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Nach der Absage der Olympischen Spiele 2020 war Gesa Krause frustriert. Doch die Motivation ist zurück - denn das Ziel ist klar: "Wir wollen eine Medaille in Tokio."

"Erstmal war Frust da", gesteht Gesa Krause gegenüber SWR Sport, als sie noch einmal an den Moment der Olympia-Absage zurückdenkt: "Aber jetzt ist die Motivation schnell wieder zurückgekehrt." Der Beweis dafür ist ihr derzeitiger Aufenthaltsort: Die Europameisterin und WM-Dritte über 3000-Meter-Hindernis befindet sich im Höhentrainingslager in Davos. "Vom harten Training jetzt kann ich nächstes Jahr in Tokio auch profitieren", erklärt die Star-Läuferin von Silvesterlauf Trier. Und ihr Trainer Wolfgang Heinig lässt keinen Zweifel am gemeinsamen Ziel: "Wir wollen eine Medaille in Tokio. Dafür tun wir alles."

Dischma-Tal, oberhalb von Davos, 1700 Meter hoch gelegen: Gesa Krause ringt nach Luft. Soeben hat sie den härtesten Teil des Höhentrainingslagers geschafft: vier Kilometer am Stück. Und am Limit. Mal leicht, mal schwer bergauf. Trotzdem läuft sie den Kilometer durchschnittlich in vier Minuten. Und das - nur mit einem kleinen Autotransport ins Ziel unterbrochen - dreimal hintereinander. "Es ist richtig hart", schnauft die 27-Jährige. "Aber ich mag die Einheit. Man lernt sich selbst kennen dabei. Und wenn’s im Rennen hart wird, dann denke ich an solche Momente. Dann geht’s im Wettkampf deutlich besser."

Und kurz nach dem Härtetest lächelt die Athletin schon wieder, freut sich über die traumhafte Kulisse mitten in den Schweizer Alpen, wo sie fast vier Wochen lang ihr Quartier aufgeschlagen hat.

Statt Olympia: Deutsche Meisterschaft Anfang August

Statt den Olympia-Rennen in Tokio heißt das Ziel jetzt erst einmal: Deutsche Meisterschaft Anfang August. Der Ärger über die anfängliche Streichung ihrer Spezialstrecke aus dem DM-Programm ist mittlerweile verraucht, die 3000-Meter-Hindernis dürfen in Braunschweig unter normalen Rennbedingungen gelaufen werden. "Ich bin jetzt erst einmal froh, dass überhaupt Wettkämpfe stattfinden", strahlt Gesa Krause: "Die DM hat grundsätzlich einen hohen Stellenwert bei mir - und jetzt erst recht." Danach sollen internationale Meetings folgen, darunter das ISTAF in Berlin - vielleicht dann ja sogar schon vor teilweise gefüllten Zuschauerrängen.

Genauso hartes Training wie bei einer normalen Saison

Dass die Corona-Zwangspause eine mentale Ausnahmesituation war, bestreitet in der kleinen Trainingsgruppe um Gesa Krause niemand. "Für die Athleten war das schwer, auch für die Trainer", stimmt Wolfgang Heinig zu. Der Erfolgs-Coach weiß aber auch, dass daraus neue Stärke erwachsen kann: "In einer solchen Situation zeigen sich die wahren Athleten."

Die intensiven Wochen in der Höhe von Davos bilden dabei eine wichtige Grundlage für die weitere Wettkampf-Planung. Die erhöhte Sauerstoffaufnahme im Blut, das Atemvolumen - das sind wichtige physiologische Komponenten, die in den Bergen verbessert werden. Heinig: "Wir trainieren genauso hart, als würden wir eine volle Saison haben."

"Eine Art Frustbewältigung"

Auch Gesa Krause hat ihr mentales Tief mittlerweile überwunden. "Am Anfang habe ich mich ins Training geworfen und bin so viele Kilometer wie noch nie gerannt. Eine Art Frustbewältigung", erzählt sie. Aber dann habe sie Familienleben und die Zeit zuhause genossen. "Denn in den Jahren davor war ich zu dieser Zeit ja eigentlich nie daheim", sagt Krause. Und ergänzt, dass sie durch den Genuss "der schönen Dinge des Lebens" auch wieder neue Kraft getankt habe. Und lächelt schon wieder.

Klares Ziel: Eine Olympische Medaille

Ansonsten geht der Blick nach vorne. "Klar, nach dieser kurzen Saison 2020 werde ich einen kleinen Urlaub einlegen und dann aber durchstarten bis Tokio", beschreibt Gesa Krause ihren Fahrplan bis 2021. Auch wenn noch Zweifel mitschwingen, ob die Olympischen Spiele nächstes Jahr überhaupt durchgeführt werden können aufgrund der weltweit nach wie vor hohen Corona-Fallzahlen, formuliert die Europameisterin und WM-Dritte ganz deutlich ihr Ziel: "Eine Medaille! Das ist mein Lebenstraum. Ein Jahr später macht für mich dabei keinen großen Unterschied."

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