operierter Ellenbogen hat gehalten. Er verbessert sich auf Platz sechs und im abschließenden 1500m-Lauf nochmals um einen Rang. Insgesamt fällt das Fazit von Niklas Kaul aber ernüchternd aus:"Zu diesem zweiten Tag kann man eigentlich nur sagen: Wäre ich doch besser nur im Bett geblieben."

Qualifikation für Tokio noch nicht hunderprozentig sicher

Die Olympianorm von 8.350 Punkten hat Niklas Kaul damit verpasst. Mit seinem WM-Sieg und den 8.263 Punkten von Götzis hat er die Voraussetzungen prinzipiell für eine Olympiateilnahme dennoch erfüllt. Er wird in Tokio dabei sein, es sei denn, es wären noch drei deutsche Zehnkämpfer in diesem Jahr besser als die Olympianorm, was recht unwahrscheinlich ist.

Um ganz sicher zu gehen, müsste er in Ratingen in drei Wochen zu einem weiteren Zehnkampf antreten. Den Wettkampf in Götzis will Kaul schnell abhaken. "Die Form ist ja prinzipiell da, die hatte nur in den zwei Tagen keine Lust, sich zu zeigen. Jetzt lege ich erstmal ein paar Tage die Beine hoch und analysiere das Wochenende. Und dann bereite ich mich vor auf Olympia", so der Plan von Niklas Kaul.

Leistungssteigerung bei Meisterschaften

Gelassenheit herrscht auch im Trainerstab. Vater Michael Kaul kennt seinen Sohn und erinnert daran, dass auch im Jahr seines WM-Sieges der Wettkampf in Götzis zum Saisoneinstieg noch nicht das Maß der Dinge war. "Es klingt vielleicht komisch, aber Niklas funktioniert einfach am besten bei Meisterschaften, in Götzis lief es schon öfter mal nicht so optimal", verrät Michael Kaul. Das stimmt hoffnungsvoll für die Olympischen Spiele und Niklas Kaul weiß genau, was er in den verbleibenden Wochen noch zu tun hat, damit es in Tokio besser läuft als in Götzis.

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