Gesa Krause, Starläuferin von Silvesterlauf Trier (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Leichtathletik | Hallen-EM

Leichtathletik-EM in Corona-Zeiten: "Da spielt sich was im Kopf ab"

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Viele Leichtathleten können es selbst nicht glauben: Sie dürfen um große Titel kämpfen. Nach den deutschen Meisterschaften vor zehn Tagen in Dortmund steigen jetzt sogar europäische Titelkämpfe im polnischen Torun. "Ich bin hochmotiviert", sagt Mehrkämpfer Kai Kazmirek. "Man muss dankbar sein, dass die EM überhaupt stattfinden kann", meint Läuferin Gesa Krause.

Eigentlich genießt Kai Kazmirek alle Vorzüge eines Top-Athleten: Als Bundeskader-Mitglied darf der 30-Jährige von der LG Rhein-Wied nahezu uneingeschränkt trainieren. Und doch erwischt auch ihn die Corona-Begrenzung bei der Vorbereitung auf die Hallen-Europameisterschaft der Leichtathleten im polnischen Torun (5. - 7. März). Denn als der Zehnkämpfer seine Einheiten im Kraftraum des Neuwieder Stadions antreten will, kommt er einen Tick zu spät: Zwei Athleten sind bereits an den Geräten - und mehr dürfen es aufgrund der Pandemie-Auflagen auch nicht sein. Also plant Kazmirek kurzerhand um, trägt Hantel und Scheiben nach draußen.

Gute Laune ist Kazmirek nicht zu nehmen

"Da muss man flexibel sein", lacht der 1,90-Meter-Mann und beginnt seine Schnellkraft-Einheit. Die gute Laune vor der anstehenden EM ist ihm durch eine solche Kleinigkeit ohnehin nicht zu nehmen: "Ich gehe gern ins Training, habe Spaß - und bei Sonne sowieso."

Kazmireks Ziel: über 6100 Punkte

Sein Ziel bei der Hallen-EM, bei der die Männer ja sieben statt normalerweise zehn Disziplinen bestreiten, umreißt der Neuwieder nicht mit einer Platzierung: "Ich will über 6100 Punkte machen, damit wäre ich zufrieden. Die Tests liefen gut, jetzt muss ich das halt nur noch in einen Mehrkampf packen."

Wie ehrgeizig der WM-Dritte von London 2017 die Reise nach Torun angeht, zeigt sich an diesem Trainingstag an Kleinigkeiten: Das Start-Ritual beim Hürden-Training ist so intensiv wie im Wettkampf, die Quälerei mit den Hantel-Scheiben auch außerhalb des Kraftraums minutiös nach Plan. Corona lässt der Sport-Polizist möglichst außen vor.

"Die erste Welle war hart"

"Die erste Welle hatte uns hart getroffen im letzten Jahr", erzählt Kazmirek: "Da sind wir in den Wald, haben Treppenläufe gemacht, konnten nicht auf die Bahn. Der zweite Lockdown war dann schon ein bisschen geordneter. Wir hatten Absprachen mit der Stadt Neuwied, auch die Bundeskaderathleten durften trainieren, so dass wir unseren normalen Betrieb aufrechterhalten konnten."

Corona im Kopf

Doch "normal" ist in diesen Pandemie-Zeiten trotzdem relativ. Das bestätigt auch der Mehrkampf- und Sprint-Trainer der LG Rhein-Wied, Holger Klein. "Sicher spielt sich da was im Kopf ab", erzählt Klein, während er seinen Schützling beim letzten Schliff beobachtet. Denn natürlich würden die Athleten nachdenken und sich Fragen stellen: "Lohnt es sich überhaupt, so hart weiter zu trainieren? Werden die Wettkämpfe kommen, die ich mir vornehme? Zum Beispiel Olympische Spiele? Insofern spielt Motivation da schon eine Rolle."

Kazmirek hofft inständig, dass Tokio eine Station seiner Karriere sein wird. "Ich bin ja jetzt in einem Alter, wo es nicht mehr allzu viele olympische Spiele geben wird, bei denen ich vorne mit performen kann", meint der Zehnkämpfer mit süffisantem Lächeln: "Ich bin zuversichtlich, dass alles klappt."

Gesa Krause mit Meistertitel nach Polen

Gesa Krause kennt die Herausforderung des Kopfes nur allzu gut. Die Starläuferin von Silvesterlauf Trier arbeitet daran, die Corona-Thematik nicht zu sehr an sich herankommen zu lassen. "Ich möchte mich grundsätzlich nicht mit Wenn und Falls beschäftigen", schildert die WM-Dritte von 2019: "Wichtig ist, dass ich optimal vorbereitet bin!"

Das gilt für ihren Saisonhöhepunkt Olympia genauso wie jetzt für ihren Start bei der Hallen-EM. "Ich starte wieder über die 1500 Meter und da ist der erste Schritt natürlich erst einmal, die Vorläufe zu überstehen, ins Finale zu kommen und dann so weit es geht nach vorne zu kämpfen." Viel Motivation schöpfte sie aus ihrem Coup bei der Deutschen Meisterschaft vor zehn Tagen, als die 3000-Meter-Hürdenspezialistin auch ohne Hindernisse und über die halbe Distanz den Titel holte.

Vorfreude aufs Nationaltrikot

Allein schon die Tatsache, dass sie nach anderthalb Jahren erstmals wieder das Nationaltrikot tragen darf, macht Gesa Krause glücklich. "Ich hatte schon ein Lächeln auf dem Gesicht, als die Kleidung hier bei mir zuhause angekommen ist", erzählt sie und lacht erneut. Den Start in der für sie in eher selten besuchten Halle nimmt Gesa Krause sehr ernst, legte ihre Anreise zur EM extra einen Tag früher, um in Torun noch einmal ausgeruht trainieren zu können.

Klar ist aber auch: das wichtigste Saisonziel heißt Olympia. "„Ich gehe fest davon aus, dass die Spiele stattfinden", erklärt die 28-Jährige kurz vor der Abfahrt zum Frankfurter Flughafen. "In diesem Sinne haben die Hallen-Wettkämpfe bereits gezeigt, dass die Umsetzung möglich ist. Ich glaube fest daran, dass man für Olympia eine angemessene Lösung findet, wie man die Spiele am Ende umsetzen kann."

Ob Läuferin oder Mehrkämpfer: Die Europameisterschaft bedeutet Extra-Motivation – auch für Traum eines jeden Sportlers, der nach wie vor Olympia heißt.

Tübingen

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