Gesa Felicitas Krause (GER  Silvesterlauf Trier) bei Indoor-Meeting (Foto: imago images, imago images / Beautiful Sports)

Leichtathletik | Hintergrund

Gesa Krause: ihr Glaube an Olympia und ihr Lauf für die Trierer Amokfahrt-Opfer

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"Nein!", antwortet Gesa Krause ganz entschieden auf die Frage, ob 2020 ein Jahr zum Vergessen sei. "Ich werde gestärkt daraus hervorgehen." Ihr altes Ziel ist auch ihr neues: Olympia. SWR Sport hat mit Gesa Krause zum Jahresabschluss gesprochen.

Die Gedanken der 28-Jährigen gelten rund um Silvester aber erst einmal den Opfern der Amokfahrt in Trier. Mit einem virtuellen Charity-Lauf sammelten Gesa Krause und ihr Verein Silvesterlauf Trier Spendengelder – um gleichzeitig an das Leid der Betroffenen zu erinnern. "Das ist eine tolle Aktion, die ich unterstütze", so Krause, die die 5.000 Meter beim virtuellen Lauf in 17:22 Minuten absolvierte.

Trainieren, trainieren, trainieren - aber für was?

Auch im Corona-Jahr 2020 läuft Gesa Krause rund 5.000 Trainings-Kilometer. Aber: für was? Eine Frage, die sich auch Gesa Krause gestellt hat. Vor allem in dem Moment, als wegen der Pandemie fast nichts mehr übrig bleibt von den Wettkämpfen, für die sie so hart gearbeitet hat."Die Olympia-Absage hatte sich ja abgezeichnet. Aber wenn man das dann schwarz auf weiß sieht: das ist ein schockierender Moment", erzählt die Hindernis-Spezialistin über die 3.000-Meter-Distanz rückblickend. "Aber ich hab' mir dann gesagt: es geht weiter!"

Nach ihrem Super-Jahr 2019, als sie neuen deutschen Rekord lief und Bronze bei der Weltmeisterschaft holte, will die Topathletin von Silvesterlauf Trier eigentlich noch was draufpacken: einen Erfolg bei den Olympischen Spielen. Jetzt soll es eben 2021 sein. "Mein Ziel hat sich nicht verändert. Es hat sich nur verschoben", formuliert die 28-Jährige mit altbekannter Entschlossenheit. "Ich glaube daran, dass Olympia stattfindet. Das sage ich nicht nur, um mir ins Gewissen zu reden, sondern ich bin fest überzeugt davon!"

Aufgabe bei Deutscher Meisterschaft war ein Tiefschlag

Doch die Zuversicht ist nicht immer so stark ausgeprägt in diesem Corona-Jahr. Besonders als ein Highlight nach dem anderen aus ihrer Saisonplanung gestrichen werden muss, wird ihr Optimismus auf eine harte Probe gestellt. "Das war die Zeit, als uns der Boden unter den Füßen weggerissen wurde", erzählt Gesa Krause nachdenklich. Und dann auch noch die Enttäuschung, als sie bei der Deutschen Meisterschaft als klare Favoritin an den Start geht, aber auf halber Strecke erschöpft aufgeben muss. "Ich hatte in der Vorbereitung viele Körner gelassen, viel investiert und dann bei der DM keine Kraft und Power mehr", gesteht sie ein und bringt es auf den Punkt: "Das war ein echter Tiefschlag!"

Hausbau in Dillenburg statt Wettkampf-Stress

Sie nimmt deshalb eine Auszeit, reist durch Europa. Und weil sie erstmals seit vielen Jahr nicht von Wettkampf zu Wettkampf hasten muss, kann sie auch viel Zeit mit ihren Eltern im hessischen Dillenburg verbringen – dort also, wo sie ihre Kindheit verlebte und wohin sie jetzt zurückgekehrt ist: mit dem Bau eines eigenen Hauses im Dillenburger Stadtteil Manderbach. "Der Hausbau war jedenfalls eine ganz andere Erfahrung: etwas wachsen sehen, was man selbst erschaffen hat", sagt sie und muss gleich wieder lachen: "Ich hätte nicht gedacht, dass ein Hausbau soviel Zeit und Nerven kostet. Es sind immer noch ein paar Baustellen offen…."

Virtueller Silvesterlauf für die Opfer der Trierer Amokfahrt

Das ungewöhnlichste Jahr ihrer langen Karriere geht dann auch noch zu Ende, ohne dass der traditionelle Silvesterlauf ihres Vereins in Trier stattfinden kann – zumindest nicht auf dem Pflaster der Moselstadt. "Dafür gibt es einen virtuellen Lauf, mit vielen Ehemaligen, mit wirklichen Stars, mit Hobbyläufern. Alle laufen ihre acht oder fünf Kilometer, irgendwo auf der Welt", erzählt Gesa Krause. Mit jedem Teilnehmer wird Geld gesammelt – zugunsten der Opfer der Amokfahrt in Trier, bei der Anfang Dezember fünf Menschen getötet und etliche verletzt wurden.

Die Straßen, auf der das Verbrechen begangen wurde, sind teilweise identisch mit der Strecke des alljährlichen Silvesterlaufs. "Da fehlen einem die Worte", sagt Gesa Krause, die im Höhentrainingslager in Kenia von den schrecklichen Ereignissen erfahren hat. "Das ist nicht wiedergutzumachen, in keinster Weise." Aber ihr sei es eine Herzensangelegenheit, mit ihrer Teilnahme am virtuellen Silvesterlauf auf das Leid der Opfer und Hinterbliebenen aufmerksam zu machen. "Das ist ein schöner Weg."

Ihr eigener, ihr sportlicher Weg hat erneut das Ziel Tokio. "Ich freue mich auf diese Herausforderung!" Den Jahreswechsel hat sie bewusst bei sich zuhause, in Dillenburg und Manderbach, eingeplant. Krause: "Die Familie ist mir wichtig. Das ist meine mentale Regeneration." Gesa Krause ist ansteckend optimistisch – am Ende eines Jahres, das für sie in der Tat keines zum Vergessen ist.

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