Der Mainzer Zehnkämpfer Niklas Kaul steht auf der Laufbahn des Münchner Olympiastadions, hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und Tränen in den Augen. (Foto: IMAGO, IMAGO/Kai Peters)

Zehnkampf | European Championships

"Wahnsinn" - Niklas Kauls gigantisches Zehnkampf-Finale

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AUTOR/IN
Michael Richmann

Die Medaille in Sichtweite, aber noch ganz weit weg. Nach acht Disziplinen wollte der Mainzer Zehnkämpfer Niklas Kaul den Zuschauern nur noch eine gute Show liefern. Doch dann trumpfte er nochmal ganz groß auf.

Der Endspurt war gigantisch. Der Mainzer Zehnkämpfer Niklas Kaul lief wie im Rausch durch das Münchener Olympiastadion. 4:10.04 Minuten standen am Ende neben seinem Namen auf der Anzeige-Tafel - persönliche Bestleistung. Völlig ausgepumpt ließ er sich auf die Laufbahn fallen. War das Gold?

Zittern bis zum Schluss und darüber hinaus

Auf die Antwort musste Kaul warten, denn Simon Ehammer - der nach neun Disziplinen führte - war noch auf der Strecke. Doch dass Kaul zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch auf den EM-Titel hoffen konnte, war sensationell. Zwischenzeitlich schien der Weltmeister von 2019 bereits abgeschlagen. "Nach dem Mittagsschlaf habe ich mir gesagt: Wenn die Goldchance weg ist, mache ich zumindest für alle Zuschauer eine Show in den letzten beiden Disziplinen."

Doch am Abend trumpfte Kaul noch einmal ganz groß auf: Der 24-Jährige warf den Speer auf herausragende 76,05 Meter; Kontrahent Ehammer kam nur auf 53.46 Meter.

Doch der Schweizer hatte vor dem abschließenden 1.500-Meter-Lauf noch immer 27 Sekunden Vorsprung. "Ich habe mir immer gewünscht, dass ich irgendwann mal in die Situation komme, dass ich richtig laufen muss", sagte Kaul in Interview mit der ARD und erinnerte sich an die Worte seines Trainers: "Es ist schwer, wenn du jede Disziplin einen auf den Deckel bekommst und die anderen performen. Aber du bist unschlagbar, wenn du eine Chance witterst."

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40.000 Zuschauer tragen Kaul zum Sieg

Kaul witterte seine Chance - und lief sich, getragen von den 40.000 Zuschauern, in einen Rausch: "Bei den 1.500 Metern sind mir fast die Ohren weggeflogen, das war der Wahnsinn."

Das lange Warten auf den goldenen Moment

Erschöpft schaute Kaul in den Münchner Nachthimmel, rang nach Luft und hoffte. Ehammer war noch immer auf der Strecke. Zehn Sekunden. Kaul trank einen Schluck. Fünfzehn Sekunden. Den Rest des Wasser schüttete er sich über den Kopf. 20 Sekunden. Die Zuschauerm blickten gebannt auf die Anzeigetafel. 25 Sekunden. Ehammer lief noch immer. Und so wurde aus Hoffnung langsam Gewissheit: Drei, zwei, eins - Gold! Kaul hatte sich insgesamt 38,68 Sekunden Vorsprung erkämpft - in der Gesamtwertung ergab das 8.545 Punkte.

Kaul lag immer noch am Boden. Es war der Jubel des Publikums, der ihn über den Erfolg informierte. "München wird immer einen ganz speziellen Platz in meinem Herzen haben", sagte Kaul überwältigt. Nach all den Verletzungsproblemen im rechten Ellenbogen und mit dem rechten Fuß in den vergangenen Jahren war das Balsam auf die geschundene Sportler-Seele. "Es war einfach Wahnsinn, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll." Die Zuschauer fanden dann doch noch die richtigen Worte: "Oh, wie ist das schön." Denn dieser Endspurt war gigantisch.

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