Raphael Holzdeppe muss auf die Olympischen Spiele in Tokio verzichten (Foto: Imago, Imago/Beautiful Sports)

Leichtathletik | Stabhochsprung

Raphael Holzdeppe muss Tokio abhaken und denkt schon an Olympia 2024

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Raphael Holzdeppe war lange Deutschlands bester Stabhochspringer. Der Olympia-Dritte von London wollte in Tokio nochmal um die Medaillen mitspringen, aber jetzt musste er kurz vor den Spielen die Saison wegen einer Knieoperation abbrechen. Das nächste große Ziel hat er aber bereits im Blick:

Raphael Holzdeppe nimmt die Diagnose seines Knieschadens mit ziemlicher Gelassenheit zur Kenntnis. "Natürlich ist es etwas, das man als Sportler so kurz vor Olympia aber eigentlich auch in seiner ganzen Karriere nicht hören möchte. Aber Gesundheit geht eben vor, das gehört zur Jobbeschreibung eines Profisportlers eben dazu", sagt der Weltmeister von 2013. Angedeutet hatte sich das Saison-Aus eigentlich nicht. Holzdeppe war gerade bei einem Wettkampf in Mössingen, da spürte er plötzlich einen ungewöhnlichen Schmerz im Knie, den er so nicht kannte. In den folgenden Tagen wurde das Knie dick, der Schmerz blieb und da ahnte er schon, dass die Sache sich nicht von selbst erledigen würde.

Situation akzeptieren

Ein Besuch beim Orthopäden brachte die Gewissheit: Knorpelschaden im Knie, eine Operation ist unumgänglich, Sportverbot und damit das Ende aller Hoffnungen, doch noch die Qualifikation für seine vierten Olympischen Spiele zu schaffen. Das Training der vergangenen Monate, all die Mühen eines Leistungssportlers, viele Entbehrungen waren plötzlich vergebens. Trotzdem ist Holzdeppe niemand, der sich von so einem Rückschlag aus der Bahn werfen lässt. "Es kommt sehr selten vor, dass ich die Ruhe verliere und nach außen fluche. Es ändert ja nichts an der Situation. Ich bin ein optimistischer, pragmatischer Mensch und so versuche ich die Sache jetzt auch anzugehen", sagt der 31-Jährige.

Viele Karriereziele schon erreicht

Vielleicht hilft dabei ja auch, dass Holzdeppe schon einige seiner großen Karriereziele erreicht hat. Er galt früh als großes Stabhochsprungtalent, war 2008 schon Junioren-Weltrekordler und qualifizierte sich als 19-Jähriger für die Spiele von Peking. Seine Entwicklung ging immer weiter. 2012 in London gewann er die olympische Bronzemedaille und ein Jahr später bei den Weltmeisterschaften in Moskau sogar Gold. Seither ist der Athlet vom LAZ Zweibrücken eines der Aushängeschilder der deutschen Leichtathletik. Seine Stärke: Er ist fit, wenn es darauf ankommt, nämlich bei den großen Titelkämpfen. 2015 in Peking gewinnt er nochmal Silber bei der WM.

Sommerfeeling statt Wettkampfstress

Zuletzt hat er die ganz großen Höhenflüge seltener erlebt, zumal die Weltspitze mit Überflieger Armand Duplantis inzwischen regelmäßig über sechs Meter springt. Aber ein Holzdeppe in Bestform könnte mit 5,90 Meter immer noch in die Medaillenränge kommen. Jetzt muss er sich aber erstmal mit Rehatraining und einem langwierigen Neuaufbau beschäftigen. "Trainieren kann ich im Moment nur von der Hüfte aufwärts", erklärt er die Einschränkungen. Demnächst steht die Operation auf dem Plan, danach wird er viel Zeit für Dinge haben, die zuletzt kein Thema waren. "Das ist natürlich schwer, von jetzt auf gleich von hundert auf null herunterzufahren. Nach der Saison wäre es mit lieber gewesen, jetzt habe ich eben schon früher frei und das hat auch Vorteile. Ich kann den Sommer genießen und kann jetzt sogar bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft mal ein Bier trinken. Das wäre in der Olympiavorbereitung sonst undenkbar", sagt Holzdeppe.

Paris 2024 ist noch ein Ziel

Da könnte man schon fast den Eindruck gewinnen, er würde vielleicht Gefallen finden am Müßiggang und die Karriere beenden. Doch da widerspricht Holzdeppe ganz entschieden. Nächstes Jahr ist schließlich eine WM in den USA und wenige Wochen später die EM im Rahmen der European Championships vor eigenem Publikum in München. Und noch ein Aspekt lässt ihn das Ganze positiv sehen. "Wenn man schon Olympia verpassen muss, dann doch die Spiele in Tokio unter Corona-Bedingungen im fast leeren Olympiastadion. Da ist es doch viel geiler in drei Jahren dann in Paris in einem vollen Stadion zu springen."

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