STAND
AUTOR/IN

Für die Leichtathletik-Abteilungen im Südwesten ist es seit kurzem wieder möglich, das geregelte Training aufzunehmen. Doch die Folgen des monatelangen Trainings-Lockdowns sind für den Nachwuchsbereich kaum aufzuholen.

Rheinland: Keine Neuzugänge

Der Geschäftsführer des Leichtathletik-Verband Rheinland (LVR), Achim Bersch, bedauert, dass es bei den jüngsten Athleten keine Neuzugänge mehr gibt. Ohne Trainingsangebote sei dies nicht überraschend. Umso wichtiger erachtet Bersch die Bindung zwischen Athlet und Trainer. "Ich nehme da jeden Übungsleiter in die Verantwortung", so Bersch mit seinem Appell, "den Kontakt zu den Jugendlichen zu halten". Von der Politik wünscht er sich, auch bei steigenden Inzidenzen, die 10er-Gruppenregelung beizubehalten.

Rheinhessen: Mainz mit "blauem Auge" davon gekommen

Nach mehreren Monaten Pause dürfen die Leichtathleten des TSV Schott Mainz das heimische Stadiongelände wieder betreten. Mit Einlasskontrolle, Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln und einem erleichterten Lächeln auf dem Gesicht. Denn in den meisten Leichtathletik-Disziplinen (Sprint, Sprung und Wurf) ist es für die Athleten ohne Vereinstraining und Stadionzugang kaum möglich gewesen, spezifisch zu trainieren.

Der stellvertretende TSV-Abteilungsleiter Carlos Verez ist glücklich, seine Athleten wieder gemeinsam in Aktion zu sehen: "Wir haben mit Online-Training und Einzelcoachings glücklicherweise keine Athleten verloren. Aber irgendwann hatten die Kids auch mal die Nase voll davon, vor dem Bildschirm zu trainieren." Ein Hauptproblem sieht Verez in der sportlichen Entwicklung der jüngeren Athleten.

"Das spezifische Training in der Entwicklungsphase der Jugendlichen fehlt über einen langen Zeitraum. Das lässt sich nicht mehr aufholen."

Carlos Verez - stellv. Abteilungsleiter Leichtathletik TSV Schott Mainz

Württemberg & Baden: Ohne Wettkämpfe fehlt die Motivation

Der Präsident des Württembergischen Leichtathletik-Verband (WLV), Jürgen Scholz, sieht die aktuellen Verordnungen optimistisch, da man mit 10er-Gruppen die Chance habe, die Breite wieder zur Leichtathletik zu motivieren. Bei einer stabilen Inzidenz unter 50 sind 10er Gruppen erlaubt. Besonders die technischen Disziplinen hätten unter dem Lockdown gelitten. Ohne spezielles Techniktraining, das nur im Stadion möglich ist und ohne Wettkampfangebote sei es besonders für den Nachwuchs schwierig, sich zu motivieren.

LG Filstal: Der Nachwuchs bricht weg

Roland Mäußnest, Abteilungsleiter der LG Filstal, beklagt vor allem bei den 14-18-Jährigen einen Mitgliederschwund von 30 Prozent. Daraus entstehe ein gefährlicher Dominoeffekt, denn die Gruppendynamik sei ein entscheidender Motivationsfaktor: "Viele Athleten kommen vor allem wegen der Freunde und Trainingspartner und nicht aufgrund der hohen Eigenmotivation." Darüber hinaus sichte man den Nachwuchs über den Schulsport, der trotz Lockerungen noch nicht stattfinden könne. Für die kommenden Jahre befürchtet Mäußnest erhebliche Einschnitte.

"Uns brechen durch die lange Pause die Nachwuchsathleten zwischen 14 und 18 Jahren weg. Diese Lücke werden wir noch viele Monate nicht schließen können."

Roland Mäußnest - Abteilungsleiter Leichtathletik LG Filstal

Freiluft-Sportart: Eine Chance für die Leichtathletik

Die Leichtathletik bietet mit ihren verschiedenen Disziplinen und einem Freiluft-Stadion optimale Bedingungen für ein vielseitiges Training mit Hygienevorschriften. Denn die Corona-Verordnung sieht vor, dass ein Training auch bei Inzidenzen über 50 möglich ist. Hier gilt: Training in Fünfer-Gruppen mit maximal zwei Haushalten oder bei unter 14-Jährigen in 20er-Gruppen sind möglich. Es müssen jedoch immer die Abstandsregeln von mindestens 1,5m eingehalten werden. Auf einer Leichtathletik-Anlage wäre damit ein vernünftiges Training für Werfer, Springer, Sprinter und Läufer denkbar.

Appell an die Politik: Mehr Kontinuität

Kritisch sieht WLV-Präsiden Scholz die fehlende Beständigkeit und Kontinuität im Vereinstraining. Es sei für die Trainer*innen schwer, ein strukturiertes Training umzusetzen, "wenn man nicht weiß, ob man nächste Woche mit 10 Athleten trainieren kann oder wieder nur mit zwei Haushalten". Ein Leichtathletik-Training mit Hygienekonzept würde keinen negativen Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben.

Weitere Leichtahletik-Themen

Sport erklärt Fit durch Joggen: So findet man das richtige Lauftempo

Joggen ist in Corona-Zeiten für viele die einzige Möglichkeit Sport zu treiben. Die Läuferinnen und Läufer werden immer mehr, nur viele laufen zu schnell. Sport erklärt: Wie findet man das richtige Lauftempo?  mehr...

Tübingen

Breitensport | Laufen Der richtige Einstieg ins Laufen: Tipps von Olympiasieger Dieter Baumann

Lebensläufer Dieter Baumann weiß, wie man mit dem Laufen anfangen sollte. Sein Trainingsplan zeigt, wie man es in sechs Wochen schafft, 30 Minuten am Stück zu joggen.  mehr...

Die meistgeklickten Artikel auf swr.de/sport

Kaiserslautern

Fußball | 3. Liga FCK-Coach Antwerpen vor Lübeck: "Unser Weg scheint über Umwege zu gehen"

Der 1. FC Kaiserslautern kommt im Drittliga-Abstiegskampf nicht von der Stelle. Der erhoffte Befreiungsschlag mit dem zweiten Sieg in Serie blieb aus.  FCK-Trainer Marco Antwerpen gibt sich weiterhin kämpferisch.  mehr...

Fußball | 3. Liga Thomas Hengen: Mammutprojekt, den FCK in ruhigere Fahrwasser zu bringen

Wie will der neue Geschäftsführer Sport den 1. FC Kaiserslautern zurück in bessere Zeiten führen? Am Sonntag stellt sich Thomas Hengen in SWR Sport in Rheinland-Pfalz den Fragen von Moderator Tom Bartels.  mehr...

Fußball | Regionalliga Auf- und Abstiege in der Regionalliga Südwest: Ein Pulverfass

Während die Regionalliga Südwest seit Dezember die Saison fortsetzt, wird in den Oberligen weiterhin nicht gespielt. Daraus ergibt sich eine verzwickte Situation. Dem Amateurfußball droht eine Klagewelle.  mehr...

STAND
AUTOR/IN